27.03.2017 16:03
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bern
Gülle-Welle: Keiner hat Schuld
Im Januar 2016 ist eine Güllegrube in Häusernmoos BE geborsten. Zwei Kühe mussten in der Folge getötet werden. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren nun eingestellt, weil niemanden direkt die Schuld zugewiesen werden konnte.

Es spielten sich dramatische Szenen an frühen Morgen des 25. Januars 2016. Die Aussenwand einer Güllegrube war zwischen 3 und 4 Uhr in der Früh geborsten.

300'000 Liter Gülle

In der Folge haben rund 300'000 Liter Gülle einen Teil des Aussenstalls mitgerissen und ergossen sich über die darunter liegende Wiese. Acht Kühe, die sich im Laufhof aufhielten, wurden mitgerissen. Zwei Tiere wurden durch die Gülle-Welle so schwer verletzt, dass sie getötet werden mussten. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Die Güllegrube wurde erst kurz zuvor das erste Mal vollständig gefüllt. Weshalb die Aussenwand dem Druck nicht Stand hielt, wollte die Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau in einem Verfahren ermitteln. Nun hat sie dieses eingestellt. Grund: Niemanden kann direkt die Schuld zugewiesen werden.

Bei solchen Fällen kommt der Artikel 229 des Schweizerischen Strafgesetzbuches zur Anwendung. Dort heisst es:

1 Wer vorsätzlich bei der Leitung oder Ausführung eines Bauwerkes oder eines Abbruches die anerkannten Regeln der Baukunde ausser Acht lässt und dadurch wissentlich Leib und Leben von Mitmenschen gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Mit Freiheitsstrafe ist eine Geldstrafe zu verbinden.

2 Lässt der Täter die anerkannten Regeln der Baukunde fahrlässig ausser Acht, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

Beim Fall in Häusernmoos ist die Sachlage kompliziert. Nicht der heutige Besitzer hat die Grube gebaut, sondern sein Vorgänger. Und dieser ist inzwischen verstorben, berichtet die «Berner Zeitung» in ihrer Montagsausgabe.  Der jetztige hat den Betrieb am 1. Januar 2016 übernommen. Nur wenige Wochen danach ist die Güllegrube geborsten.

Mehrere Personen involviert

Bei den Ermittlungen kam zu Tage, dass etwas mit der Armierung nicht stimmte. Die Eisen in den Ecken wurden nicht richtig montiert, die Güllegrube hielt in der Folge dem Druck der 300'000 Liter nicht Stand. Beim Bau waren aber verschiedene Personen und Unternehmen beteiligt. Wer was gemacht hatte, konnte nicht mehr ermittelt werden.

Gemäss dem Staatsanwalt Adriano Robbi waren regionale Baufirmen und ein Ingenieurbüro involviert. Zudem hat der damalige Besitzer des Hofes einige Arbeiten in Eigenregie durchgeführt. Kühe gelten aber im Gegensatz zu Menschen als Sache. Strafbar macht sich nur, wer Menschen an Leib und Leben gefährdet. Die Staatsanwaltschaft liess das Verfahren strafrechtlich fallen.  

Insgesamt entstand ein Sachschaden von 180'000 Franken. Die Parteien konnten sich aber aussergerichtlich einigen. Damit sei der Fall auch zivilrechtlich vom Tisch, sagte der Staatsanwaltschaft der «Berner Zeitung». 

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