20.08.2016 13:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gesundheit
Geldgeschenke bringen Raucher zum Aufhören
Es gibt viele Tricks, mit denen Rauchern geholfen werden soll, sich dauerhaft von den Zigaretten zu trennen. Forschende der Uni Genf haben einen einfachen Weg getestet, einen Anreiz zum Aufhören zu schaffen: Sie haben Rauchern fürs Aufhören Geld angeboten.

Gerade Wenigverdienende rauchen häufiger und könnten für finanzielle Anreize zum Aufhören besonders empfänglich sein. Aber reicht die Aussicht auf Geld, um mit der Sucht zu brechen, oder braucht es zusätzliche Hilfsmittel? Das haben die Forschenden um Jean-François Etter von der Universität Genf getestet, wie die Hochschule am Montag mitteilte.

Demnach funktioniert ein finanzieller Anreiz etwa gleich gut wie Medikamente oder medizinische Hilfsmittel wie Nikotinpflaster, berichten Etter und seine Kollegen im Fachblatt «Journal of the American College of Cardiology». In Kombination könnten diese verschiedenen Mittel sogar noch effektiver sein.

Steigender Anreiz

An der Studie nahmen 800 Raucherinnen und Raucher aus der Region Genf teil, deren Jahreseinkommen unter 50'000 Franken lag. Die Wissenschaftler teilten die Teilnehmenden zufällig in zwei Gruppen ein. Alle sollten mit dem Rauchen aufhören, aber die eine Gruppe erhielt dafür Supermarkt-Gutscheine mit steigendem Wert, beginnend bei 100 Franken nach der ersten Woche. Wer die ersten sechs Monate rauchfrei blieb, erhielt so einen Gesamtbetrag von 1500 Franken.

Um sicher zu stellen, dass die Probanden tatsächlich mit dem Rauchen aufhörten, führten die Wissenschaftler biochemische Tests nach der ersten Woche, dann mit immer grösseren zeitlichen Abständen durch. Nach sechs Monaten gab es keine weiteren Belohnungen, die Forscher prüften die Probanden aber noch einmal nach 18 Monaten, ob sie rauchfrei geblieben waren.

Langfristig viele Rückfälle

Über die Hälfte (55 Prozent) der Studienteilnehmer, die die Gutscheine erhielten, blieb während der ersten drei Monate rauchfrei. Bei jenen ohne Belohnung waren es nur 12 Prozent. Nach sechs Monaten waren es noch 45 Prozent gegenüber 11 Prozent. Nachdem der finanzielle Anreiz wegfiel, fingen allerdings die meisten aus dieser Gruppe wieder an zu rauchen. Nach 18 Monaten waren nur noch 9,5 Prozent rauchfrei.

Immerhin lag diese langfristige Erfolgsquote 5,8 Prozentpunkte über derjenigen, wenn es keine Belohnung gab (3,7 Prozent). Eine ähnliche Steigerung der Erfolgsquote schaffen medizinische Hilfsmittel und Medikamente. Die Forschenden vermuten, dass eine Kombination aus medizinischen und finanziellen Anreizen noch wirksamer sein könnte. Ausserdem müsste man die Belohnungen über eine längere Zeit ausweiten. «Wir denken, das könnte die Zahl der Leute senken, die wieder anfangen zu rauchen», sagte Etter gemäss der Mitteilung.

Echte Belohnung, gespartes Geld

Finanzierung für solche Programme könnte beispielsweise aus dem Tabakpräventionsfonds des Bundesamts für Gesundheit (BAG) kommen, erklärte Etter auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Mittel des Fonds stammen aus Abgaben pro gekaufter Zigarettenpackung. «Auch wenn der Ansatz mit finanziellen Anreizen teurer wäre als der mit Medikamenten, könnte er dennoch kosteneffektiv sein gegenüber den enormen Gesundheitskosten, die Rauchen verursacht», so Etter.

Zwar setzen bereits manche Smartphone-Apps darauf, Rauchern vor Augen zu führen, wie viel Geld sie mit dem Aufhören sparen. Eine Studie über den Vergleich von echten Anreizen und der Berechnung von gespartem Geld gebe es seines Wissens nach bisher nicht, sagte Etter der sda. Er und sein Team arbeiten allerdings derzeit an einer Studie über die Effizienz der Stop-Tabak App.

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