Samstag, 2. Juli 2022
14.01.2022 13:59
Deutschland

Kollision mit dem Artenschutz

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Von: mgt/mge

Zwei Prozent der Fläche Deutschlands für Windräder nutzen und den Ausbau der Erneuerbaren Energien als überragendes öffentliches Interesse gesetzlich verankern: Diese erklärten Ziele von Robert Habeck, dem Deutschen Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, werden zu Kollisionen mit dem Artenschutz führen

«Im Einzelfall gibt es diese negative Beeinträchtigung. Aber man kann Artenschutz und den Ausbau von Erneuerbaren Energien sehr gut miteinander kombinieren, wenn man ein bisschen kreativ wird und anfängt, die technischen Möglichkeiten, aber auch die artenschutzrechtlichen Möglichkeiten zu nutzen», sagte Habeck dazu  in den ARD-Tagesthemen. Auch die Deutsche Wildtier Stiftung sei grundsätzlich für den Ausbau der Erneuerbaren Energien, schreibt sie in einer Medienmitteilung. «Aber die Förderung der Windenergie stellt eine Gefahr für zahlreiche Wildtiere dar», sagt Professor Dr. Klaus Hackländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Wildtier Stiftung.

Opfer von Windenergieanlagen

Allein in Deutschland fallen jedes Jahr rund 250’000 Fledermäuse und tausende Greifvögel den Windenergieanlagen zum Opfer. Zu den besonders gefährdeten Arten zählen etwa der Grosse Abendsegler – eine Fledermausart – und eine Vielzahl von Greifvögeln wie Rotmilan, Schrei-, See- und Steinadler oder der seltene Schwarzstorch. Dies belegt eine Studie des renommierten Biologen Dr. Klaus Richarz aus dem Jahr 2021, die die Deutsche Wildtier Stiftung in Auftrag gegeben hatte.

«Für besonders bedrohte Wildtierarten bedeuten die Verluste empfindliche Einbussen, die der Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung ganz offenkundig widersprechen», erklärt der Wildtierbiologe. Um die Biodiversität zu erhalten, fordert die Deutsche Wildtier Stiftung daher, beim Ausbau der Windkraft auf Anlagen in Schutzzonen rund um Horststandorte, im Wald und in der Nähe von Naturschutzgebieten zu verzichten.

«Habecks Behauptung und ist schlicht falsch»

«Die Behauptung Habecks, dass die Wildtiere auf den verbleibenden 98 Prozent der Fläche genug Platz haben, ist angesichts der immer rasant fortschreitenden Versiegelung der Böden, der Intensivierung der Landnutzung und der Zerschneidung durch Infrastruktur schlicht falsch», so Hackländer. Zur Zerschneidung tragen immer mehr auch Solarparks bei. Ihre Zunahme führt zu einer weiteren Fragmentierung der Landschaft.

«Umzäunte Solarparks schliessen zwar Fressfeinde der Bodenbrüter aus und können zum Beispiel für Rebhühner den Bruterfolg erhöhen. Aber wir wollen einen nachhaltigen Artenschutz, der nicht von Maschendrahtzäunen abhängig ist», sagt Professor Hackländer.

Nicht gegeneinander ausspielen

«Klimaschutz und Artenschutz sind die zwei wichtigsten Probleme unserer Zeit und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Der Biodiversitätsverlust ist eine grosse Bedrohung: Ist eine Art erst einmal ausgestorben, wird es sie nie wieder geben – mit nicht abschätzbaren Folgen für die Funktion unserer Ökosysteme», warnt Hackländer. Statt einseitig nur auf den Ausbau Erneuerbarer Energien zu setzen, fordert die Deutsche Wildtier Stiftung die deutsche Bundesregierung auf, die Steigerung der Energieeffizienz zu forcieren.

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