13.08.2013 09:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Schwingen
«Gespannt auf das Gefühl in der Arena»
Er zählt zu den unbekannteren Teilnehmern des Eidgenössischen: Thomas Glauser aus Châtonnaye. Der Landwirt bewirtschaftet zusammen mit Vater und Bruder einen Biobetrieb. Gespannt blickt er nach Burgdorf.

Es ist 34°C im Schatten, Thomas Glauser steigt staubig und verschwitzt vom Traktor. «Morgen haben sie Regen gemeldet, ich musste noch schnell die Gerstenparzelle fertig äugsteln.» Schnell ist klar, wofür das Herz des Schwingers nebst dem Sport noch schlägt: den 38-Hektar-Biobetrieb mit Ackerbau und 43 Milchkühen in Châtonnaye FR.

Seit Anfang Jahr bewirtschaftet der gelernte Landwirt und Agronom FH den Betrieb zusammen mit seinem Vater Fritz und und seinem Bruder Andreas in einer Generationengemeinschaft. Daneben arbeitet er in einem 20%-Pensum für den Freiburger Bauernverband als Betriebswertschätzer.

Zum ersten Mal dabei

Der 26-Jährige gehört dem Südwestschweizer Schwingverband an und trainiert im Schwingklub Cottens FR. Von den 27 für das Eidgenössische in Burgdorf nominierten Westschweizern liegt er auf Rang 9. Es wird sein erstes Eidgenössische sein. «Mein Ziel ist, alle acht Gänge zu bestreiten»,

Bisher hat Thomas Glauser sechs Kränze auf seinem Konto. Vier davon holte er in der laufenden Saison. Am Neuenburger Kantonalen 2013 in Couvet stand er erstmals an einem grösseren Fest im Schlussgang, welchen er allerdings gegen Michael Matthey verlor.

Für 3 Jahre ein «Berner»

Den ersten Kranzgewinn konnte Thomas Glauser am Mittelländischen 2009 in Utzigen BE feiern. Er studierte zu dieser Zeit in Zollikofen BE und trainierte deshalb während drei Jahren im Klub Worblental, dem unter anderen auch Willy Graber angehört. «Es war eine gute Erfahrung, mit eidgenössischen Kranzschwingern trainieren zu können.»

Dann wurde es eine Zeit lang ruhiger um ihn. «Hat man einmal den Kranz gemacht, wird es schwieriger. Die Erwartungen sind höher, und man bekommt stärkere Gegner.» Ausserdem konnte er wegen des Studiums nicht mehr so oft trainieren. Erst 2012 folgte der zweite Kranz am Waadtländer Kantonalen. Eine Schulterverletzung, die er sich beim Bau eines neuen Schwinglokals in Cottens zuzog, beendete die Saison 2012 frühzeitig. Seither läuft es rund, Glauser ist in Form.

Gross und kräftig werden

Mit Schwingen begonnen hat der Freiburger, dessen Eltern aus dem Thurgau ausgewandert sind, als 14-Jähriger. Nach dem Eidgenössischen in Nyon 2001 wollte ein Kollege den Sport ausprobieren und nahm ihn mit zum ersten Training. Der Kollege hörte bald wieder auf, während es Thomas Glauser packte. «Ich wollte so gross und kräftig werden wie die älteren im Schwingklub.» Das ist ihm gelungen: Mittlerweile misst der junge Mann 1,90 m und wiegt 97 Kilo.

Der Landwirt trainiert zwei Mal pro Woche  im Schwingkeller und ein bis zwei Mal selber. Im Winter jeweils mehr Kraft und Aufbau, im Sommer mehr Ausdauer und Schnelligkeit unter anderem auf dem Vitaparcours. «Jetzt vor Burgdorf werde ich noch etwas mehr trainieren, bevor ich dann zwei Wochen vor dem Fest etwas runterfahre.»

Kein Ausgang vor Fest

Rituale hat der bodenständige Westschweizer keine speziellen: «Ich schaue, dass ich am Samstag genügend esse, dafür am Sonntag nur noch wenig und gehe vor einem Schwingfest nicht in den Ausgang.» Zu seinen Spezialschwüngen zählt der offensive Schwinger den Kurz und den Gammen. Lieber verliert er einen Gang, als dass er nicht alles versucht und der Gang gestellt endet. Mit seiner ruhigen Art falle es ihm manchmal schwer, sich in Kampfstimmung zu bringen. «So oder so steht für mich die Freude am Sport im Vordergrund.»

Obwohl Thomas Glauser kleine, regionale Schwingfeste am liebsten hat, freut er sich aufs Eidgenössische: «Ich bin gespannt, was das für ein Gefühl sein wird, in der riesigen Arena vor so vielen Menschen zu schwingen.»

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