7.06.2018 08:13
Quelle: schweizerbauer.ch - lid/ber
Schweiz
Kompetenzzentrum Boden geplant
Die Idee eines Kompetenzzentrums Boden soll helfen, das qualitativ und insbesondere quantitativ bedrohte fruchtbare Kulturland in der Schweiz zu erhalten. Die zuständigen Behörden und Forschungsinstitutionen sind aufgefordert, die Umsetzung an die Hand zu nehmen. Der Schweizer Bauernverband unterstützt diese Idee.

Aktuell kann sich die Langwirtschaft nicht über zu wenig Beachtung beklagen. Der Pflanzenschutz, die Gewässerqualität, die Biodiversität oder die Tierhaltung, bewegen zurzeit die Öffentlichkeit und damit auch die Politik hierzulande. Aus Sicht der Bauernfamilien gibt es aber ein weiteres, mindestens ebenso wichtiges Themenfeld, das kaum Aufmerksamkeit erhält: Der Boden. Das landwirtschaftliche Kulturland sei gefährdet, schreibt der Landwirtschaftliche Informationsdienst in einer Mitteilung.

Dieses gilt als wichtigste nicht erneuerbare Produktionsgrundlage der Schweizer Landwirtschaft. Seit Messbeginn 1979 ist die Bauzone laut Arealstatistik um mehr als 2400 ha pro Jahr gewachsen. Dies entspricht rund 6.6 ha pro Tag. Durch Überbauung und Waldeinwuchs verliert die Landwirtschaft jährlich mehr als 3500 ha pro Jahr oder 1m2 pro Sekunde. Gebaut wird zudem oft dort, wo der Boden auch ideal für die landwirtschaftliche Produktion ist.

Keine Instanz seit 1996

Gleichzeitig ist die Landwirtschaft mehr denn je gefordert, die Qualität ihrer Böden zu erhalten. Bodenverdichtung, der Verlust organischer Substanz oder Erosion bringen das Risiko von Bodendegradation mit sich. Im schlimmsten Fall mit zusätzlichem Verlust. Bis heute wrden nicht ausreichende Bodendaten erhoben und verfügbar gemacht, um die wichtigsten anstehenden Herausforderungen in Bezug auf Ernährungssicherheit, Raumplanung und Klimawandel adäquat anzugehen.

Im Jahr 1996 wurde die einzige bundesweite Anlaufstelle für Bodenkartierung aufgehoben. Seither gibt es keine Instanz mehr, die Standards für eine gesamtschweizerisch einheitliche Bodendatenerhebung unterhält und aktualisiert. Es fehlt an einer nationalen Fachstelle, welche die aufkommenden Fragen bezüglich Bodennutzung und Bodenschutz beantworten kann.

Zahlreiche Herausforderungen

In diesem Frühling befassten sich die Fachkommission Pflanzenbau des Schweizer Bauernverbands und der Geschäftsbereich Energie & Umwelt intensiv mit dem Thema Boden und verfassten ein entsprechendes Positionspapier. Dieses schildert die zahlreichen Herausforderungen und unterstützt für die Bewältigung die Schaffung eines Kompetenzzentrums Boden, angegliedert an eine der bestehenden Forschungsinstitutionen. Das Parlament hat dazu bereits grünes Licht gegeben.

Das Kompetenzzentrum soll Bodeninformationen über die Kantone hinweg einheitlich erheben und so ein Monitoring aufbauen. Ebenso soll es die gewonnenen Informationen in verschiedenen laufenden Projekten sowie die Effekte von agrarpolitischen Massnahmen zusammentragen und für die Praxis aufbereiten. Das Positionspapier wurde Ende Mai den Bundesämtern für Umwelt, Landwirtschaft und Raumentwicklung sowie den bestehenden Forschungseinrichtungen zugestellt. Diese sind nun aufgefordert, die Umsetzung so rasch als möglich an die Hand zu nehmen!

Die Quantität und Qualität des Bodens für die landwirtschaftliche Produktion ist die Basis für die Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Lebensmitteln. Ebenso für eine naturnahe und nachhaltige Produktion. 


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