Sonntag, 29. November 2020
24.07.2020 17:15
Bern

Hier leuchten die Sterne heller

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Von: sda

Im Naturpark Gantrisch auf Berner und Freiburger Kantonsgebiet formen die Voralpen eine natürliche Dunkelkammer. Sie schützt eine 50 Quadratkilometer grosse Kernzone vor Lichtverschmutzung. Ein nächtlicher Besuch im ersten Sternenpark der Schweiz.

Die Sonne ist längst untergegangen, als Nicole Dahinden ihr Auto oberhalb der Stierenhütte beim Gurnigelpass parkiert. Mit dabei hat die 42-jährige Geografin ein Gerät, mit dem sie später an zwölf Orten im Sternenpark die Helligkeit des Nachthimmels messen wird.

Dunklere Nächte im Lockdown

Bis es in dieser mondlosen Hochsommernacht ganz dunkel wird und die sogenannte astronomische Dämmerung anbricht, wird es fast Mitternacht sein. Bis dahin bleibt Zeit für ein Gespräch – bei Kuhglockengebimmel und mit Aussicht auf die imposante Gantrisch-Gebirgskette.

Als Naturpark-Mitarbeiterin war Dahinden auch während des Corona-Lockdowns regelmässig für das Licht-Monitoring im Gebiet unterwegs: «In dieser Zeit war es nachts messbar dunkler.» Offen sei, ob dieser Effekt allein auf Folgen des Lockdowns oder auch auf Wetterfaktoren wie Luftfeuchtigkeit zurückzuführen sei.

«Dark Sky»-Label 

Das optische Messgerät, das laufend Daten auf Dahindens Smartphone überträgt, erfasst die Flächenhelligkeit des Nachthimmels. Je höher die Zahl des Kontrastwertes auf dem Display, desto dunkler ist es. Um von der International Dark Sky Association als Lichtschutzgebiet zertifiziert zu werden, muss ein Durchschnittswert von 21,1 erreicht werden.

Mit dem Wert von 21,3 – während der Lockdown-Nächte gar bis 21,8 – ist diese Anforderung im Gantrisch erfüllt. Das angestrebte «Dark Sky»-Label erwartet Dahinden für nächstes Jahr. Davon erhofft sie sich eine weitere Aufwertung des Parks und mehr Sichtbarkeit für das Thema Lichtverschmutzung.

Gemeinden drosseln Beleuchtung

Mit der Eröffnung des Sternenparks vor Jahresfrist sei bereits ein wichtiger Schritt zur Sensibilisierung gemacht worden, betont die Projektverantwortliche. Und sie konnte schon kleine Erfolge verbuchen: «Eine Gemeinde meldete sich von sich aus mit der Frage, wie sie die öffentliche Beleuchtung anpassen könne.»

So ist bereits mit einer Umstellung auf warmweisse und abgeschirmte LED-Leuchten viel zu erreichen. Dies illustriert ein auf der Park-Webseite dokumentierter Vergleich zwischen 2017 und 2020 eindrücklich: Seit der Installation von abgeschirmten Leuchten entlang eines Strassenabschnitts in Belp ist der Wald am Belpberg nachts deutlich weniger erleuchtet.

Durchflugsroute für Zugvögel

Weshalb die natürliche Dunkelheit für Flora und Fauna von Bedeutung ist, schildert Dahinden am Beispiel der Zugvögel. Die Wasserscheide am Gurnigel sei eine wichtige Durchflugsroute. Nebst Landmustern und dem Erdmagnetfeld orientierten sich die Zugvögel an den Sternen.

«Man hat beobachtet, dass Zugvögel durch die bei Schlechtwetter entstehende Lichtsuppe die Orientierung verlieren. Gegen den Himmel gerichtete Lichtkegel verleiten sie, dorthin zu fliegen.» Inzwischen ist die Dämmerung am Gurnigel zunehmender Finsternis gewichen. Über der Gantrisch-Silhouette wölbt sich ein funkelnder Sternenteppich. Bald wird die Milchstrasse von blossem Auge zu erkennen sein.

Komet Neowise

Auf dem grossen Parkplatz der Stierenhütte – einem früheren Panzerplatz der Armee – bringen sich Hobby-Astronomen mit beeindruckend grossen Teleskopen in Stellung. Diesen Sommer lockt eine besondere Attraktion: Zwischen den Tannen auf der Krete zum Selibühl lugt bereits der Schweif des Kometen Neowise hervor.

Für alle, die Nachtlandschaften und Sternenhimmel auf eigene Faust erkunden wollen, hat Nicole Dahinden einen praktischen Tipp parat: «Eine Stirnlampe mit rotem Licht verwenden: Man sieht auch nach dem Ausknipsen der Lampe gut, weil das Auge nicht geblendet wird.»

-> Mehr Infos gibt es hier

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