19.08.2019 08:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Katrin Müller
Blog
Königsdisziplin Weidemanagement
Für ein Austauschsemester fährt die Agronomie-Studentin Katrin Müller gemeinsam mit Freund Simon Küng nach Schottland. Zwei Monate wollen sie bauern, auf einem Betrieb mit 700 Milchkühen. Für schweizerbauer.ch berichten sie von ihren Erlebnissen. -> Mit Video

Letzte Woche haben mein Freund Simon und ich auf sämtlichen Parzellen die Grasmenge gemessen. Diese Arbeit steht einmal wöchentlich an. Es gibt verschiedene Methoden das Weidemanagement zu bewältigen.

Computer berechnet Weideplan

Michael Kyle, Inhaber und Manager der Linns Farm, misst die Grasmenge mit einem speziellen Gerät, dem «Platemeter». Mit diesem «Platemeter» liefen wir durchs Feld und haben damit 30 Messproben genommen. Danach zeigte das Gerät an, wieviel Gras in Trockensubstanz pro Hektare vorhanden ist. Zum Glück hatten wir den Quad dabei, um von einem Feld zum nächsten zu fahren. Ansonsten wäre es uns wohl schnell verleidet bei so grossen Flächen.

Am Computer haben wir alle gemessenen Daten eingetragen. Automatisch hat dieser dann einen Plan erstellt. Auf diesem konnte man anschliessend jederzeit ablesen, welches Feld die Kühe als nächstes weiden werden. Zudem zeigte es uns, ob die Grasmenge ausreichend ist.

Gutes Weidemanagement nötig

Zum Glück hatten wir genügend Gras. Wir konnten sogar einige Felder für die Silageproduktion aufsparen. So bleibt das Management im Lot und die Kühe fressen immer Gras im perfekten Stadium. Uns hat dieses System sehr beeindruckt. In den Lehrjahren hatten wir beide gelernt, nach Augenmass eine Weide auszuwählen.

Die Grasmenge pro Kuh und Tag muss stimmen. Bei zu viel Futterangebot hatten wir Mühe, die Kühe zum Karussell und danach wieder auf die Weide zu treiben. Ausserdem grasten die Kühe die Weide nur ungenügend zu Ende. Wir mussten diese nach dem Weiden mit Traktor und Mähwerk mähen. «Schlecht gegraste Weiden bringen denn ganzen Sommer nicht mehr so viel ein, wenn wir sie nicht mähen würden», sagte Michael Kyle. Die Kühe fressen nämlich nur das junge Gras und lassen das Gras vom letzten Weiden stehen. 

Betriebsspiegel

Die Linns Farm wird von Michael Kyle geführt. Er ist Inhaber und Manager. Neben der Vollzeitangestellten helfen auch drei Studenten mit. Die Linns Farm liegt in Dumfries. 700 Kühe der Rasse Kiwicross und Jersey grasen auf 380ha. Die Kühe sind das ganze Jahr draussen auf der Vollweide. Nur bei nassen Zeiten im Winter werden sie in einem offenen Laufstall gehalten.

Show in Dumfries - grösste Show

Zwischen den Melkzeiten besichtigten wir am Wochenende die Landwirtschaftsmesse in Dumfries. Diese ist die grösste in dieser Region. Sie findet einmal jährlich statt. Wir besuchten vor allem landwirtschaftliche Stände und verfolgten die Tierschauen von 233 Mutterkühen, 110 Milchkühen, 837 Schafen, 80 Ziegen und fast 400 Pferden mit.

Unter den Milchkühen gab es vor allem Jerseys, Ayrshire, Brown Swiss und Holsteinkühe zu sehen. Die Holsteinkühe erschienen uns unglaublich gross.  Mit den kleinen Kiwicross-Kühen sind wir richtig verwöhnt. Die Mutterkühe werden hier mit der Familie präsentiert und bewertet.

Mittelpunkt Schafshow


Neu waren für uns die Schafwettbewerbe. Besonders fasziniert haben uns die verschiedenen Schafrassen, die in Schottland gehalten werden: Schafe für Fleischproduktion und Rassen für gute Wolle. Sehr häufig kommen hier die Schafe auch zur Pflege von schwierig zu bewirtschaftenden Flächen zum Einsatz, wo weder auf die Woll- noch auf die Fleischqualität geachtet wird. Robust sollen diese Schafe sein.

Unter diesen vielen Schafen hat eine Rasse mit gelbem Wollkleid hervorgestochen. Von weiten sah dies natürlich aus. Doch aus der Nähe sahen wir sofort, dass dies muss Farbe sein.

Regionale Verpflegung


Zum Abschluss verpflegten wir uns im Foodfestival-Zelt. Regionale Fleisch- und Milchprodukte wurden uns zum Kauf angeboten. Wir entschieden uns für ein Burger mit Rindsfleisch. Der Geschmack des Fleisches war hervorragend. Genau die richtige Stärkung, um anschliessend den 700 Milchkühen die Melkmaschinen anzubringen.

Über uns

Katrin Müller aus Bern-Liebefeld und ihr Freund Simon Küng aus Sumiswald BE absolvieren auf der Linns Farm ein Praktikum. Beide haben die landwirtschaftliche Lehre abgeschlossen und studieren an der Berner Fachhochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) Agronomie. Das erste Semester des zweiten Studienjahres absolvieren sie an der Scotland Rual College (SRUC) in Edinburgh. Beide sind grosse Naturfreunde und arbeiten gerne mit Tieren.

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