1.09.2014 09:51
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
SBB
Immer öfter Tiere auf Geleisen
Immer öfter verirren sich Nutztiere auf oder in die Nähe der Geleise. 2014 geschah das bereits 87-mal – auch mit tödlichen Folgen für die Tiere. Bei Schäden haftet der Tierhalter. Die SBB müssen die Bahnstrecke nicht sichern.

Aktuelle Zahlen der SBB zeigen, dass Nutztiere in den letzten Jahren vermehrt zu Kollisionen, Notbremsungen oder Streckenunterbrüchen geführt haben. Christoph Rudin von den SBB: «Von 2009 bis 2013  hat sich die Zahl der Zwischenfälle verdoppelt. Und 2014 haben wir bereits im Juli nahezu die Werte des Jahres 2013 erreicht.»

Bahnverkehr kommt zum Erliegen

Konkret haben die SBB bis Ende Juli 2014 schon 87 sogenannte Ereignisse mit Nutztieren registriert. Darunter sind zwei Kollisionen eines Zuges mit Grossvieh – ebenso viele wie im gesamten 2013 – und eine Kollision mit Kleinvieh. Bereits 36-mal standen Nutztiere auf dem Geleise, was eine unmittelbare Gefahr eines Zusammenstosses birgt. 2013 wurden 15-mal Nutztiere auf dem Geleise gemeldet. 48-mal befanden sich bis Ende Juli  2014 Nutztiere in Schienennähe. 2013 waren es im ganzen Jahr 50-mal. 

In Erinnerung ist der Zwischenfall von Ende April 2014, als sechs Rinder in Langenthal BE den Bahnverkehr stundenlang zum Erliegen brachten. Glücklicherweise konnte der Zug rechtzeitig bremsen, es wurde kein Tier verletzt und auch kein Sachschaden gemeldet. «Die Reisenden aber waren stark betroffen», betont Rudin: «230 Züge hatten sich verspätet. Zählt man die Verspätungen von allen betroffenen Reisenden zusammen, kommt man auf 244'654 Minuten.» Nicht immer laufe es so glimpflich ab: «Es ist auch schon zu toten Tieren, zu Beschädigungen der Lok und zu Entgleisungen gekommen.»

Tierhalter in der Pflicht

Nach einem solchen Vorfall stellt sich die Frage, wer die Sorgfaltspflicht verletzt hat und wer für den Schaden haftet. «Gemäss Eisenbahngesetz besteht für die SBB keine generelle Pflicht, ihre Geleise einzuzäunen. Die Eigentümer, die Grundstücke entlang der Bahnstrecke haben und dort Tiere halten, haben dafür zu sorgen, dass die Tiere nicht auf das Geleise gelangen können», erläutert Rudin. Wenn es also zu einer Kollision zwischen Zug und Tier kommt, dann muss in der Mehrzahl der Fälle die Haftpflichtversicherung des Tierhalters bezahlen.

Die SBB haften bei schuldhaftem Verhalten des Tierhalters nur beschränkt oder gar nicht. Als schuldhaftes Verhalten gilt etwa, wenn die Zäune zu wenig solide erstellt oder ungenügend unterhalten oder die Tiere nicht genügend beaufsichtigt wurden. Damit die Tierhalter eine Leitlinie haben, wie sie entlang der Bahnschienen zäunen sollen, hat die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) mit den SBB eine Checkliste erstellt.

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