11.01.2016 15:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Luzern
Kleine Emme: Meteoritartiger Einschlag
Ein Felssturz in die Kleine Emme hat am Montagmorgen bei Wolhusen eine Überschwemmung verursacht und erhebliche Gebäudeschäden verursacht. Die Kantonsstrasse ins Entlebuch war unterbrochen. Verletzt wurde niemand.

Nach 3 Uhr löste sich in der Badfluh auf 50 Meter Höhe ein rund 5000 Kubikmeter grosser Fels und stürzte in die Kleine Emme. Der aufgebotene Geologe Klaus Louis sagte, der Fels sei in eine Kiesbank eingeschlagen. Die Wirkung sei wie bei einem Meteoriten gewesen.

Glück im Unglück

Durch die Wucht wurden Steine und Bäume 200 Meter weit in und über das dortige Gewerbe- und Wohngebiet auf die parallel zum Fluss führende Kantonsstrasse und ins dahinterliegende Wiesland geschleudert. Das Material schlug bei einem mehrstöckigen Wohnhaus Ziegeln vom Dach. Die Fassade und die Fenster eines nahe beim Fluss stehenden Gewerbegebäudes wurden beschädigt.

Der Felssturz hatte sich links der Kleinen Emme auf dem Gebiet von Wolhusen ereignet, der Schaden betrifft aber vor allem das rechtsufrig gelegene Werthenstein. Die Behörden sprachen von Glück, dass sich der Felssturz in der Nacht ereignet und sich niemand auf der Kantonsstrasse oder im Gewerbegebiet aufgehalten habe.

Hochwasserschutzmauer zerstört

Auf einer Länge von 50 Metern füllte das Gestein das Flussbett 25 Meter breit und fünf Meter hoch. Der Durchfluss wurde stark reduziert. Zudem zerstörten die Gesteinsmasse eine nach dem Hochwasser von 2005 errichtete Hochwasserschutzmauer auf einer Länge von über zehn Meter.

Die Kleine Emme trat über die Ufer und überschwemmte eine grössere Fläche, wenn auch nicht sehr hoch. Rund 20 Personen mussten evakuiert werden. Keller standen unter Wasser. Diverse Gewerbebetriebe und ein Schulhaus blieben am Montag geschlossen.

Aufräumarbeiten stehen an

Die Feuerwehr, die mit 80 Personen ausgerückt war, errichtete noch am frühen Morgen quer über die Strasse einen 25 Meter langen und einen Meter hohen Erdwall und spitzte eine Mauer am Fluss ab, damit das Wasser zurück in das Bett fliessen konnte. Bis am Mittag hatte sich das Wasser flächenmässig weit zurückgezogen. Noch immer stand ein Teil des Gewerbegebietes unter Wasser. Aus Sicherheitsgründen durfte mit der Räumung des Flussbettes erst am Nachmittag begonnen.

Damit die Felsbrocken aus dem Fluss abtransportiert werden können, müssen sie kleingesprengt werden. Feuerwehrkommandant Beat Zihlmann sagte, dass nun Unterführungen und Keller ausgepumpt würden. Bis diese gemacht seien, könnten keine Angaben zu den Schäden gemacht werden.

Geologe erwartet keinen weiteren Felssturz

Geologe Louis Klaus geht nicht davon aus, dass sich weitere Felsbrocken lösen könnte. Ein aussergewöhnliches Ereignis, das den Felssturz ausgelöste, habe es nicht gegeben. Der Molassefels sei einfach zum Absturz bereit gewesen.

Die Kantonsstrasse von Luzern Richtung Bern blieb zwischen Wolhusen und Entlebuch den ganzen Tag gesperrt. Die Fahrzeuge wurden über die Rengg umgeleitet. Die Züge konnten normal verkehren. In einigen Haushaltungen fiel vorübergehend der Strom aus.

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