18.09.2020 19:00
Quelle: schweizerbauer.ch - jul/Video: tku, sam, jul
Bern
«I wott gar nid, dass es ufhört»
Daniela Reber dürfte stolz sein. Die junge Frau aus Moosseedorf verteilt im Justistal BE den Käse, den sie in den letzten vier Monaten produziert und für den sie die Bestnote erhalten hat. Trotzdem ist der Tag für sie schmerzhaft.

Zuerst tönt es fast wie ein Schrei. Aber es ist ein Juzer. Und wahrscheinlich passt das, was aus ihrer Kehle kommt, auch zu ihrer Gemütslage. Daniela Reber-Thierstein steht inmitten von auf Brettern gestapelten Käselaiben in einer Berner Tracht da.

Es is Chästeilet im Justistal BE, und die 700 Laibe hat Reber alle selbst produziert. Von Ende Mai bis zu dieser Woche war sie auf der Alp Grosser Mittelberg im Justistal. 

Käserkurs online

So ein Alpsommer war schon immer ihr Traum. Die Bauerntochter ist auf einem Milchwirtschaftsbetrieb in Linden BE aufgewachsen. Ihre Eltern haben später auf Mutterkuhhaltung umgestellt. Z Alp gingen sie nie. Nur auf Wanderungen hat Reber manchmal Alphütten besucht. Zum Beispiel im Justistal, das zur Gemeinde Sigriswil gehört, von wo ihre Mutter kommt. Deshalb war sie auch schon als Kind am Chästeilet dabei.

Als klar war, dass ihr Bruder den elterlichen Betrieb übernehmen würde, machte sie die Ausbildung zur Pflegefachfrau. Heute lebt die 28-Jährige mit ihrem Mann in Moosseedorf BE und arbeitet im Inselspital in Bern. Das Alpleben und der Chästeilet haben sie aber nie losgelassen. Als auf der Alp Grosser Mittelberg eine Stelle frei wurde, bewarb sie sich. Man suche aber eine Käserin, hiess es. Dann lerne sie das Handwerk, sagte sie.

Bestnote

Das war zu Zeiten von Corona gar nicht so einfach. Der Kurs des Hondrich fand per Video statt. Nur während vier Stunden war sie tatsächlich vor Ort. Dann ging sie auf die Alp. Mit ihrem Vorgänger arbeitete sie fünf Tage lang zusammen und konnte ihn alles fragen.

Dann war sie auf sich allein gestellt. Sie war zwar zusammen mit Flavia Liechti und Andras Saurer auf der Alp, fürs Käsen war aber sie alleine verantwortlich. Offensichtlich reichte ihr die Vorbereitungszeit. Es freue ihn sehr, dass «wir bei der Käseprämierung das Maximum, 20 Punkte, gemacht haben», sagte Hans Zeller, Präsident Alp Grosser Mittelberg, am Chästeilet. Alle applaudieren. Reber lächelt. Kaum sichtbar. 

Neben dem Stolz und der Zufriedenheit dürfte sie auch etwas Wehmut empfinden. «Wir haben so viel Arbeit in den Käse gesteckt, und nach zwei, drei Minuten ist er weggeräumt», sagt sie. Traurig sei sie aber vor allem, weil sie die Alp wieder verlassen müsse. Auf die Frage, ob sie sich nicht freue, wieder in ihr altes Leben zu gehen, antwortet sie deutlich: «Ou nei, gar nid. I wott gar nid, dass es ufhört.»

Mehr dazu gibt es in der Samstagsausgabe des «Schweizer Bauer»

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