15.04.2018 13:31
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Gesellschaft
Hunger ist nicht gleich Hunger
Um Fortschritte beim weltweiten Kampf gegen den Hunger besser als bisher einschätzen zu können, haben Wissenschaftler vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen eine Methode vorgeschlagen, die unterschiedliche Formen des Hungers und entsprechende gesundheitliche Folgen berücksichtigt.

Wie die Hochschule erläuterte, wird das Ausmass des Hungers in der Regel an der Zahl der Menschen gemessen, die an Kalorien- oder Mikronährstoffmangel leiden. Diese Zahl sei jedoch wenig aussagekräftig, da verschiedene Formen des Hungers ganz unterschiedliche gesundheitliche Probleme verursachen könnten. 

Besser messen und vergleichen liessen sich die verschiedenen Formen des Hungers mit Hilfe von Gesundheitsdaten und der Berechnung des disease-adjusted-life-years-Index (DALY-Index). Dieser zähle nicht nur die betroffenen Menschen, sondern berücksichtige auch die gesundheitlichen Folgen von Hunger und Mangelernährung, zum Beispiel eine erhöhte Kindersterblichkeit, körperliche und geistige Entwicklungsstörungen und ein verstärktes Auftreten von Infektionskrankheiten.

Gesundheitliche Folgen verringert


Auf der Basis von Daten aus rund 190 Ländern berechneten die Wissenschaftler den DALY-Index für unterschiedliche Zeitpunkte. Die Ergebnisse zeigen der Erstautorin Theda Gödecke zufolge, dass die gesundheitlichen Folgen des Hungers in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verringert werden konnten.

 „Seit 1990 hat sich das Ausmass des Hungerproblems mehr als halbiert“, stellte sie fest. Weitere statistische Analysen hätten gezeigt, dass dies in erster Linie am wirtschaftlichen Wachstum in den jeweiligen Ländern gelegen habe.

Wirtschaftliche Entwicklung kann Hunger nicht beseitigen

Positiv hätten auch die Steigerung der Nahrungsproduktion, die verbesserte Ausbildung vor allem für Mädchen und Frauen sowie die verbesserte Gesundheitsversorgung gewirkt. „Allerdings waren die Fortschritte bei der Bekämpfung des Kalorienmangels deutlich grösser als die bei der Bekämpfung des Mikronährstoffmangels“, resümierte Gödecke.

Koautor Matin Qaim hob hervor, dass allgemeine wirtschaftliche und soziale Entwicklungen zwar enorm wichtig seien, aber allein nicht ausreichten, um den Hunger in absehbarer Zeit beenden zu können. „Vor allem zur Bekämpfung des versteckten Hungers sind auch gezieltere Massnahmen erforderlich“, so Qaim. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift „Global Food Security“ erschienen. 

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