14.11.2017 06:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Klimawandel
Klimawandel führt zu mehr Todesfällen
Geht der Klimawandel ungebremst weiter, müssen viele Weltregionen mit deutlich mehr Todesfällen durch Temperaturextreme rechnen. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie mit Basler Beteiligung. Besonders betroffen sind demnach Südostasien, Südeuropa und Südamerika.

Mit dem Klimawandel nimmt die Anzahl heisser Tage und Hitzewellen zu. Das führt zu mehr hitzebedingten Todesfällen. Auf der anderen Seite sollte mit steigenden Temperaturen die Rate an Todesfällen durch Kälte sinken. Bisher war unklar, ob sich diese Effekte unter dem Strich ausgleichen.

Dieser Frage ist ein internationales Forscherteam unter Leitung der London School of Hygiene & Tropical Medicine in der bisher grössten Studie zu temperaturbedingten Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit nachgegangen.

Dafür trugen die Wissenschaftler mit Beteiligung des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) Daten über 85 Millionen Todesfälle zwischen 1984 und 2015 aus 23 Ländern zusammen, darunter der Schweiz. Auf dieser Basis berechneten sie die Nettoveränderung der kälte- und hitzebedingten Todesraten und deren weitere Entwicklung bei verschiedenen Klimawandelszenarien.

Bei weitem kein Ausgleich

Das ernüchternde Fazit der Studie, die im Fachblatt «The Lancet Planetary Health» erscheint: Ohne entschiedenen Klimaschutz wird bis zum Ende des 21. Jahrhunderts die gesteigerte Todesrate durch Hitze bei weitem nicht ausgeglichen durch weniger kältebedingte Todesfälle.

«Besonders deutlich wird der Anstieg in den wärmsten, stark bevölkerten und teilweise ärmsten Weltregionen ausfallen, die ohnehin schon besonders unter den Folgen des Klimawandels leiden, beispielsweise in Südostasien», erklärte Studienautorin Martina Ragettli vom Swiss TPH im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Südostasien leidet am meisten

Dort wird die Netto-Todesrate den Berechnungen zufolge um 12,7 Prozent steigen, gefolgt von Südeuropa mit 6,4 Prozent und Südamerika mit 4,6 Prozent. Auch in Mitteleuropa, inklusive der Schweiz, rechnen die Forschenden mit einem Plus von 3,5 Prozent in der temperaturbedingten Mortalität. In kälteren Regionen wie Nordeuropa ergaben die Berechnungen hingegen kaum Veränderungen oder höchstens eine geringfügig sinkende Rate.

Die Studie, die zeitgleich mit der UNO-Klimakonferenz erscheint, spendet jedoch auch Hoffnung: Werden die Ziele des Pariser Klimaabkommens, die globale Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu beschränken, entschieden umgesetzt, könnte auch der Anstieg der temperaturbedingten Mortalität begrenzt werden, schreiben die Forschenden.

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