22.06.2017 08:50
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Waadt
«Léo» - der etwas andere Ochse
Als Léo sechs Monate alt war, ist er zusammen mit seinem Besitzer Gaëtan Dübler zu einer zweimonatigen Tour quer durch die ganze Schweiz aufgebrochen. Heute bietet Dübler Trekking-Touren und Bier-Transporte an.

Es mutet seltsam an, wenn Gaëtan Dübler am Bahnhof von Yverdon-les-Bains steht, und am Perron inmitten von Pendlern auf seine Gäste wartet. Zwangsläufig zieht er die Aufmerksamkeit aller auf den nächsten Zug wartenden Passagiere auf sich, als auch derjenigen, die aus dem Zug aussteigen.

Ein Hinterwälder-Ochse

«Wie heisst denn Ihre Kuh?» wird Dübler dabei oft gefragt. Seine Antwort: «Sie ist ein er, ein Ochse, er heisst Léo und er ist 18 Monate alt.» Auch auf dem Weg über den Bahnhofplatz, dann durch einen kleinen Park und schliesslich mitten in die historische Innenstadt wird er alle paar Meter von Passanten angehalten, die das aussergewöhnliche Bild fotografisch festhalten wollen.

Léo war ein erst ein Monat altes Hinterwälder-Stierkalb, als Gaëtan Dübler, der Journalismus studiert hat, aber im Kanton Freiburg in einem landwirtschaftlichen Umfeld aufgewachsen ist, ihn gekauft hat. Seither ist er sein treuer Begleiter. Auf einem selbstgebauten Sattel trägt er sein eigenes Heu auf dem Rücken, Wasser trinkt er jeweils aus Brunnen. In der Satteltasche befindet sich aber auch eine Kotschaufel, denn was für Hunde gilt, gilt grundsätzlich auch für Léo: Kot-Aufnahmepflicht. 

Quer durch die Schweiz

«Für Hinterwälder habe ich mich entschieden, weil diese robust sind, arbeitsam, und weil man sie leicht dressieren kann», erklärt Dübler. Auch Léo musste erst trainiert werden. Er musste lernen, beim geschäftigen Treiben in einer Stadt nicht zu erschrecken – selbst am Bahnhof ruhig zu bleiben, wo laufend Züge und Busse ein- und ausfahren.

Im Alter von sechs Monaten war Léo schliesslich so weit, dass Dübler zu einer Tour quer durch die ganze Schweiz aufbrechen konnte. Diese führte ihn dem Jakobsweg entlang von seinem Wohnort in Yverdon-les-Bains bis nach Rorschach am Bodensee. Es war im letzten Sommer, als Dübler insgesamt etwa 450 Kilometer zurückgelegt hat. Zwei Monate dauerte die Tour – zurück nach Yverdon liess er sich dann aber von einem Transporter fahren.

Trekkings...

Teile dieses Pilgerwegs, der bis ins spanische Santiago de Compostela führt, bietet er, soweit dieser in der Schweiz ist, immer noch für seine Trekking-Touren an, manchmal in Tagestouren rund um den nahegelegenen Chamblon-Hügel, manchmal aber auch vier- bis fünftägige Touren. Es geht sogar recht zügig voran, wenn Dübler die belebte Innenstadt von Yverdon mal hinter sich lassen konnte. «Sogar noch zügiger, als mit einem Esel», meint er.

Obschon er sich sorgfältig auf seine Touren vorbereitet, sich aus dem Internet Karten ausdruckt und mit Leuchtstift Routen markiert, muss er manchmal auch improvisieren. Namentlich, wenn der Weg über eine umzäunte Weide führt, wo andere Kühe weiden. Dieser muss er ausweichen, weil die Kühe ihm sonst womöglich folgen würden. Oft führt der Weg aber auch über asphaltierte Strassen. «Um die Klauen zu schonen, schütze ich sie mit Schuhen, wie man sie auch Pferden über die Hufe zieht», erklärt Dübler.

...und Bier liefern

Vom Ochsen-Trekking allein kann Dübler aber gleichwohl nicht leben. Deshalb nutzt er seinen Ochsen auch für Bier-Transporte – für eine lokale Brauerei aus Vallorbe. Léo mag aber nicht mehr als eine Kiste mit 24 Flaschen à 33 cl tragen, sodass er mitunter bis zu sechsmal laufen muss. An den Veranstaltungen, bei denen das Bier meist benötigt wird, sieht man aber nicht nur das Bier, sondern auch den ungewöhnlichen Lieferanten immer wieder gern.

www.lechemindecompostelleavecunboeuf.com

 

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