26.06.2020 09:14
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Hochwasserrisiken unterschätzt
Forschende der Universität Bern haben anhand von Simulationen aufgezeigt, dass mögliche Hochwasserrisiken in der Schweiz bis anhin unterschätzt wurden. Dies betrifft vor allem Gebiete mit geringer Hochwassergefährdung.

Denn gerade solche Gebiete seien häufig mit Gebäuden und Infrastrukturanlagen dicht bebaut, schreibt die Universität Bern in einer Mitteilung vom Donnerstag. Darum würden dort Schäden in ihrer Summe viel stärker ins Gewicht fallen als bisher angenommen.

Kurz gesagt: Geringe Gefahr bedeutet nicht automatisch auch geringe Schäden. Die Forschenden halten daher einen adäquaten Schutz in solchen Gebieten für nötig, um das Schadenpotenzial zu senken.

Ergänzung zu den Gefahrenkarten

Nach verschiedenen Unwetterkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte wurden für das gesamte Siedlungsgebiet der Schweiz Gefahrenkarten erstellt. Sie zeigen zum Beispiel, wie häufig und wie intensiv Hochwasserereignisse in einer bestimmten Gegend auftreten können. Informationen darüber, was genau gefährdet ist und wie hoch das Schadenausmass sein könnte, fehlten bisher.

«Für eine ganzheitliche Sicht im Risikomanagement sind solche Informationen aber zentral», wird Margreth Keiler, Professorin für Geomorphologie und Risiko an der Universität Bern und Co-Leiterin des Mobiliar Labs für Naturrisiken, in der Mitteilung zitiert. Aus diesem Grund erarbeiten Bund und Kantone vermehrt Risikoübersichten. Die Simulationen sind in ein Online-Tool eingeflossen, das diese Bestrebungen unterstützen soll. Die Applikation zeigt auch auf, wie sich das Schadenausmass in Zukunft verändern könnte, zum Beispiel wenn bestehende Bauzonen überbaut werden.

Summen steigen stark

Geht man davon aus, dass bis im Jahr 2040 schweizweit ein Drittel der verfügbaren Bauzonenreserven überbaut werden, könnten die gefährdeten Gebäudewerte um 5,3 Mrd. Franken zunehmen. Würden die verfügbaren Bauzonenreserven schweizweit sogar komplett überbaut, könnten die gefährdeten Gebäudewerte um 16,6 Mrd. Franken zunehmen, kommen die Forscherinnen und Forscher zum Schluss.

«Angesichts des hohen möglichen Schadenausmasses wären Massnahmen auch bei einer geringen Hochwassergefährdung wichtig», erklärt Keiler.

Kleine Massnahmen, grosse Wirkung

Sogenannte Objektschutzmassnahmen könnten schon mit tiefen Kosten eine grosse Wirkung erzielen. Solch kleine bauliche Anpassungen sind etwa erhöhte Türschwellen oder Lichtschächte, die verhindern, dass Wasser ins Gebäude eindringen kann. Allerdings reicht es laut Keiler nicht aus, nur bei Neubauten solche Massnahmen vorzusehen. Vielmehr müssten sie auch zwingend bei bestehenden Bauten realisiert werden.

Das Mobiliar Lab für Naturrisiken der Universität Bern ist eine gemeinsame Forschungsinitiative des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung der Universität Bern und der Mobiliar. Die Forschungsschwerpunkte sind Hochwasser, Sturm und Hagel sowie die Schäden, die sie verursachen.

-> Welches Risiko in Ihrer Gemeinde bestehte, sehen Sie hier www.schadensimulator.ch

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