4.05.2015 17:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Hochwasser
Hochwassergefahr: warme Temperaturen lassen Schnee schmelzen
Die heftigen Regenfälle der letzten Tage haben Bäche, Flüsse und Seen vor allem im Kanton Bern anschwellen lassen. Ein weiterer Faktor, der die Hochwassergefahr beeinflusst, ist die Schneeschmelze, die bei den aktuell sehr warmen Temperaturen im Gang ist.

Unterhalb von 2500 Metern liegen nach dem eher trockenen Winter unterdurchschnittliche Schneemengen, wie Nena Griessinger vom Operationellen Schneehydrologischen Dienst (OSHD) vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF am Montag auf Anfrage sagte. Die Schneelagengrenze befindet sich aktuell zwischen 1700 bis 1900 Metern, was für diese Jahreszeit eher ungewöhnlich hoch ist.

Oberhalb von 2500 Metern liegen in den Bergen derzeit noch rund zwei bis zweieinhalb Meter Schnee. Diese Menge entspricht laut dem OSHD dem langjährigen Durchschnitt. Die Forscher berechnen jeweils auch eine sogenannte Schmelzrate. Sie betrug am Montag laut Griessinger zwischen 20 bis 35 Millimeter, auch das ein typischer Frühlingswert. Diese Millimeterangabe bezeichnet die Höhe der Wasserschicht, die sich beim Schmelzen aus der Schneedecke bildet. Für Dienstag wird eine leicht höhere Schmelzrate erwartet.

Am Montag schmolz im Aareeinzugsgebiet vor allem Schnee im Höhenband von 1700 bis 2800 Meter über Meer. Die Schneefallgrenze lag am Montag zwischen 2700 und 3000 Meter über Meer, wie Daniel Murer, Meteorologe von Meteoschweiz auf Anfrage sagte.

Hauptverantwortlich für die Hochwassergefahr im Kanton Bern waren die Regenfälle der vergangenen Tage. Die Schneeschmelze sei einer von vielen Faktoren, die die Hochwasserlage mit beeinflussten, wie Bernhard Schudel, Leiter der Abteilung Gewässerregulierung beim kantonalen Amt für Wasser und Abfall, am Montag sagte. Ein weiterer Faktor sind auch die durchnässten Böden, die kein Wasser mehr aufnehmen können und noch geraume Zeit Wasser abgeben werden.


Weitere 20 bis 50 Liter pro Quadratmeter erwartet

Am Dienstagnachmittag erreicht uns bereits die nächste Kaltfront mit Regen. Mit dieser gebe es kräftige, teils auch mit Gewittern durchsetzte Schauer, teilte Meteonews am Montag mit. Besonders in der Nacht auf Mittwoch falle verbreitet Regen. Bis Mittwochmittag könnten es nochmals 20 bis 50 Liter pro Quadratmeter sein.

Dies könnte dann besonders im Berner Oberland, in der Zentralschweiz und im Unterwallis zu weiter steigenden Wasserständen und erhöhter Erdrutschgefahr führen, heisst es in der Mitteilung. In diesen Gegenden ist die Lage jetzt schon angespannt. Von Freitag bis zum Montag fiel in der Gemeinde Boltigen im Berner Oberland am meisten Regen, wie aus der Mitteilung weiter hervorgeht. Dort waren es 124 Liter pro Quadratmeter. Auf dem Napf im Emmental fielen rund 100 Liter pro Quadratmeter. Über 90 Liter wurden in Lenk BE und Langnau im Emmental BE gemessen. sda

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