5.09.2018 16:46
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Heinzelmännchen auf der Alp
Esther Schneiter ist zurück auf schweizerbauer.ch. Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, wird Esther in den kommenden Monaten wieder aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende berichten.

Letzte Woche werkelten knapp 50 Heinzelmännchen emsig im Eriz. Die 8. Klasse aus der Schule Sachseln OW leistete ihren Einsatz, organisiert von der Stiftung Umwelteinsatz Schweiz. Während die Hälfte der Jugendlichen im Rufeli, gegenüber der Pfidertschegg, tätig war, gab der Rest bei uns ihr Bestes.

Viel geschuftet


Man kann wirklich sagen, dass die Teenager bei ihrem Umwelteinsatz vollen Einsatz gaben. Wir empfangen nun schon mehrere Jahre Schulklassen. Dies war, nebst dem letztjährigen Einsatz der Sachsler, bisher der Ergiebigste. Es ist wohl klar, dass die Jugendlichen die Woche lieber im Europa Park oder sonst irgendwo verbracht hätten. Dennoch waren sie sehr motiviert und halfen tatkräftig mit.

Schwenten, Äste, Farn und Disteln

Der Einsatz dient zum Schutz und zur Pflege von Natur und Kulturlandschaft. So waren sie bei uns vor allem mit dem Zurückdrängen unerwünschter Pflanzen wie Disteln, Blacken und Erlen beschäftigt.

Für den Neubau der Strasse mussten zudem Tannen gefällt werden. Zum einen, weil sie im Weg standen, zum andern, weil das Holz verbaut wurde. So lagen Unmengen Äste auf dem Boden, die auf Haufen gestapelt und angezündet wurden.

Znüni, Zmittag und Zvieri

20 Jugendliche und zwei Leiter arbeiteten bei uns und wurden durch uns verpflegt. Am Dienstag beispielsweise gab es zum Zmittag Cervelats, die über dem Feuer von den zusammengetragenene Ästen grilliert wurden. Am Mittwoch wurden sie mit Älplermagronen verköstigt und am Donnerstag mit Suppe aus Gartengemüse und Würsten. 

Mich freut es jedes Mal, wenn sie zum Zvieri einen Zwetschgenkuchen («Wähe», wie sie in Obwalden sagen) verschlingen und dankbar sind, dass er aus dem eigenen Ofen stammt. Es scheint nicht mehr selbstverständlich zu sein, dass Selbstgemachtes auf den Tisch kommt. 

Hausaufgaben geben am Elternabend zu reden

Nun aber Themawechsel. Am Mittwochabend stand der Elternabend auf dem Programm. Mit dem Churer Modell und somit der neuen, frei wählbaren Sitzordnung und des Inkrafttretens des Lehrplan 21 (LP 21) war ich noch mehr angespannt als sonst jeweils. Ich wusste nicht genau, wie kritisch die Eltern der momentanen Situation gegenüberstehen. 

Mein Kummer zeigte sich als unbegründet, jedenfalls fast unbegründet. Zur Sitzordnung gab es im offiziellen Teil keine Anmerkungen. Und dass die Frage der Hausaufgaben auftauchen wird, war wohl klar. 

Maximal 45 Minuten pro Woche

Mit dem LP 21 ist es so geregelt, dass im Zyklus 2, also der 3.-6. Klasse, maximal 45 Minuten pro Woche Hausaufgaben erteilt werden dürfen. Ich habe eine Hand voller Geschwister. Da gab es zu Hause immer wieder Diskussionen deswegen. Meine Mutter hat sich wohl oft gewünscht, dass sie ganz abgeschafft werden. 

Heute haben die Eltern bedenken, dass sie nicht mehr nachvollziehen können, was momentan thematisiert wird und sie nicht merken, wenn ihr Kind etwas nicht verstanden hat. Ich kann sie verstehen, gleichzeitig aber auch beruhigen. Unser Schulzimmer steht jederzeit für einen Besuch offen. Zudem melden sich die Lehrer, sobald bei einem Kind Auffälligkeiten auftreten. 

Auch zu Hause stehen die Türen offen, aber nicht immer gleich weit

Zu Hause ist natürlich Besuch auch jederzeit willkommen, ebenso auf der Pfidertschegg. Aber wenn dann zu Jagdbeginn ein Schlaumeier bis auf die Pfidertschegg fahren muss, dabei unser «Z-Provisorium» in leidigem Zustand zurücklässt und weiterer Kies gelöst wird, weil die Fahrkünste sehr begrenzt sind, werden wir nicht gerade freundlicher. 

Glücklicherweise ist es heute ein Leichtes mit der Autonummer den Besitzer heraus zu finden und ihn zu kontaktieren. Beim nächsten Mal wird er wohl zu Fuss vergebens auf der Pfidertschegg auf Hirsche warten und die schöne Aussicht bestaunen. So wie wir dies von allen Jägern, Interessierten und Gaffern wünschen.

Unser Betrieb

Auf unserem Hof leben im Sommer zirka 25 Kühe (im Winter zirka 40 Kühe), 30 Rinder und 15 Kälber. Der Talbetrieb liegt im Bach, Gemeinde Fahrni. Hier produzieren wir auch das Futter für den Winter. Den Sommer, rund 100 Tage, verbringen wir auf der Alp Fiedersegg im Eriz. Die Tiere grasen nachts auf der Weide. Tagsüber sind sie im Stall, wo sie sich ausruhen können und vor Insekten und der Hitze geschützt sind.

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