19.08.2019 16:14
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Spanien
«Hölle auf Erden» - Grüne Lunge brennt
Erst vor einer Woche hatte ein schwerer Brand im Zentrum von Gran Canaria Hunderte Helfer in Atem gehalten. Jetzt gibt es genau im gleichen Gebiet ein noch viel schlimmeres Feuer. Die Behörden gehen von Brandstiftung aus. Die Insel könnte ihr «grünes Herz» verlieren.

Die Flammen sind ausser Kontrolle: Der schwere Waldbrand in den Bergen von Gran Canaria hat den bekanntesten Nationalpark der Insel erreicht und droht ihn zu zerstören.

6000 Hektar betroffen

Rund 6000 Hektar Fläche auf der spanischen Urlaubsinsel seien schon von dem Feuer betroffen, die Flammen schlügen bis zu 50 Meter hoch, schrieben spanische Medien am Montag unter Berufung auf die Behörden. Der Brand sei «jenseits der Löschkapazitäten», erklärte der Leiter der Rettungsdienste, Federico Grillo.

Das Feuer schreitet an mehreren Fronten voran, 9000 Menschen aus 50 Ortschaften südwestlich der Hauptstadt Las Palmas wurden in Sicherheit gebracht, wie der Fernsehsender RTVE berichtete. 40 Menschen sind den Angaben zufolge seit Sonntag in dem Ort Artenara eingeschlossen. Sie verbrachten die Nacht im örtlichen Kulturzentrum, da das Gebäude wegen seiner Position als sicher eingestuft wurde. Es sei derzeit zu gefährlich, die Ortschaft zu evakuieren, hiess es. Akute Gefahr für die Anwohner besteht den Behörden zufolge aber nicht.

«Umweltkatastrophe»

Der 7500 Hektar grosse Naturpark Tamadaba, welchen das Feuer nun erreicht hat, hat einzigartige Kiefernwälder. Er liegt im Unesco-Biosphärenreservat im Westens Gran Canarias. Er gilt als eine der fast unberührten Landschaften der vor der Westküste Afrikas liegenden Kanareninsel. Das Portal «Canarias7» sprach von einer Umweltkatastrophe und «einem Anschlag auf das grüne Herz der Insel». Besorgte Spanier zeigten sich in sozialen Netzwerken schockiert, einer bezeichnete den Brand auf Twitter als «Hölle auf Erden».

Dabei hatten die Einsatzkräfte erst vor einer Woche erleichtert aufgeatmet, als ein heftiges Feuer in der gleichen Region nach tagelangen Löscharbeiten unter Kontrolle gebracht worden war. Da waren rund um die Gemeinden Tejeda und Artenara schon 1500 Hektar verbrannt. Die neue Feuerfront ist nun noch viel dramatischer.

Unterstützung durch Löschflugzeuge

Hunderte Helfer arbeiteten am Boden an mehreren Flanken, von der Luft aus unterstützten sie Helikopter und Löschflugzeuge. Allein am Sonntag seien 800'000 Liter Wasser eingesetzt worden, hiess es. Auf Videos war zu sehen, wie Feuerwehrleute mit dicken Schläuchen durch die brennenden Wälder liefen und versuchten, die massiven Flammen einzudämmen.

In den vergangenen Jahren habe es nur selten einen so grossen Einsatz gegeben, sagte Agrarminister Luis Planas. Oberstes Ziel sei es, Tote zu vermeiden. Die Regierung stellte weitere Hilfe zur Brandbekämpfung zur Verfügung, darunter eine Drone «neuester Generation», mit dem die Brandherde vor allem nachts überwacht werden sollten.

Die EU-Kommission stellte über den Copernicus-Dienst für Katastrophen- und Krisenmanagement Satellitenbilder von den betroffenen Gebieten zur Verfügung und bot Spanien weitere Unterstützung an. Sollte zusätzliche Hilfe benötigt werden, stehe die Kommission bereit, sagte eine Sprecherin in Brüssel.

Strände nicht betroffen

Heisses Sommerwetter und starker Wind behinderten die Arbeiten ebenso wie eine extrem starke Rauchentwicklung, betonte die Sprecherin des kanarischen Notfalldienstes, Laura Otero. Touristen an den Stränden der drittgrössten Kanareninsel waren von der Feuerfront aber zunächst nicht direkt betroffen.

Der Chef der Inselregierung, Antonio Morales, erklärte, es handle sich möglicherweise um Brandstiftung. Beweise dafür gebe es aber bisher nicht. Auf Twitter sprachen User von «Barbarei» und forderten lange Haftstrafen für die Verantwortlichen. Die Täter seien «Umwelt-Terroristen», meinten ausgebrachte Spanier im Internet: «Absichtlich in Wäldern gelegte Brände sind ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.»

Gran Canaria ist hinter Teneriffa die am meisten besuchte Insel der Gruppe. Im vergangenen Jahr kamen etwa 4,5 Millionen Touristen.

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