11.07.2014 06:54
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
«Gedächtnis der mütterlichen Ernährung» bestätigt
Wenn trächtige Mäusemütter unterernährt sind, verändert dies die Spermien ihrer Söhne. Danach leiden sogar ihre Enkel überdurchschnittlich häufig an Stoffwechselkrankheiten wie Übergewicht und Diabetes, wie ein internationales Forscherteam mit Basler Beteiligung im Fachjournal «Science» berichtet.

Die Studie bestätige, dass es ein «Gedächtnis der mütterlichen Ernährung» gibt, teilte die britische Cambridge Universität am Donnerstag mit. Diese Erkenntnisse könnten helfen zu verstehen, warum es Rekordraten von Übergewicht und Altersdiabetes in der heutigen Gesellschaft gibt.

Epigenetische Veränderungen

Das Team um Anne Ferguson-Smith von der Cambridge Universität hat schwangere Mäuse mit nur halben Futterportionen gefüttert. Ihre Söhne waren wie erwartet kleiner und entwickelten Diabetes, wenn sie normale Futtermengen erhielten. Doch auch die Nachkommen dieser Söhne waren klein und wurden öfter zuckerkrank - auch wenn ihre Mütter normal ernährt worden waren.

Dafür sind laut den Forschenden sogenannte epigenetische Veränderungen verantwortlich, Anhängsel am Erbgut, die das Ablesen der Gene steuern. Sind diese in Spermien oder Eizellen verändert, können die Veränderungen vererbt werden. Die Forscher fanden weniger solcher Anhängsel in den Spermien der Söhne, und bei den Enkeln funktionierten die Gene nahe der Anhängsel nicht richtig.

Nach zwei Generationen gelöscht

Evolutionär gesehen sei das sinnvoll, erklärte Ferguson-Smith in der Mitteilung: «Wenn Futter rar ist, könnten Nachkommen dazu vorprogrammiert sein, mit wenig Nahrung auszukommen. Mit plötzlichem Nahrungsreichtum können ihre Körper dann nicht umgehen, und sie entwickeln Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes.»

Die Forscher waren nach eigenen Angaben jedoch überrascht davon, die Veränderungen der Anhängsel im Erbgut der Enkel nicht mehr zu finden. «Die Erinnerung an die Unterernährung der Grossmutter wurde ausgelöscht oder jedenfalls nicht mehr über DNA-Anhängsel weiter gegeben», schreiben sie.

Auch das ergebe Sinn: Die Umwelt verändere sich stetig - auf karge folgen womöglich fette Zeiten. Epigenetische Veränderungen verlören sich. Dies könne optimistisch stimmen, dass epigenetische Einflüsse beim Menschen ebenfalls zeitlich limitiert oder rückgängig zu machen sein könnten.

An der Arbeit waren auch Antoine Peters vom Friedrich Miescher Institut und der Universität Basel und ein Kollege vom Schweizerischen Institut für Bioinformatik in Basel beteiligt.

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