28.09.2018 09:50
Quelle: schweizerbauer.ch - Sibylle Hunziker
Tradition
Kleines Dorf – grosses Käsefest
Der «Chästeilet» ist ein Fest, an dem sich Iseltwalder, Heimweh-Iseltwalder und Gäste treffen. Am Samstag war es wieder so weit: Bei prächtigem Herbstwetter wurde mit Musik und einem Markt gefeiert.

Iseltwald im Berner Oberland ist als Fischerdorf bekannt. Letzten Samstag drehte sich aber alles um die Landwirtschaft – oder vielmehr die Alpwirtschaft. Denn am Boden, den die heute noch sechs Betriebe an den Hängen und auf den Terrassen über dem Brienzersee bewirtschaften, hat es  Kuhrechte für die Bättenalp. Über 800 Hektaren bis unters Faulhorn erstreckt sich die Alp der Iseltwalder – Platz genug für vier Sennten.

Das Fest zum Chästeilet organisiert traditionsgemäss das Senntum Abegglen, Schilt, von Bergen mit gegen 20 freiwilligen Helfern. «Das Fest haben schon unsere Eltern veranstaltet, und wir haben jeweils viele Stammgäste auch von weiter her», berichtet Beat Schilt. Das war auch dieses Jahr nicht anders: Im Postauto, das mittags von Interlaken nach Iseltwald fuhr, waren gerade noch ein paar Stehplätze frei, und statt «Haltestelle Mühle» verkündete der Chauffeur: «Chästeilet!»

Kleine, feine Vielfalt

Auf dem Mühle-Parkplatz herrscht schon kurz nach Mittag ein buntes Treiben um das Festzelt und die Stände des schmucken kleinen Bauernmarktes. Als Erstes fallen die goldgelben Käselaibe ins Auge: Stattliche Alp- und Hobelkäse und kleinere Mutschli, alle gleichermassen gepflegt und sauber beschriftet mit Russ und Schablone. Daneben bietet jede Familie ihre eigenen hausgemachten Spezialitäten an: Bei den einen sind es Brätzeli und Konfekt, bei den anderen Würste, eingelegte Kürbisse und Zwetschgen.

Auch befreundete Produzenten machen auf Einladung der Organisatoren beim Markt mit: Lilian und Simon Walthart mit dem Käse, den sie im eigenen Senntum auf der Bättenalp selber herstellen, und Christa Krähenbühl, die auf Wunsch ihrer ehemaligen Kollegin von der «Landfrauenküche», Sonja Schilt, von ihrem Hof in Oberhünigen verschiedenerlei Weizen- und Dinkelmehl, Most und Apfelringli, Konfitüren und Sirup mitgebracht hat.

Gute Zusammenarbeit

Viele Besucher haben sich Verpflegung geholt und sitzen an den langen Tischen gemütlich beisammen, einzelne wagen schon ein Tänzchen zu den lüpfigen Melodien der Örgeli-Fründe Chrüzholz aus Heimenschwand.  Den Bass spielt Brigitte Wyttenbach, eine Bättenalp-Sennin. «Wir sind seit zwölf Sommern vom Senntum Brunner für die Betreuung der Mutterkühe angestellt und bringen zudem eigene und fremde Milchkühe mit», erklärt ihr Mann Hansjörg Wyttenbach.

Das Senntum Abegglen, Schilt, von Bergen hat für die Betreuung der Tiere und fürs Käsen Daniela und Andreas Estermann angestellt. Das Innerschweizer Älplerpaar war bereits den vierten Sommer auf der Bättenalp. «Jedesmal hat ihr Käse die maximale Punktzahl erreicht», berichtet Beat Schilt. «Überhaupt würden wir die beiden nicht so schnell hergeben.»

Leisten Gemeinwerk

Auch für die jungen Sennen stimmt auf dieser Alp rundum alles – von der schönen Landschaft bis zum guten Verhältnis unter den Älplern und Bauern. «Wir sind alle aufeinander angewiesen und froh, dass alle am gleichen Strick ziehen», sagt Beat Schilt. Das gelte auch für den Bewirtschafter des vierten Senntums, der aus Goldswil auf der anderen Seeseite kommt. «In Iseltwald hätten wir nicht mehr genug Tiere für eine ordentliche Bewirtschaftung der Alpweiden.» Zusammen mit den Kühen von auswärts sei der Besatz gerade richtig. Zudem leistet jeder Besetzer pro Kuh drei Stunden Gemeinwerk für die Alpkorporation, etwa beim Hagen oder Entbuschen. 

Mit dem Resultat der vielen Arbeit sind die Bauern zufrieden. «Mit 3,6 Tonnen allein für unser Senntum gab es diesen Sommer besonders viel Käse», sagt Beat Schilt. «Wir hatten das Glück, dass es abends oft geregnet hat.» Darüber freuten sich auch die Festbesucher, die sich ordentlich mit ihren Lieblingskäsesorten eindeckten.

Jodler und Trychler

Zur guten Stimmung am Fest trugen der Jodlerklub Iseltwald, die Harzer Trychler und das Alphorntrio Harzis bei – «Harzer» ist der «Übername» der Iseltwalder, die früher nicht nur das Holz, sondern auch das Harz ihrer Fichtenwälder nutzten. Bei Speis und Trank, Musik und Tanz wurde bis in die Nacht gefeiert. Und wer den Käsemarkt verpasst hat, kann Käse von der Bättenalp bei den Bauern direkt kaufen oder auch in einzelnen Lebensmittelgeschäften in der Region – allen voran im Dorfladen Iseltwald.

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