13.01.2018 07:10
Quelle: schweizerbauer.ch - jgr
Luzern
Gerüche, Geschmäcker und Gerichte
Papaya, Bananen und Kakaofrüchte gedeihen im Tropenhaus im luzernischen Wolhusen. Sämtliche Früchte und Pflanzen werden biologisch angebaut. Und die Gülle der Fische wird zum Düngen der Pflanzen verwendet.

Es ist warm, angenehm warm. Daunenjacke und Wintermantel legt man am besten bei der Garderobe ab, sonst gerät man ins Schwitzen, zumal der Aufenthalt im Tropenhaus in Wolhusen etwas länger dauern könnte. Denn es gibt sehr viel zu entdecken.

Allein im gläsernen Besucherhaus wachsen auf einer Fläche, die halb so gross ist wie ein Fussballfeld, ungefähr 120 verschiedene tropische Nutzpflanzen. «Wir bauen alles biologisch an», sagt Pius Marti. Der Agronom und Bauernsohn ist seit der Eröffnung im März 2010 Geschäftsführer des Tropenhauses Wolhusen im Kanton Luzern. 

Süss und aromatisch

Der Weg durch die Pflanzenpracht führt durch ein Dach von Palmenblättern. Ein Hauch von exotischen Düften liegt in der Luft. «Das ist Myrrhe», erklärt Marti und zeigt auf einen kleinen grünen Strauch. Aber auch Cherimoya, Longan oder Kumquats gedeihen in Wolhusen. «Das Fruchtfleisch der Cherimoya ist besonders süss und sahnig», erklärt Pius Marti.

Die Longan-Früchte hängen in Büscheln am Baum, ähnlich wie Weintrauben. Das Fruchtfleisch ist weiss, sehr saftig, aromatisch und süss. Die Kumquat, verrät Pius Marti, sei seine Favoritin unter den Früchten. Dabei handelt es sich um kleine Zitrusfrüchte, die man mit der Schale isst. 

Regionale Verarbeitung

Auch Bananen und Papayas wachsen im Tropenhaus. Dazu kommen Drachen- und Kakaofrüchte. «Wir sind kein botanischer Garten.» Es würden nur Nutzpflanzen angebaut, betont Pius Marti. Die Früchte und Gewürze werden regional verarbeitet. So wie etwa von der Familie Estermann in Rain LU. Sie ist bekannt für ihre Produktelinie Feines aus Luzern.

Estermanns stellen für das Tropenhaus Chili- und  Curryöl sowie Konfitüren her. Die Produkte werden in verschiedenen Kanälen vertrieben, dazu gehört auch der hauseigene Shop im Tropenhaus. Dort findet der Besucher auch  Papaya-Curry, Dip-Sauce Tomaten-Kokos und viele andere Köstlichkeiten.

Und wer nicht fixfertige Produkte mit nach Hause nehmen möchte, der kann im Produktionshaus, das direkt neben dem Erlebnishaus steht, 100 verschiedene, vorwiegend tropische Duft-, Gewürz- und Heilpflanzen sowie Zimmer- und Wintergartenpflanzen kaufen. Darunter befinden sich aromatische Küchenkräuter für vitalisierende Smoothies und schmackhafte Currygerichte.

Hauseigenes Restaurant

Ein Teil der Früchte, die im Tropenhaus wachsen, werden ebenfalls im hauseigenen Restaurant Mahoi serviert. Das Restaurant hat 14 Gault-Millau-Punkte und bietet Platz für bis 180 Gäste. Auf der Menükarte stehen auch Fischgerichte. Die Tilapia-Fische, auch Buntbarsche genannt, werden in grossen Becken im Tropenhaus gehalten.

Das warme Fischwasser wird als Dünger für die Pflanzen gebraucht und versorgt diese mit notwendigen Nährstoffen. «Im Tropenhaus hat es nebst Fischen auch ein paar Schildkröten, Hühner und viele verschiedene Nützlinge, die für die Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden», so Pius Marti. 

Viel Wissenswertes

Eine weitere Attraktion in Wolhusen ist der sogenannte «Fokus». Unter diesem Namen wird im Tropenhaus eine Reihe von Sonderausstellungen durchgeführt, welche eine bestimmte Pflanze oder Pflanzengruppe aus der Vielfalt der tropischen Kulturpflanzen und deren Besonderheit in Anbau, Produktion und Verarbeitung den Besuchern näherbringt.  Zudem werden auf Anfrage Workshops und Führungen angeboten. 

www.tropenhaus-wolhusen.ch

Die Anfänge des Tropenhauses Wolhusen gehen zurück auf das Jahr 1989, als im Kanton Luzern ein neues Energiegesetz eine bessere Nutzung industrieller Abwärme vorschrieb. Damit wurde der Grundstein für die zukünftige Nutzung des grossen, in der Gasverdichtungsstation Ruswil anfallenden Abwärmepotenzials gelegt. 1998 wurde der Verein IG Abwärmenutzung Gasverdichtungsstation Ruswil gegründet, der ein Abwärme-beheiztes Gewächshaus für die Produktion von tropischen Nutzpflanzen erstellte. Wegen des unerwartet grossen Besucherinteresses wurde schon bald eine Neubauplanung veranlasst. Im Februar 2007 wurde die Tropenhaus Wolhusen AG gegründet. Diese übernahm die Leitung, die Projektrealisierung und den Betrieb des neuen Tropenhauses Wolhusen. Dieses feierte am 21. März 2010 seine Eröffnung. Geschäftsführer ist von Beginn an der Agronom und Bauernsohn Pius Marti. Seit Anfang Dezember 2017 gehört das Tropenhaus zu 100 Prozent Coop. Das Tropenhaus besteht aus einem 5300 Quadratmeter grossen Produktions- und einem 2100 Meter grossen Erlebnishaus. Insgesamt kann der Besucher rund 120 verschiedene tropische Nutzpflanzen bestaunen. Zudem hat es ein Restaurant und einen Verkaufsladen.  pd/jgr

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