23.05.2015 09:48
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gesundheit
Gesundheit: Kälte ist gefährlicher als Wärme
Ist das Wetter etwas zu warm oder zu kalt, kann das viel gefährlicher für die Gesundheit sein als Extrem-Temperaturen. Kälte ist dabei für etwa 20 Mal mehr Todesfälle verantwortlich als Wärme. Das hat eine weltweite Studie ergeben.

Forscher haben für die Untersuchung 74 Millionen Todesfälle zwischen 1985 und 2012 in 13 Staaten quer über den Erdball ausgewertet. Das Team um Antonio Gasparrini vom Hygiene- und Tropeninstitut in London setzte die Daten in Verbindung zu einer für jedes Land einzeln berechneten Idealtemperatur.

Es ist den Angaben zufolge die bislang grösste Studie zum Zusammenhang zwischen Temperatur und Gesundheit. Daten aus der Schweiz wurden nicht ausgewertet; Europa war mit Italien, Spanien, Schweden und Grossbritannien vertreten. Das Team veröffentlichte die Studie in der Medizin-Zeitschrift «The Lancet».

Extreme Temperaturen weniger gefährlich

Ist es zu warm, belastet das vor allem Herz und Kreislauf. Ist es zu kalt, kommen laut der Studie Probleme mit den Atemwegen als weiteres Risiko hinzu, ausserdem ist dann die Immunabwehr schwächer. Kälte war der Studie zufolge für 7,29 Prozent aller Todesfälle verantwortlich, Wärme nur für 0,42 Prozent. Aber: Extreme Temperaturen - egal ob eisige Kälte oder grosse Hitze - waren nur für relativ wenige Todesfälle verantwortlich.

Die meisten wetterbedingten Todesfälle ereigneten sich an mässig heissen und vor allem an etwas zu kalten Tagen, wie Gasparrini in einer Mitteilung erläuterte. In Madrid zum Beispiel starben die meisten Menschen bei 8 Grad. Den zweithöchsten Ausschlag hatte die Kurve bei 25 Grad. Bei extremeren Temperaturen um die Null und über 30 Grad flachte die Kurve stark ab.

Die für die Gesundheit ideale Temperatur läge den Daten zufolge für Spanien um die 22 Grad. Egal ob heisse, feuchte oder kalte, trockene Länder: Die Grafik, die Todesfälle und Temperatur zueinander in Beziehung setzt, ergibt in fast allen Klimazonen eine Art M.

Zweifel an Aussagekraft

Zwei Forscher von der chinesischen Duke Kunshan Universität bezweifelten die Aussagekraft der Studie in einem Kommentar, der ebenfalls in«The Lancet» veröffentlicht wurde. Wichtige Faktoren für die Analyse von Todesursachen wie Alter, Gesundheitszustand, Armut oder Reichtum oder Luftverschmutzung seien nicht berücksichtigt worden, schrieben Keith Dear und Zhang Wang.

Gasparrini und seine Mitautoren sind der Ansicht, die Studie sollte die öffentlichen Gesundheitssysteme zum Nachdenken bringen. Sie dürften nicht nur extreme Wetterereignisse als Risiko für die Gesundheit der Bevölkerung im Visier haben. Klimaforscher warnen vor einer Zunahme von Wetterextremen. 2003 waren bei einer Hitzewelle europaweit Zehntausende Menschen gestorben.

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