11.10.2016 11:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Kleinstadt soll zu mehr Lebenszeit führen
Forscher wollen in einer deutschen Kleinstadt den Schlüssel zu einem langen Leben finden. Acht Jahre lang soll in Gaggenau in Baden-Württemberg ausgelotet werden, welche Lebensumstände ein besonders hohes Alter ermöglichen.

«Noch nie konnte in einem Feldversuch dieser Grösse ein solches Unterfangen umgesetzt werden», sagte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). Das Projekt in der 30'000-Einwohner-Stadt steht unter dem Motto «Ein gutes Jahr mehr».

Die Wissenschaftler wollen verschiedene Massnahmen in Kitas, Schulen, Senioreneinrichtungen und bei ansässigen Betrieben testen. Es geht beispielsweise um städtische Strukturen, mit denen Ältere vor Vereinsamung bewahrt werden können. Oder um eine für Körper und Seele möglichst optimale Arbeitswelt. Hinter dem Projekt stehen die Uni-Kliniken in Mannheim und Tübingen sowie das Mannheimer Zentrum für seelische Gesundheit.

«Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme», sagte Joachim Fischer von der Medizinischen Fakultät Mannheim. Anfang kommenden Jahres wollen die Forscher der Kommune erste Vorschläge machen. «Es geht um mehr Gesundheit und mehr Lebensfreude.» Es sollen alle Bevölkerungsgruppen vom Baby bis zum Senior einbezogen werden.

Das Experiment fusst auf Erkenntnissen, dass nur ein umfassendes Konzept Unterschiede ausgleichen kann, die sich beispielsweise aus der sozialen Herkunft ergeben. Soll heissen: Nur wenn sich mithilfe verschiedener Massnahmen die Lebens- und Arbeitswelt insgesamt verändert, können Ungleichheiten ausgebügelt werden. Es bewirke wenig, lediglich auf Einzelpersonen oder einzelne Familien zu schauen, sagte Fischer.

Das Projekt wird in den kommenden Jahren mit rund 350'000 Euro jährlich aus Landesmitteln finanziert.

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