14.07.2019 10:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Jonas Ingold, lid
Betriebsführung
"Ich lerne Maschinenteile auswendig"
Anna Dittli-Felber war Produktmanagerin bei Swissgenetics und arbeitet ab August für das Landtechnik-Unternehmen Robert Aebi. Sie hofft, dass künftig mehr Frauen in landwirtschaftlichen Berufen tätig sein und Arbeit und Familie unter einen Hut bringen können.

In die Landwirtschaft hineingeboren wurde Anna Dittli nicht. Das regelmässige Helfen auf dem benachbarten Betrieb weckte das Feuer, um die Ausbildung als Landwirtin in Angriff zu nehmen. "Die Vorstellung in der Lehre drei Jahre im Büro zu sitzen, war für mich eine Katastrophe", sagt sie zu den Gründen.

"Mir war immer klar: Ich werde Landwirtin und bilde mich dann weiter.". Dieser Weg führte sie vom Aussendienst für Multiforsa, einem Unternehmen im Bereich Tiergesundheit, zu Swissgenetics, dem grössten Schweizer Anbieter für Rindersperma. Dort arbeitete sie als Produktmanagerin Hoflieferprodukte. Dazwischen bildete sie sich zur Marketingplanerin weiter.

Lernt sämtliche Maschinenteile auswendig

Und künftig steht eine neue Branche in Zentrum: Anna Dittli-Felber arbeitet ab August für die Robert Aebi AG, dem Schweizer Generalimporteur von John Deere. Zunächst wird sie im Traktorenbereich tätig sein und ab nächstem Frühjahr den Bereich Ballenpressen übernehmen. Sie brauche neue Herausforderungen, sagt Dittli-Felber: "Und es war ein Traum von mir, im Technik-Bereich zu arbeiten." Derzeit sei sie daran, sämtliche Maschinenteile zu erlernen.

 

Das leisten die Frauen

Ob Landwirtin, Bäuerin oder Produktmanagerin - sie alle tragen zur Schweizer Landwirtschaft bei. In der diesjährigen Sommerserie porträtiert der LID Frauen in der Landwirtschaft, die in unterschiedlichen Rollen und auf ganz unterschiedlichen Betrieben tätig sind.

In der Landtechnik sind Frauen nicht oft anzutreffen. Generell sind verhältnismässig wenige Frauen in landwirtschaftlichen Verbänden und Unternehmen in Führungspositionen tätig. Ein Thema, das Dittli-Felber beschäftigt: "Ich finde es schade, dass an Veranstaltungen oft 80 Männer und 4 Frauen anwesend sind."

Viele Tagungen seien zeitlich so angelegt, dass es gerade für Mütter schwer sei, teilzunehmen. Sie hält es für wichtig, dass Frauen sich an Tagungen und Versammlungen einbringen.

Frauen die Hemmungen nehmen

Bei Swissgenetics hat sie sich deshalb für die Tagung "Kälberfachvortrag von Frau zu Frau" engagiert. Die Veranstaltungen stiessen auf so grosses Interesse, dass sie fortgesetzt werden.

Für Anna Dittli-Felber sind solche frauen-spezifischen Veranstaltungen eine Möglichkeit, den Frauen die Hemmungen zur Teilnahme zu nehmen. Denn: "Ich bin sicher, dass viele Frauen nicht zu Veranstaltungen gehen, weil sie wissen, dass sie fast die Einzigen sein würden", so Dittli-Felber.

Schwiegereltern und Mann helfen

Anna Dittli-Felber wird zu 60 Prozent für Robert Aebi tätig sein. Daneben bildet sie sich zurzeit mittels Abendschule zur Verkaufsleiterin weiter. Die Arbeit geht auch sonst nicht aus. Sohn Roman - ein grosser Traktorenfan - ist im November 2017 geboren. Dittli-Felber schätzt deshalb, dass sie bei Aebi flexibel arbeiten und einen Teil davon von Zuhause aus erledigen kann.

Solche fortschrittlichen Arbeitsformen gäbe es noch zu wenig, sagt sie. Für viele Mütter sei es schwer, Kinder und Beruf erfolgreich unter einen Hut zu bringen. "Mein Mann Philipp und Roman sind ein super Team und so verbringt Roman viel Zeit mit seinem Vater auf dem Betrieb", sagt sie. Auch die Schwiegereltern seien eine grosse Hilfe. Ohne sie wäre es nicht möglich, Beruf, Weiterbildung und Familie zu koordinieren.

Weiss immer, was im Stall läuft

Ehemann Philipp Dittli betreibt zusammen mit Edwin Hitz die Betriebsleitergemeinschaft Frohberg. Diese liegt im zürcherischen Hütten oberhalb von Wädenswil, ganz in der Nähe des Kantons Zug. Sie halten in einem Laufstall 60 Milchkühe und Jungvieh. Vertreten sind die Rassen Braunvieh, Holstein und Red Holstein.

Anna Dittli-Felber hilft auch auf dem Betrieb aus. Im Notfall, wie sie sagt. "Ich schaue, dass ich jederzeit auf dem Stand bin, beim Melken einzuspringen oder mich um die Kälber zu kümmern", sagt die junge Mutter. Und gerade im Sommer, wenn im Büro eher Flaute ist, herrscht auf dem Hof Hochbetrieb.

Es muss immer etwas laufen

Für Dittli-Felber ist es ein Geschenk, auf dem Betrieb tätig sein zu können. "Es ist unglaublich schön, dass ich auf dem Hof im Einsatz sein kann", meint sie. Sie ist überzeugt, dass sie bei der Arbeit in der Landwirtschaft Wissen aus ihrem Job einbringen kann, aber auch viel Wichtiges mitnimmt. Der Austausch mit Bäuerinnen und Bauern habe ihr schon bei Swissgenetics viele Bedürfnisse aufgezeigt und das werde künftig nicht anders sein, so Dittli-Felber.

Für Anna Dittli-Felber ist es wichtig, dass immer was läuft. Bereits in der derzeitigen beruflichen Übergangszeit fehlt ihr etwas - trotz genügend Beschäftigung mit Kind und Hof. "Ich habe ein super Umfeld, das es mir ermöglicht, etwas wie die Verkaufsleiter-Ausbildung nur für mich zu machen und auswärts zu arbeiten. Zusammen mit dem beruflichen Erfolg führt das für mich zu grosser Zufriedenheit."

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