22.09.2017 07:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Lisa Gysin, lid
Palmöl
Industrie boomt, Rest leidet
Palmöl ist das meistproduzierte pflanzliche Öl weltweit. Menschen, Tiere und Umwelt in den Anbaugebieten leiden unter den Folgen der Palmölproduktion. Trotzdem steigt die Palmölproduktion jährlich weiter an. Auch die Schweiz importiert fleissig Palmöl aus Indonesien und Malaysia.

Palmöl ist in verschiedensten Alltagsprodukten enthalten. Ob in der Frühstücks-Nutella, der Chips Packung zum «Zvieri» oder der Anti-Faltencreme, die am Abend aufgetragen wird. Palmöl ist in unserem Alltag omnipräsent – ob wir es wollen oder nicht.

Schon seit einigen Jahren laufen in der Schweiz die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien, den grössten Palmöl Exporteuren weltweit. In Malaysia werden auf Grund der Waldrodung für Palmöl jährlich Waldflächen so gross wie die gesamte Fläche der Schweiz zerstört, dies geht aus einem Faktenblatt von Public Eye hervor. Forderungen, wie beispielsweise die des Bruno Manser Fonds, dass Palmöl aus dem Freihandelsabkommen ausgeschlossen werden soll, werden immer lauter.

Gigantisches Wachstum

Die Palmölproduktion hat sich in den letzten 30 Jahren verachtfacht. Damit ist Palmöl das meistproduzierte pflanzliche Öl weltweit. 85 Prozent des weltweit produzierten Palmöls stammen dabei lediglich aus zwei Ländern: Indonesien und Malaysia. Auch die Schweiz importiert kräftig Palmöl und bezieht dabei fast die Hälfte aus Malaysia.

Das Problem dabei: Palmölplantagen zerstören nicht nur den Regenwald, der die Lebensgrundlage für zahlreiche Tiere darstellt, sondern haben auch verheerende Folgen für die Umwelt und entziehen in zahlreichen Fällen die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung und deren Rechte auf ihr Land.

Palmöl-Plantagen soweit das Auge reicht

Wie bedrohend die Situation ist konnte ich vor Ort selbst sehen, als ich im Februar 2017 nach Borneo, in den Malaysischen Teil Sabah, und im Juli nach Sumatra reiste. Auf einer 3-tägigen Dschungeltour in Sabah am Fluss Kinabatangan konnte ich viel über die lokale Bevölkerung, den Regenwald und das Palmöl lernen. Die Busfahrt von der im Osten von Sabah gelegenen Stadt Sandakan bis zur Dschungel-Lodge dauerte knapp 3 Stunden.

Dabei sah man aus dem Bus meist nur eines: Palmöl-Plantagen – soweit das Auge reicht. Erst auf den letzten 10 Minuten der Fahrt konnte erahnt werden, dass der Regenwald nun nicht mehr weit zu sein scheint. Die Ölpalmen passen auf den ersten Blick gut in das Grüne Landschaftsbild, dennoch überkommt einem ein mulmiges Gefühl.

Orang-Utans werden zur Seltenheit

Der Dschungel-Guide erzählte bereits am ersten Abend, dass Orang-Utans immer seltener werden. Früher habe man täglich bei der morgendlichen und abendlichen Bootstour sowie beim Trekking im Regenwald Orang-Utans sehen können, doch heute sei es anders. Während des Trekkings sei es praktisch unmöglich, einen Orang-Utan zu sehen, wenn man nicht mindestens einen Tag lang in die Tiefen des Regenwalds läuft.

Gerade mal ein Drittel des Regenwalds sei noch geschützt, so der Guide. Und tatsächlich sieht man bei der Bootstour einige Palmöl-Plantagen, die bereits durch das Urwald-Dickicht schimmern. Ich hatte Glück und sah 4 Orang-Utans in 3 Tagen Dschungel-Abenteuer. Doch andere Tiere wie beispielsweise die Borneo-Zwergelefanten sind fast gar nie mehr zu sehen. Mit viel Glück lassen sie sich einmal im Monat blicken, sagte der Guide.

Dass Tiere wie der Orang-Utan oder der Zwergelefant in Borneo vom Aussterben bedroht sind, hängt stark mit der Palmöl-Produktion in Malaysia zusammen. Die Besitzer der Palmöl-Plantagen nehmen den Tieren nicht nur ihren Lebensraum, indem sie den Regenwald abholzen, sondern sie stellen teilweise auch Fallen auf ihren Plantagen auf, um die Tiere davon abzuhalten, die Palmöl-Früchte zu beschädigen. Zahlreiche Orang-Utans und andere vom Aussterben bedrohte Tiere wurden schon zum Opfer einer solcher Falle, berichtete der Guide. Laut Schätzungen des WWF gab es 2016 nur noch bis zu 54.000 Borneo-Orang-Utans.

Unschlagbarer Deal für die lokale Bevölkerung

Doch nicht nur die Tiere sind gefährdet, auch die lokale Bevölkerung leidet unter den Folgen der Palmöl-Plantagen. Der Guide erzählte von einem Fall aus seinem Heimatdorf, bei dem die Regierung Anspruch auf ein bestimmtes Land erhob und den Bauern so lange unter Druck setzte, bis dieser schliesslich einwilligte sein Land mit Palmöl zu bepflanzen.

