12.02.2020 07:00
Quelle: schweizerbauer.ch - pd
Uri
Kapelle oder nicht?
Ein schon seit längerem bestehendes Rätsel in Flüelen UR: die Lokalisierung der ersten Dorfkapelle. Neue archäologische Grabungen im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Ochsenplätzlis hinter dem Hotel Urnerhof haben nun womöglich des Rätsels Lösung aufgedeckt.

Die Geschichte der Kapelle reicht über 650 Jahre zurück. Die ursprünglich nur dem Heiligen Georg geweihte Kapelle wird erstmals 1360 erwähnt. Bislang als eine von der Pfarrei Altdorf abhängige Filiale geführt, wurde es den Flüeler Dorfleuten im 17. Jahrhundert immer wichtiger, eine eigene Pfarrkirche im Dorf zu haben, die zudem mehr Platz bietet.

Die Pfarrgründung erfolgte sodann 1665, ein Jahr nach der Fertigstellung der neuen und grösseren Kirche St. Georg und St. Nikolaus. Mit dem Neubau der Pfarrkirche wurde die alte Kapelle nicht mehr als solche genutzt und sie geriet in Vergessenheit. Ihr Abbruch sei nirgends registriert und ihr Standort sei allmählich aus dem Gedächtnis der Leute verschwunden, schreibt der Kanton Uri in einer Mitteilung. 

Erstaunlicherweise hielt sich die Tradition, dass die alte Kapelle unter dem Kräutergarten des Gasthauses «Weisses Kreuz» lag, wie Robert Müller in seiner Dorfgeschichte 1912 schrieb. Und genau dort wurden im vergangenen November und Dezember neue Werkleitungen verlegt, was eine geplante archäologische Baubegleitung erforderte. Im Leitungsgraben kamen dann tatsächlich mas-sive Mauerfundamente zu Tage.

Der Boden gibt seine Geheimnisse preis

Im begrenzten Graben liessen sich zum Teil die West- und Ostmauer sowie die Nordostecke eines Steingebäudes freilegen. Das Gebäude erfuhr mindestens einen Umbau, konnten doch zwei, sich zeitlich aufeinander folgende Innenböden festgestellt werden. 

Eine Besonderheit stellt die Entdeckung eines unter dem Tonplattenboden zum Vorschein gekommenen Brunnenschachtrests dar. Aus trocken verlegten Bruchsteinen erstellt, lag er im Bereich der zu vermutenden, nordwestlichen Ecke. Seine Funktion ist bislang nicht eindeutig zu erklären. Hingegen legen Münzfunde aus dem jüngeren Boden sowie aus darüber liegenden Erdschichten Zeugnis für die Gebäudenutzung bis sicher ins 17./18. Jahrhundert ab. Der Abbruch des Gebäudes erfolgte daher spätestens im frühen 19. Jahrhundert.

Ehemalier Kräutergarten

Dieses neu entdeckte, auf keinen Katasterplänen festgehaltene Gebäude liegt ziemlich exakt unter dem ehemaligen Kräutergarten des im Jahr 2018 abgebrochenen Gasthauses «Weisses Kreuz». Für eine 100prozentige archäologische Identifikation reichten jedoch die Grabungsausschnitte nicht aus: Eindeutige Elemente wie die Chorfundamente dürften südlich noch im Boden versteckt schlummern.

Des Rätsels Lösung ist also nicht vollständig erbracht. Dennoch scheinen einige Argumente für die Wiederentdeckung der Kapelle zu sprechen. 

 

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