25.01.2018 07:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Wahl, lid
Direktvermarktung
«Kalkulation auch kommunizieren»
Immer mehr Bauern verkaufen ihre Produkte direkt ab Hof. Simone Hunziker von der landwirtschaftlichen Beratungszentrale Agridea über den Direktvermarktungs-Boom.

Die Zahl der Bauernbetriebe, die Produkte direkt ab Hof verkaufen, hat seit 2010 um 60 Prozent zugenommen. Wie erklären Sie sich diesen Boom? 
Simone Hunziker: Bedingt durch den Preisdruck in der Landwirtschaft sind die Betriebe gezwungen, ihre Strukturen anzupassen. Die Direktvermarktung ist eine Möglichkeit der Diversifikation, welche die Wertschöpfung innerhalb des Betriebes vergrössert. Zudem hält sich in der Bevölkerung der Boom zu saisonal und regional. Hier kann ein wichtiger Beitrag geleistet werden.

Wie rentabel ist die Direktvermarktung für die Bauernfamilien?
Es ist wichtig, dass die Anbieter ihre Preise richtig kalkulieren und diese Kalkulation auch kommunizieren. Die Konsumentin ist bereit, für gute Produkte einen fairen Preis zu bezahlen.

Was müssen Bauernfamilien bedenken, bevor sie in die Direktvermarktung einsteigen?
Eine Bedarfsabklärung ist auf jeden Fall wichtig. Welche Produkte sind gefragt, was lässt sich mit der geplanten Infrastruktur, Lage und den persönlichen Ressourcen produzieren und verkaufen. Daneben sind die Anforderungen bezüglich des Lebensmittelgesetzes und des Raumplanungsgesetzes zu erfüllen.

Welche Stärken hat die Direktvermarktung gegenüber dem Detailhandel?
Hier zählt primär der direkte Kontakt zu der Kundschaft. Die Kundin weiss genau, woher die Produkte stammen und wer dahinter steckt.

Welche Betriebstypen sind eher in der Direktvermarktung tätig?
Das Angebot in der Direktvermarktung hängt mehr mit den Menschen im Betrieb als mit dem Betriebstyp zusammen. Da aber sehr oft die Bäuerin diesen Betriebszweig betreut, kommen hier ihre Vorlieben und Fähigkeiten zum Zug.

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Direktvermarktung aus?
Die Digitalisierung macht auch hier nicht halt. Es gibt vereinzelte Anbieter, welche ihre Angebote auf ihrer Homepage oder auf Plattformen wie "Farmy" anbieten. Aus meiner Sicht ist aber der persönliche, direkte Bezug zwischen Kundin und Bäuerin das Essentielle in dieser Angebotsform.

In welche Richtung wird sich die Direktvermarktung künftig entwickeln? Wie viel Potenzial besteht noch? 
Ich kann mir vorstellen, dass die Sehnsucht nach dem kleinen „Tante-Emma-Laden“ und nach saisonal und regional bei einem Teil der Konsumentinnen weiter wächst. Das kann als Chance für die Direktvermarkter genutzt werden.

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