16.11.2016 17:56
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Lebensmittel
Guarani machen sich für Rechte am Stevia-Süssstoff stark
Die Entdecker der Stevia-Pflanze als Süssstoff fordern offiziell ihre Rechte ein. Die Schweizer Unternehmen Evolva und Nestlé zeigen sich dabei kooperativ. Beim US-Getränkeriese Coca Cola als grössten Nutzer will man davon allerdings nichts wissen.

Bereits vor einem Jahr monierten verschiedene Organisationen und Institutionen aus der Schweiz, darunter der unabhängige Verein Public Eye (ehem. Erklärung von Bern) und die Informationsplattform Pro Stevia Schweiz, bei der Süss-Pflanze Stevia Biopiraterie.

Entgegen der UNO-Biodiversitätskonvention und dem Nagoya-Protokoll wurde mit den in der Grenzregion zwischen Paraguay und Brasilien lebenden Guarani-Völker bislang nie eine Vereinbarung über eine gerechte «Aufteilung der Vorteile» getroffen.

Ausgleich der Vorteile verlangt

Die Guarani verlangen jetzt für die Nutzung ihres Wissens und der Biodiversität Verhandlungen über einen gerechten Vorteilsausgleich. Die Reaktionen mit den von den Forderungen betroffenen Unternehmen haben Public Eye und seine Partner in einem Bericht am Mittwoch veröffentlicht.

Im Zusammenhang mit der geplanten Einführung eines Stevia-basierten Süssstoffs will das Biotechnologieunternehmen Evolva mit den Guarani eine entsprechende Vereinbarung aushandeln. Auch Nestlé sprach sich für das Prinzip des Vorteilausgleichs aus. Der weltweit grösste Lebensmittelkonzern prüfe nun, sich in Sachen Stevia stärker zu engagieren.

Irreführendes Marketing hat Folgen

In Bezug auf die Kritik am irreführenden Marketing wollen Schweizer Firmen ebenfalls aktiv werden und künftig auf Bezeichnungen wie «natürlich», «Steviaextrakt» oder «mit Stevia gesüsst» sowie auf die Darstellung von Steviablättern in der Werbung und auf Etiketten verzichten. Dazu gehören der Schokoladenhersteller Bernrain und die Nestlé-Tochter Henniez.

Ganz anders sind die Reaktionen bei den multinationalen Schwergewichten Coca-Cola und Unilever. Coca-Cola als grössten Nutzer verweigerte sogar die Anerkennung des Problems, wie es in der Mitteilung heisst. Zusammen mit der internationalen Verbraucherbewegung SumOfUs fordert Public Eye den US-Getränkekonzern deshalb in einer Petition zu Verhandlungen mit den Guarani auf.

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