Weiter erzählte der Guide, dass internationale Firmen den Bauern oftmals einen unschlagbaren Deal anbieten, zu dem sie nicht nein sagen können. Public Eye berichtet zudem über Fälle von Arbeitsrechtverletzung, Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Schuldknechtschaft.

Böden sind anfällig, Feuer zu fangen


Auch für die Umwelt hat der Anbau von Palmöl verheerende Folgen, denn die Rodung von Wäldern setzt grosse Mengen an CO2 frei. Hinzu kommt, dass in Indonesien sehr viel Wald auf Torfmooren steht, welche besonders viel CO2 speichern und zudem anfällig darauf sind, Feuer zu fangen. Auch kam es in der Vergangenheit zu immer mehr Überschwemmungen in den Gebieten Malaysias. Statistische Daten zeigten dabei, dass die Abholzung der Regenwälder entscheidend zu den Überschwemmungen beigetragen hat.

2004 hat der WWF den „Roundtable on Sustainable Palm Oil“ (RSPO) ins Leben gerufen um Mindeststandards für den Anbau von Palmöl zu definieren. Mit dabei sind Palmöl-Anbauer, Händler, Konsumgüterhersteller, Banken sowie Nichtregierungsorganisation. Momentan werden knapp 20 Prozent des weltweiten Palmöls nach RSPO-Richtlinien hergestellt, der Rest stammt noch immer aus konventioneller Produktion. Immer wieder steht der RSPO in der Kritik. Das Label sei eher schädlich als nützlich, so die stellvertretende Geschäftsleiterin des Bruno Manser Fonds, Johanna Michel. Auch auf RSPO-zertifizierten Plantagen werden Monokulturen angebaut, gefährliche Herbizide verwendet und die Rechte der lokalen Bevölkerung missachtet.

Palmöl verdrängt Rapsöl

Schweizer Bauern sorgen sich, dass Palmöl im Falle des Freihandelsabkommens das Schweizer Rapsöl vom Markt verdrängen wird. Raps ist die wichtigste Schweizer Ölpflanze. Schätzungen zufolge wurde 2017 auf 21'000 Hektaren Raps angebaut.

Laut einem Faktenblatt zu Palmöl des Vereins Public Eye, kostet ein Liter Palmöl durchschnittlich 85 Rappen. Für einen Liter Schweizer Rapsöl zahlt man einen Preis von 2.67 Franken. Momentan wird das importierte Palmöl noch mit 1.22 pro Kilo besteuert, was einen Endpreis von 2.12 macht. Würde aber ein Freihandelsabkommen mit Malaysia zu Stande kommen, würden die Importzölle wegfallen und das importierte Öl wäre beinahe 3-mal billiger als Schweizer Rapsöl. Hinzu kommt, dass Raps lediglich einmal jährlich geerntet werden kann; Palmöl bis zu viermal. Pro Hektar kann also knapp 4,5-mal mehr Palm- als Rapsöl pro Jahr gewonnen werden.

Wie weiter?

Laut Berechnungen des Bruno Manser Fonds würde der Produktionswert der Ölsaaten in der Schweiz durch das Inkrafttreten eines Freihandelsabkommens mit Malaysia und Indonesien von 71 Millionen Franken auf rund 28 Millionen abnehmen.

Doch ist ein Boykott von Palmöl und dessen Ersetzen durch andere Ölsaaten die Lösung des Problems? Laut einer Studie des WWF: Nein, denn um Palmöl zu ersetzen müssten deutlich grössere Flächen mit anderen Ölsaaten bepflanzt werden. Das würde das Problem nicht lösen, sondern lediglich verlagern oder gar verschlimmern. Nur wenn Palmöl durch heimische Öle wie beispielsweise Raps- oder Sonnenblumenöl ersetzt werden würde, würde die biologische Vielfalt weniger leiden, heisst es weiter.

Das Problem: Für den Anbau von Raps- und Sonnenblumenöl ist keine unbegrenzte Fläche verfügbar. Laut WWF wäre für den Ersatz von Palmöl eine Anbaufläche von 1,4 Millionen Hektar mit heimischen Ölen nötig – es erzielt nun mal keine andere Pflanze so hohe Ölerträge pro Hektar Land wie die Ölpalme.

Engagement im Regenwald

Der Bruno Manser Fond (BMF) setzt sich für Fairness im Regenwald ein. Dabei geht es nicht nur um den Erhalt der tropischen Regenwälder, sondern auch darum die Artenvielfalt zu erhalten und die Rechte der Bevölkerung in Regenwaldgebieten einzufordern.

Der Präsident und Gründer des BMF, Bruno Manser, gilt seit seiner Reise im Jahr 2000 nach Sarawak als verschollen. Vor seinem Verschwinden lebte Manser einige Jahre bei der Volksgruppe Penan im malaysischen Bundesstaat Sarawak, weshalb sich der BMF besonders für den Schutz der Wälder und des Volkes in Sarawak einsetzt.


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