19.12.2014 06:08
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Ernährung
Kalorienbomben können Krebs hemmen
Viele Kalorien zu futtern, kann bei Mäusen bestimmte Tumoren hemmen - zumindest wenn der Zeitpunkt stimmt. Dies berichten Genfer Forscher im Fachjournal «Cell Metabolism». Sie haben auch ein Eiweiss identifziert, dank dem diese Tumore vielleicht dereinst bekämpft werden könnten.

Es ist bekannt, dass eine kalorienarme Ernährung Krebsarten hemmen kann, die durch die Genveränderung KRAS bedingt sind. Dazu gehören Lungen-, Dickdarm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Eine Ernährung mit vielen Kalorien begünstigt Krebs jedoch der Lehrmeinung nach eher, indem sie Diabetes und Übergewicht verursacht.

Zeitpunkt muss stimmen

Das Team um Roberto Coppari von der Uni Genf wollte wissen, was passiert, wenn die Ernährung von wenigen zu vielen Kalorien wechselt. Überrascht stellten die Forscher in Versuchen mit Mäusen fest, dass es vom Zeitpunkt der Umstellung abhängt, ob der Tumor wächst oder gehemmt wird, wie die Universität Genf in einer Mitteilung schreibt.

Wurde die Ernährung vor der Tumorbildung umgestellt, wuchsen die Tumorzellen nicht. Erfolgte der Wechsel, nachdem der Tumor zu wachsen begann, verstärkte dies jedoch das Tumorwachstum sogar. «Dies bedeutet allerdings nicht, dass man mit einem Hamburger Lungenkrebs vorbeugen kann», wird Studienleiter Roberto Coppari in der Mitteilung zitiert.

Stress in der Zelle

Diese Beobachtung führte die Wissenschaftler jedoch auf die Spur des Mechanismus dahinter. Sie entdeckten, dass ein bestimmtes Molekül des Proteinstoffwechsels, ein sogenanntes Chaperone, durch die Umstellung auf kalorienreiche Nahrung stark gehemmt wurde. Das Protein kommt nur in Tumorzellen, nicht aber in gesunden Zellen vor.

Dies lässt die Forscher hoffen, dass eine Hemmung dieses Moleküls gezielt Lungenkrebszellen ausbremsen könnte, gesunde Zellen aber nicht angegriffen würden. In Mäusen und Zellkulturen funktionierte dies bereits, berichten sie. Aber auch wenn weitere Laborversuche diese Wirkung bestätigen, seien klinische Versuche am Menschen noch mehrere Jahre entfernt.

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