6.08.2014 07:16
Quelle: schweizerbauer.ch - Elsbeth Schär
Tierrettung
Grosstiere retten will geübt sein
Immer wieder kommt es auf Bauernhöfen vor, dass Grosstiere in der Jauchegrube landen. Ohne professionelle Hilfe können diese nicht gerettet werden. Hilfe kann von der Berufsfeuerwehr erwartet werden.

Auf Bauernhöfen kommt es immer wieder vor dass Paarhufer auf unglaubliche Arten in der Gülle landen, und sich unmöglich selber retten können. Schweine, Ziegen oder Schafe können eventuell vom Betriebsleiter selber herausgezogen werden.

Viel schwieriger wird es, wenn Grosstiere wie Kühe, Rinder oder Pferde in die Jauchegrube fallen. Und da ist der Tierbesitzer auf professionelle Hilfe angewiesen. Speziell für technische Grosstierrettungen sind Berufsfeuerwehren ausgebildet und ausgerüstet. Wie die Berufsfeuerwehr der Stadt Bern.

Rinder sind die Nr. 1

Der Mann vom Fach ist Markus Wegmüller, Fachausbilder der Berufsfeuerwehr, und er hat schon einige Erfahrungen in Sachen Tierrettung sammeln können. «Der Klassiker sind Rinder, die von der Berufsfeuerwehr aus der Jauchegrube gerettet werden müssen», erklärt er. Kommt ein Hilferuf, so rückt eine vierköpfige Equipe mit zwei Fahrzeugen aus, dem Kranfahrzeug und dem Pionierfahrzeug. Wie der Name «Kranfahrzeug» schon sagt, befindet sich auf diesem ein Kran von 21 Meter Länge, und heben kann er eine Tonne bei dieser Ausladung.

Das Pionierfahrzeug ist eine rollende Werkstatt, in der von der Schaufel über die Leiter  bis hin zum Unterlageholz alles verstaut ist. Aber nicht nur Hilfsgeräte, sondern auch Belüftungsapparate, Atemschutzgeräte, verschiedene Hebenetze und -gurten sowie plastifizierte Schutzanzüge. Es versteht sich, dass bei Tierrettungen Angehörige der Berufsfeuerwehr in die Güllegrube hinuntersteigen müssen, um das Tier für die Bergung vorbereiten zu können.

Leider kann die Rettungsmannschaft der Feuerwehr nicht immer unverzüglich mit der Bergung beginnen. «Spezielle Herausforderungen sind Tierrettungen, welche sich im Gebäudeinnern ereignen», so Markus Wegmüller, «damit der Kran Zugang hat, müssen wir ab und zu auch Ziegel abdecken und bei Bühne und Zwischenboden die Laden entfernen!»

Kopf-Bein-voran

«Aufwendige und komplexe  Rettungen gibt es, wenn das Loch kleiner ist als das Tier», gibt der Berufsfeuerwehrmann zu bedenken. Er erinnert sich an einen Entnahmeschacht mit einem Durchmesser von «nur» 90 cm, und in der Güllegrube stand ein hochträchtiges Rind. In spezieller Ausrüstung – Atemschutzgeräten und Trockenschutz-Anzügen – stiegen zwei Feuerwehrmänner in die Grube hinunter, und legten dem Rind ein extra konzipiertes Tragsystem an. «In solchen Fällen geht es ja nicht anders, als das Tier Kopf-Bein-voran senkrecht herauszuheben».

Die Berufsfeuerwehr muss aber nicht nur Grosstiere aus der Jauchegrube bergen. Es gibt auch unglaubliche Szenen am Trockenen. Markus Wegmüller erinnert sich: «Einmal wurden wir gerufen, weil ein Pferd über die geschlossene Stalltür springen wollte. Aber Pech gehabt. Es blieb mitten über der Stalltüre hängen, und konnte weder vorwärts noch rückwärts!» Natürlich war es für das Tierrettungsteam ein Leichtes, mit Hilfe des Krans das Pferd wieder auf alle vier Beine zu stellen.

«Trockenübung»

Jede Bergung ist für die Tiere ein grosser Stress. Besonders die Pferde müssen mehr beruhigt werden als Kühe oder Rinder. Deshalb geht keine Rettung vor sich, ohne dass ein Tierarzt vor Ort ist. Es kann bis zu zwei Stunden dauern, bis die Bergung vollzogen ist. Erfreulich ist, dass 98 Prozent der Tiere die Rettung überleben und keine gravierende Schäden davontragen.

Regelmässig finden auf dem Areal der Berufsfeuerwehr in der Stadt Bern übungshalber «Grosstierrettungen» statt. Zwar ist es nicht eine lebendige Kuh, die über den Dächern der Stadt schwebt. Aber sie wiegt doch auch rund 150 Kilo. Unter der Leitung von Markus Wegmüller werden ihr die verschiedenen Hebenetze oder -gurten fachgerecht angelegt. Es ist wichtig, dass die Rettungsmannschaft genau weiss, wie die Verschlüsse der Netze und Gurten zusammenpassen und wie die Befestigung an den Kran vor sich geht.

Mehr Dienstleistungen

Der Name «Berufsfeuerwehr» ist eigentlich nicht mehr gerechtfertigt. Noch gerade 9 Prozent gehen unter den Themenbereich Brand. «Wir sind viel mehr eine Dienstleistungs-Organisation», so Wegmüller. Denn die Einsätze beziehen sich auch auf Personenrettung bei Unfällen auf der Strasse, der Schiene oder bei der Arbeit und der Freizeit. «Wir mussten schon Menschen aus den unglaublichsten Lagen befreien», erinnert er sich nachdenklich.

Die Berufsfeuerwehrmänner rücken aber auch aus zu Ereignissen mit Öl, Chemie und Strahlung. Nicht zu vergessen sind die Einsätze bei Elementarereignissen wie Sturm, Hagel oder Wasser. Es werden Hilfeleistungen in jeder Richtung geleistet, was die rund 2500 Einsätze pro Jahr verraten. Auch bei Hochwasser und Unwetter allgemein rückt die Berufsfeuerwehr aus. Mindestens 20 Männer stehen rund um die Uhr einsatzbereit zum Wohl von Menschen, Tieren und der Umwelt.

Mehr Infos: www.fzq-bern.ch

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE