11.04.2019 18:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Letztes Kalb der Saison
Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, bloggt Esther Schneiter wieder auf www.schweizerbauer.ch. Nun aus ihrem Leben als Lehrerin und Landwirtin.

Auch bei uns hat es geschneit, viel sogar. So blieben die Tiere für vier Tage im Stall. Die ersten beiden Tage ging das sehr gut, alle waren ruhig und zufrieden. Doch dann wurde es wieder wärmer, die Sonne schien und das Muh-Konzert ging los. Man könnte jeweils meinen, sie hätten einen Spiess im Rücken.

Letztes Kalb der Saison – ein Kuhkalb

Verstärkt wurde die Unruhe noch von Sonntag auf Montag in der Nacht, als das letzte Kalb geboren wurde. Es ist ein kleines, niedliches und abenteuerlustiges Kuhkalb. Am Montagmorgen, als wir das Rind in den Warteraum trieben, machte das Kalb viermal Reissaus durch das Absperrgatter. Nach dreimaligem zurücksperren, liess ich es gewähren. Es kam mir vor wie in den Kinderbüchern, wenn die Jungtiere auf Entdeckungstour gehen und dann doch merken, dass es zu Hause am schönsten ist.

Zuerst marschierte es dem Fressgitter entlang zu den Rindern. Dort wurde es freundlich begrüsst und von allen beschnuppert. Irgendwann war jedoch das Heu interessanter und das Kalb blieb alleine in den Liegeboxen zurück. So kam es im Zickzack zurück zu den Kühen, welche nun nach dem Melken im Fressgitter fixiert waren. Tatsächlich fand das Kalb die Mutter und begann zu saugen. So brachte ich Mutter und Tochter zurück in die Abkalbebox, wo sich die Kleine bald hinlegte und alle vier Beinchen von sich streckte, als wäre sie todmüde.

Küken aus dem Kindergarten Bolligen

Auch im Hühnerstall hat es Nachwuchs gegeben, oder zumindest «Adoptivküken». Eine Freundin von mir arbeitet im Kindergarten Bolligen. Sie haben Eier ausgebrütet - vier Küken sind geschlüpft. Die Kinder haben sie Speedy, Kreisli, Pünktli und Mammut getauft. Nun sind sie bei uns unter der Wärmelampe am Wachsen und wir hoffen sehr, dass es mindestens drei Hennen gibt.

Rinder auf der Weide

Die Rinder haben wir am Dienstag ausgesiedelt. Wir haben die 24 grossen auf zwei Weiden verteilt, wo sie nun Tag und Nacht draussen sind. Hoffentlich kommt der am Wochenende gemeldete Schnee nicht mehr, denn eigentlich möchten wir sie erst wieder für die Impfung gegen Gämsblindheit einstallen. Auf unserer Alp Pfidertschegg gab es immer wieder Probleme mit dieser lästigen und ansteckenden Augenkrankheit. Seit der Impfung haben wir Ruhe.

Noch keine Arbeiten auf der Alp

Nach fünf Wochen mit vielen Stellvertretungen habe ich nun zwei Wochen Ferien. Die Lehrtochter Ariane ist drei Wochen nicht auf dem Betrieb und so helfe ich vermehrt draussen. Doch an Arbeiten auf der Pfidertschegg ist noch nicht zu denken.

Noch liegt zu viel Schnee und wir können die Alp nicht mit dem Auto erreichen. So bleibt auch Zeit für die Prüfungsvorbereitung. Im Mai und Juni habe ich Abschlussprüfungen als Landwirtin EFZ.

Spannende Stellvertretungen


Betreffend der Stellvertretungen am Inforama schaue ich auf eine schöne und sehr interessante Zeit zurück. Beispielsweise im Allgemeinbildungs-Unterricht bei den Gemüsegärtnern stellte ich mich kurz vor und erwähnte auch, dass wir einen Milchwirtschaftsbetrieb führen.

Schnell kam die Frage: „Rentiert Milchwirtschaft in der heutigen Zeit überhaupt noch?“ Ich glaube, dass diese Frage betriebsspezifisch zu beantworten ist. Bei uns in der Bergzone 1, mit einer eigenen Alp und Bio-Milch, rentiert es schon noch.

Abschaffung der Direktzahlungen thematisiert

Beim Thema Demokratie und Mitgestaltung habe ich mit der gleichen Klasse die verschiedenen Interessensgruppen thematisiert und angeschaut, wie man eigene Anliegen politisch gesehen deponieren kann. Sie konnten selber Gruppen bilden und dann eine Idee vertiefen, welche wir in einer Klassendiskussion behandelten. Die Themen waren sehr vielfältig; Klimapolitik, Asylfragen aber eben auch direkt zur Landwirtschaft.

Eine Gruppe thematisierte die Abschaffung der Direktzahlungen. Mit starken Argumenten begründeten sie, warum sie nicht länger abhängig sein wollen und wie man einen Mehrwert für die Produkte einholen könnte. Klar, man kann sagen, dass dies jugendliche Naivität ist. Und dass sie erst einmal selber wirtschaften sollen, bevor solche Forderungen stellen. Oder man kann mal kritisch darüber nachdenken, und sich wirklich fragen, ob es keine andere Möglichkeit gibt, um in der Landwirtschaft zu existieren, als mit den Bundesgeldern. 

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