18.03.2019 11:00
Quelle: schweizerbauer.ch -
Leserreise Dubai 2019 (3/3)
Kamelmilch ist salzig und selten
Nicht nur Kühe, Schafe und Ziegen, sondern auch Kamele, lassen sich melken. Auf der Leserreise Dubai stand der Besuch einer 6000er-Kamelfarm auf dem Programm. Die Milch wird direkt vor Ort verarbeitet.

Die Kamelfarm Camelicious vor den Toren Dubais wurde 2003 gegründet. Damals seien 600 Tiere für den Aufbau einer Herde gekauft worden. Drei Jahre später konnte das erste Mal gemolken werden, und im 2010 wurde die eigene Molkerei in Betrieb genommen. Heute leben auf Camelicious 6'000 Kamele, davon 5'200 weibliche Tiere. In diesem Jahr werden rund 2'700 Kamele ein Kalb bekommen.

Sensibel und spätreif

Kamele melken ist eine Wissenschaft für sich. Die sensiblen Tiere sind Spätzünder. Erst im Alter von rund fünf Jahren bekommen sie nach einer Tragezeit von 380 Tagen (+/– 20 Tage) ihr erstes Kalb. Doch mit Melken ist dann noch nichts.

Direkt nach der Geburt sind die Muttertiere sehr aggressiv, lassen, wenn überhaupt, nur ihren Betreuer in die Nähe. Die Kälber bleiben deshalb während den ersten zwei Monaten permanent bei den Müttern. Anschliessend wird auf die muttergebundene Aufzucht und auf das Melken umgestellt. 

Sechs Liter pro Tag

Die Kamele werden dann zweimal täglich im Melkstand mit 48 Melkplätzen gemolken. Übrigens: Kamele haben vier Zitzen. Nach dem Melken können die Kälber für rund 30 Minuten zu ihren Müttern. Die weiblichen Tiere werden für die Nachzucht aufgezogen – denn der Betrieb möchte seinen Tierbestand bis 2020 mehr als verdoppeln – die männlichen Tiere werden für die Fleischproduktion verkauft. 

Im Schnitt gibt ein Kamel pro Tag sechs Liter Milch. Die Laktationsdauer beträgt 1,5 Jahre, danach folgt eine einjährige Galtzeit. Insgesamt werden pro Tier fünf Laktationen angestrebt. 

Milch mit Geschmack

Zum Zeitpunkt des Besuches befanden sich rund 1'000 Tiere in Laktation. Täglich fallen im Winter also rund 6000 Liter Kamelmilch an, und diese werden in der hofeigenen Molkerei weiterverarbeitet. Eines der Hauptprodukte ist pasteurisierte Trinkmilch. In Gebinden von 2,5 l, 1 l und 0,5 l wird sie abgefüllt. Nebst neutraler Milch werden die Geschmacksrichtungen Dattel, Safran  und Erdbeeren angeboten.

Zudem gibt es eine Extra-Produktelinie: Diese Milch wird mit Zusatzvitaminen angereichert und mit einem speziellen Geschmack – für Kinder Caramel, für Männer Honig und für Frauen Schokolade. Eis, Käse, Ghee (aus Butter, durch Entfernen von Wasser, Milcheiweiss und Milchzucker gewonnenes Butter-Reinfett) und Milchpulver sind weitere Produkte.

Letzteres wird nur nach Bedarf produziert und für die Herstellung von Schokolade, Fertigprodukten und Babypulver verwendet.   Die Produkte werden im Inland und Ausland vertrieben. Camelicious hat Exportlizenzen für die EU, Russland, die USA und Asien. Gerade für China sehe man in Zukunft grosses Exportpotenzial. 

Besonders gut verträglich

All den Exportchancen zum Trotz bleibt die Frage: Wieso der ganze Aufwand? Spätreif, tiefe Milchleistungen und anspruchsvoller Umgang. Eigenschaften, die das Kamel nicht gerade als idealen Milchlieferanten dastehen lassen.

Doch Kamelmilch ist besonders. Leicht salzig im Geschmack, soll sie mehr Vitamin C und D enthalten als Kuhmilch und vor allem keine Laktose - heisst es in der Produktebeschreibung. Ein wichtiger Pluspunkt in Zeiten, in denen gefühlt jede dritte Person an einer Laktoseintoleranz zu leiden scheint. Zudem ist  die Fettzusammensetzung der Kamelmilch,  ähnlich wie die der Muttermilch, was sie besonders leichtverdaulich  macht . 

Laufbahn für Bewegung 

Insgesamt kümmern sich auf der Farm 300 Personen um die Tiere, die Milchproduktion und die Verarbeitung. Die grosse Kamelherde ist in viele  kleinere Gruppen unterteilt, und jede dieser Gruppen hat ihre fixen Bezugspersonen und Betreuer. Gefüttert werden die Kamele vor allem mit getrockneter Luzerne. Rund 27 kg pro Tier und Tag werden verfüttert. Zwei betriebseigene Flugzeuge sorgen dafür, dass immer genügend Futter vorhanden ist.

Trotz den grosszügigen Gehegen, in denen die Tiere leben, muss darauf geachtet werden, dass sich die Wüstentiere genügend bewegen. Nach dem morgendlichen Melken gehen die Gruppenbetreuer mit ihren Tieren auf die Laufbahn – ein zwei Kilometer langer Rundweg um die gesamte Anlage. 

Leserreise Teil 1
Leserreise Teil 2

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