25.11.2019 06:36
Quelle: schweizerbauer.ch - ab
Landfrauenküche
Kochsendung als Auszeit und Erfahrung
Angemeldet hat die 41-jährige Bäuerin ihr Mann. Er wollte ihr damit eine Auszeit aus dem strengen Familienalltag gönnen. Den Blick hinter die Kulissen von Fernsehaufnahmen haben sie sehr genossen.

Damit meine Frau ein wenig Abwechslung hat, habe ich Astrid im Januar angemeldet», bekennt Stefan Murpf in der gemütlichen Küche beim feinen Kaffee. «Da unsere beiden Mädchen an einer unheilbaren Stoffwechsel-Krankheit leiden und schwerstbehindert sind, brauchen sie eine intensive Betreuung», erklärt er. Diese Aufgabe übernehmen die Eltern von vier Kindern gemeinsam. «Wollen wir mal zusammen weg, braucht es viel Organisation, und so bleibt meist einer von uns zu Hause. Es sei denn, Fabian ist da, dann übernimmt er auch mal spontan die Betreuung seiner Schwestern», ergänzt Astrid.

Positiver Bescheid

«Ich habe für die Tage, die meine Frau wegen der Landfrauenküche zu Hause gefehlt hat, gerne für die Kinder die Verantwortung übernommen», sagt Stefan überzeugt. Nachdem sich das Fernsehen im März bei ihnen gemeldet hatte, folgte ein Besuch, bei dem Fotos und Interviews gemacht wurden. Im Mai erhielten sie positiven Bescheid und Astrid musste drei Menüvorschläge einreichen.

Am 15. August fand ein Kennenlerntag im Fernsehstudio Zürich mit allen Landfrauen statt. Dabei wurde ihnen erklärt, was sie erwartet, und sie lernten die massgebenden Leute kennen. Sie wurden aufs Feinste bekocht und übten selbst das Bewerten. Auch eine kurze Einführung ins Schminken gehörte dazu. Mitte September verbrachten die Frauen gemeinsam zwei Tage in Luzern beim sogenannten «Opener». «Da wurden der Vorspann der Sendung gefilmt und Fotos gemacht. Die unkomplizierte Kameradschaft und der gute Zusammenhang unter gleichgesinnten, aufgestellten Frauen beeindruckten mich sehr», freut sich Astrid.

Dann nahte das erste Essen. «Da war ich sehr nervös, weil ich realisierte, dass es jetzt ernst gilt», blickt sie zurück. «Wir wurden in Ziegelbrücke am Bahnhof abgeholt und ins Hotel gebracht, wo wir uns zurechtmachen konnten. Anschliessend gab es erste Drehs im Postauto und weiter gings zur ersten Landfrau. Nach dem Essen hat jede Frau einzeln ein Kritikgespräch, muss über jeden Gang des Essens und die Atmosphäre eine Bewertung abgeben. Anhand dieser wird dann die Gewinnerin ausgewählt», weiss Astrid.

Eine fast normale Woche

Vom 30. September bis 5. Oktober hat das Fernsehen bei Murpfs gefilmt. Der zuvor erstellte Wochenplan konnte mehr oder weniger eingehalten werden. Anfallende Arbeiten wurden erledigt, einfach geruhsamer wegen der vielen Einstellungen der Kamera und des Tons.

«Das Filmteam ist sehr früh aufgestanden. Mein Tag beginnt am Montag bereits um 5.30 Uhr mit dem Bereitmachen der Töchter für die betreuten Wohngruppen von heilpädagogischen Institutionen in Schüpfheim LU und Meiringen BE, wo sie unter der Woche leben. «Wir sind eine ganz normale Familie mit etwas andern Bedingungen», betont das Ehepaar. Die Crew war rechtzeitig auf dem Platz, 12 Kilometer vom Dorf Hasle im Entlebuch entfernt.

Etwas Wehmut

Der 41-jährige Bauer bewirtschaftet den Hof Aeschitannen auf 1184 m.ü.M. in den Bergzonen II und III mit 38 ha LN, 15 ha Sömmerungsweide, sowie 20 ha Wald. Die ca. 40 Tux-Zillertaler-Mutterkühe, die er seit einigen Jahren züchtet, obliegen ganz seiner Verantwortung. Die Zwergesel, Pony, Enten, Gänse, Hühner und Kaninchen sind das Hoheitsgebiet von Astrid. Das Haflingerpferd setzt sie zu Therapiezwecken bei den Mädchen ein, der 16-jährigen Melanie und der 13-jährigen Ilona. Fabian, 17-jährig, lernt im zweiten Jahr Zimmermann und der 7-jährige Robin besucht die erste Klasse.

«Die Filmwoche war eine kostbare Erfahrung. Die drei Männer des Filmteams habe ich als äusserst rücksichtsvoll, freundschaftlich und unkompliziert erlebt, sodass danach sogar etwas Wehmut aufkam», bilanziert Astrid Murpf. An die Männer und die Kamera hätten sie sich sehr schnell gewöhnt. Diese haben sie nur punktuell begleitet. Die richtigen Filmeinstellungen brauchten manchmal viel Geduld, aber den Blick hinter die Kulissen erlebten sie als sehr spannend, die Drohnenaufnahmen faszinierten sie

 Grössere Stürme

Den Raum für die Landfrauen hat Sohn Fabian mit viel Liebe eingerichtet, und Astrid hat ihn nach ihren Ideen mit Materialien vom Hof dekoriert. «Am Freitag hat Melanie meine ansteigende Nervosität gespürt und mit einer Krise reagiert. Zum Glück konnte ich sie mit Reittherapie wieder beruhigen», erzählt Astrid.

Am Samstag betreuten Bezugspersonen die beiden Mädchen zu Hause, damit sie in Ruhe kochen konnte. «Als Hilfe habe ich meine Schwester Patrizia angefragt. Wir kennen uns sehr gut. Nachdem das Fleisch zubereitet war, verflog die Anspannung, und ich konnte den Tag sogar geniessen», verrät die leidenschaftliche Köchin. Der Moment, als die Landfrauen aus dem Postauto stiegen, war sehr emotional. Und Stefan? War er nervös, sechs fremden Bäuerinnen ein gediegenes Menü zu servieren? «Warum auch? Ich habe in den vergangenen Jahren viel grössere Stürme durchgestanden. Diese haben mich gelehrt, das Leben vorweg zu nehmen, einen Tag nach dem andern», sagt er seelenruhig.

Astrid konnte die restlichen Essen bei den anderen Landfrauen so richtig geniessen, und nun freuen sie sich, mit den Söhnen  am 28. Dezember ans Finale zu gehen. Dort lernen sie nicht nur das Fernsehstudio kennen, sondern auch die anderen Bauern.

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