24.02.2015 07:54
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Klima steuerte Pestausbrüche
Die Pest drang zwischen dem 14. und dem 19. Jahrhundert mehrmals aus Asien nach Europa ein - nicht nur einmal, wie bisher angenommen. Klimaschwankungen waren der treibende Faktor, zeigt nun eine Baumringstudie von schweizerischen, norwegischen und tschechischen Forschern auf.

Der Schwarze Tod kam im Jahr 1347 aus Asien in europäischen Hafenstädten an und dezimierte die hiesige Bevölkerung innert weniger Jahre um 40 bis 60 Prozent. Diese sogenannte zweite Pestpandemie - die erste fand zwischen 541 und 700 nach Christus statt - dauerte bis Anfang des 19. Jahrhunderts, als der Pesterreger aus Europa verschwand.

7711 Pestausbrüche

Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass der Erreger (Yersinia pestis) während dieser langen Zeit in natürlichen Langzeit-Reservoirs überlebte, also in Beständen einheimischer Nagetiere. Dies sei jedoch unwahrscheinlich, berichten nun Ulf Büntgen und Christian Ginzler von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) sowie Kollegen der Universität Oslo im Fachjournal «PNAS».

Sie haben ein digitales Inventar von insgesamt 7711 Pestausbrüchen mit 15 Baumring-Datenbanken aus Asien und Europa verglichen. Anhand der Baumringe lässt sich das Klima für jedes einzelne Jahr rekonstruieren. Dabei zeigte sich, dass der Pesterreger zwischen 1346 und 1837 mindestens 16-mal mit grosser Wahrscheinlichkeit erneut aus Asien eingeschleppt wurde.

Niederschlagsreiche Jahre

Diese Ereignisse traten jeweils nach extrem niederschlagsreichen Jahren in Zentralasien auf, dem natürlichen Lebensraum des wichtigsten Pestwirtes, der Wüstenrennmaus (Rhombomys opimus), wie die WSL in einer Mitteilung schreibt. Der Erreger konnte sich über die eurasischen Handelswege wie die Seidenstrasse ausbreiten und traf mit einer Verzögerung von 10 bis 15 Jahren in Europa ein.

Die Forscher vermuten somit folgendes Szenario: Ein widriges Klima förderte Pestausbrüche in den asiatischen Nagetier-Beständen. Der Kollaps der infizierten Populationen zwang die Flöhe, die den Pesterreger trugen, neue Wirte zu finden - zum Beispiel die Kamele oder Menschen der Karawanen. Mit einer Geschwindigkeit von rund 400 Kilometern pro Jahr wanderte die Pest so Richtung Europa.

Keine Pestherde in Europa

Die Forscher konnten hingegen keine Hinweise finden, die auf ein klimaabhängiges Pest-Reservoir in Europa hindeuten. Dies würde nach Ansicht der Forscher auch erklären, warum nach Anfang des 19. Jahrhunderts keine Pestherde mehr in europäischen Wildtieren existierten.

Ob ihr Szenario wirklich plausibel sei, müssten DNA-Analysen historischer Pestopfer zeigen, schreiben die Forscher. Diese müssten im Idealfall sowohl aus unterschiedlichen Zeitepochen als auch aus mehreren Regionen in Eurasien stammen.

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