7.04.2014 12:33
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Hirnzellen statt Ei- und Samenzellen
Forscher der Universität Freiburg haben Keimzellen, die normalerweise zu Eizellen und Spermien werden, zu Hirn- und Körperzellen umgewandelt. Dazu mussten sie nicht in den genetischen Code eingreifen - es genügte, zwei bestimmte Eiweisse zu blockieren. Womöglich funktioniert dies auch bei Krebszellen.

Diese Eiweisse hätten eine Art «Barrierefunktion», die Geschlechtszellen auf ihrem Entwicklungskurs behalten, schrieb die Universität Freiburg am Montag in einer Mitteilung. «Fallen diese Barrieren, hindert die Zellen nichts mehr daran, sich zu verwandeln», erklärte Erstautorin Stéphanie Käser-Pébernard.

Würmer wurden steril

Das Forscherteam hat diesen Effekt beim Fadenwurm entdeckt. Bei den nur einem Millimeter langen Würmern ist das Schicksal jeder einzelnen Zelle vom Moment der Befruchtung bekannt. Die Forschenden haben zwei Eiweisse blockiert, die für die Struktur der Eiweisspolster, die dem Erbgut seine Form geben, verantwortlich sind.

Ohne diese Proteine nehmen die Polster eine abnormale Form ein. Die Folge: Aus den ursprünglichen Geschlechtszellen bildeten sich nicht Spermien und Eizellen, sondern Hirnzellen und zu geringerem Anteil auch Haut- oder Muskelzellen, wie die Forscher im Fachjournal «Stem Cell Reports» berichten. Die Würmer lebten zwar weiter, wurden aber steril.

Krebszellen umprogrammieren

Die Resultate belegten zum ersten Mal, dass Zellen auch nur mit Hilfe solcher sogenannten epigenetischen Veränderungen umprogrammiert werden können, erklärte Käser-Pébernard. Bislang sei man davon ausgegangen, dass dies ohne Einwirkung auf den genetischen Code nicht funktioniert.

Die Forscher halten es für denkbar, dass beim Menschen in Zukunft so eine gezielte Steuerung der Zellentwicklung therapeutisch eingesetzt werden könnte. Es sei vorstellbar, Krebs am Wachstum zu hindern, indem man die Krebszellen zwinge, sich in normale Körperzellen umzuformen. Diese könnten sich nicht mehr teilen und vermehren. Auch Ersatzorgane könnten allenfalls so hergestellt werden.

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