29.08.2013 07:44
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Antarktis
Grösster Eisschild der Welt reagiert empfindlich auf Klimawandel
Der bis zu 4000 Meter dicke ostantarktische Eisschild scheint auf Klimaschwankungen viel empfindlicher zu reagieren als angenommen. Das berichten Schweizer und britische Forscher im Fachblatt «Nature». Eine Klimaerwärmung könnte deshalb Konsequenzen auf den Meeresspiegel haben.

Das Team, zu dem auch Andreas Vieli von der Universität Zürich gehörte, hat den Vorstoss und Rückzug von 175 Gletschern entlang einer Küstenlänge von 5400 Kilometern untersucht. Dazu analysierten sie 300 Satellitenbilder der letzten 50 Jahre. 

Stärker ausgesetzt als angenommen

Diese langfristige Betrachtung förderte zu Tage, dass die sogenannten Auslassgletscher sehr schnell und synchron auf Schwankungen im Klima reagieren, führte Vieli am Mittwoch laut einer Mitteilung der Uni Zürich aus. Auslassgletscher sind schnell fliessende Gletscherströme, die Eis vom Innern des Eisschildes an die Küste liefern, wo es in Form von Eisbergen ins Meer abbricht. 

«Das bedeutet, dass der Eisschild stärker einer Erwärmung des Klimas ausgesetzt ist als bisher angenommen», sagte Vieli. Diese Resultate seien insofern von Bedeutung, als ein hypothetisches totales Verschwinden des Eisschildes den Meeresspiegel um mehr als 50 Meter ansteigen lassen würde. 

Eisschild galt als robust 

Bisher galt der ostantarktische Eisschild als eher klima-unempfindlich. In der Ostantarktis ist es sehr kalt, weshalb nur sehr selten eine Eisschmelze auftritt. Zyklen von Vorstössen und Rückzug der Auslassgletscher waren auch schon vorher bekannt, sie galten aber ebenfalls als unabhängig vom Klima. 

Die beobachteten, von der Lufttemperatur abhängigen Zyklen hätten deshalb überrascht, sagte Vieli. Drei Muster traten deutlich hervor: In den 1970er und 80er Jahren gingen 63 Prozent Gletscher zurück, in den 1990er Jahren rückten 72 Prozent vor und zwischen 2000 und 2010 schrumpften 58 Prozent wiederum. 

Auslagegletscher könnten sich schnell zurückziehen

Diese Zyklen hingen nicht nur mit der Lufttemperatur allein zusammen, sondern im Zusammenhang mit dieser auch mit der Verbreitung des Meereises, der atmosphärischen Zirkulation und der Ozeantemperatur. 

Die Resultate der Studie legen laut Vieli nahe, dass bei einer Klimaerwärmung die Auslassgletscher relativ schnell durch einen Rückzug reagieren könnten. Da sie mit dem ostantarktischen Eisschild gekoppelt sind, könnte dieser angegriffen werden. Deshalb sei es nun dringend nötig, die Effekte des Klimas auf diese Gletscher genauer zu analysieren.

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