4.03.2020 14:50
Quelle: schweizerbauer.ch - Julia Spahr
Sport
Liebe zu Langlauf und Landwirtschaft
Janik Riebli aus Giswil OW hat zwei Leidenschaften: Langlauf und Landwirtschaft. Damit er beide ausleben kann, hat er viel investiert. Dabei ist er an seine Grenzen gestossen. Jetzt ist er bereit für eine neue Herausforderung.

«Nach einem Rennen gehe ich sehr gern in den Stall. Ich bin dann zwar müde, aber es tut mir gut, etwas Nützliches zu tun und auch mal über etwas anderes nachzudenken als über Sport».

Lehre zum Landwirt

Der 21-jährige Janik Riebli sitzt in der Küche auf dem Betrieb seiner Eltern. Seine breiten Schultern und der definierte Oberkörper werden von einem engen Sport-Oberteil umspannt. Swiss-Ski steht darauf und die Namen grosser Sponsoren. Der junge Mann läuft seit einigen Monaten hauptberuflich  fürs Langlauf-B-Kader. Es ist Zufall, dass er bei seinen Eltern anzutreffen ist.

Hier ist er nur noch selten. Er lebt in Davos GR in einer WG und trainiert dort am Langlaufzentrum. In den vergangenen fünf Jahren war er aber noch seltener zu Hause. Er machte damals die Lehre zum Landwirt und arbeitete auf Betrieben in Davos und Klosters, daneben ging er am Plantahof zur Schule. Zudem trainierte noch intensiv.

An Grenzen gestossen 

«Das war eine sehr anstrengende Zeit», sagt Riebli heute. «Ich habe jeden Tag um die acht Stunden auf dem Hof gearbeitet. Dann musste ich noch zwei Stunden lang trainieren gehen», sagt er. «Also ich meine, ich durfte trainieren», fügt er an. Und unterstreicht damit seine bescheidene, dankbare Haltung. 

Wenn er einmal frei hatte, lernte er. Das war meist spät am Abend. «Das erste und das zweite Lehrjahr hat mir sehr viel abverlangt. Es war zu viel. Mein Körper hat sich plötzlich gewehrt. Ich bin zwei Mal während eines Rennens ohnmächtig geworden.» Darauf kam ihm sein Lehrmeister noch mehr entgegen. Er durfte fast jeden Morgen frei nehmen für das Training und musste auch selten mehr am Morgen in den Stall.

Aufgeben kam nicht in Frage

«Ich bin meinem Umfeld sehr dankbar. Ohne meine Lehrmeister und das Verständnis der Leute am Plantahof, die für meine Spezialbedingungen beim Bildungsamt Anträge stellen mussten, hätte ich das nicht machen können», sagt er.

«Und natürlich musste ich wirklich einen extremen Willen haben. Aufgeben kam nicht in Frage.» Er habe einerseits sein Umfeld nicht enttäuschen wollen. Andererseits habe er gewusst, dass es ein Riesenprivileg sei, in den Spitzensport einsteigen zu können.

Betriebsübernahme

Die Lehre zum Landwirt wollte er aber unbedingt abschliessen. «Für mich war schon immer klar, dass ich Bauer werden wollte», sagt er. Und ich bin sehr froh, dass ich nach meiner Karriere als Sportler einen Beruf haben werde, der mich erfüllt. Ob er dann den Bio-Milch und -Geflügelmast-Betrieb seiner Eltern übernehmen wird, ist noch offen. Er hat eine Schwester und zwei Brüder und es wird sich zeigen, was deren Pläne sind.

«Meine Eltern sind zum Glück noch jung und werden den Betrieb voraussichtlich in den nächsten zehn Jahren führen.» Selbst wenn er ihn also übernehmen würde, hätte er noch Zeit, seine Karriere als Sportler zu verfolgen. «Vielleicht übernehme ich auch einmal einen Betrieb in Davos, aber wie gesagt: Da ist noch offen», sagt er. 

15 und 30 Stunden pro Woche

Jetzt gehts erst erst mal so richtig ums Langlaufen. Er hat als 12-Jähriger damit angefangen. Sein Bekannter hat ihn mitgenommen zum Biathlon. Das habe Spass gemacht und er hätte Talent gezeigt. Schiessen konnte er allerdings nicht so gut. «Ich war aber so schnell im Langlaufen, dass ich die Biathlon-Rennen trotz der schwachen Schiessleistung jeweils gewann», erzählt er. So kam es, dass er entschied, ganz auf Langlauf zu setzen. 

Nach der Lehre hat er nun Zeit, sich ganz dem Sport zu widmen: Er trainiert zwischen 15 und 30 Stunden pro Woche und bereitet sich auf die Rennern vor. Ruhepausen dürfen nämlich auch nicht zu kurz kommen. Das war gerade in der Lehre ein Problem. «Ich musste ja arbeiten, und zwar körperlich. So kam ich selten zur Ruhe. Dafür habe ich sicher unterm Strich mehr trainiert als meine Kollegen, die auf dem Papier zwar 200 Trainingsstunden pro Jahr mehr hatten. Ich habe dafür noch etwa 1500 Stunden  gearbeitet.»

Landwirtschaft bringt Ruhe

Auch heute schaut er, dass er seine Verbindung zur Landwirtschaft aufrechterhalten kann. Er sehe sich auch etwas als Botschafter der Landwirtschaft in einer Welt, die sehr weit weg davon ist. «Manchmal kommt von den Kollegen schon ein blöder Spruch. Wann ich die Direktzahlungen abholen gehen könne, zum Beispiel: Dann erkläre ich gern, was Bauern alles leisten, um diese Direktzahlungen zu verdienen.» Zudem sei ihm das Bauern wichtig.

«Wenn ich Bäume schneiden oder den Stall misten gehe, sehe ich sofort, was ich geleistet habe. Beim Training muss ich einfach dran glauben, dass meine Lauf-Touren etwas bringen. Zudem erdet mich die Landwirtschaft und ich finde es immer schön, wenn ich auf einem Lehrbetrieb oder auch zu Hause in den Stall gehen kann und dort auf eine ganz spezielle Art zur Ruhe kommen und die Nervosität vor den nächsten Rennen vergessen kann.»

Rieblis Leistungen

Anfang dieses Jahr belegte er am  World Cup in Dresden den 38. Platz, Am World Cup in Planica wurde er Ende 2019 43.; im Dezember 2019 kam er am World Cup in Davos auf den 63. Platz, ein Jahr davor war er in Davos am World Cup 64. 2018 wurde er an den FIS Junior World Ski Championships im Goms 11. 

Laut Riebli ist ein Ausdauersportler mit Mitte 20 am erfolgreichsten. Wenn er davor genug Trainingsstunden mache, stehe einer guten Karriere nichts im Weg, so Riebli. Er wolle jetzt alles geben und so viel wie möglich erreichen, damit er später, etwa mit 30, auf gute Resultate zurückblicken und sich getrost der Landwirtschaft widmen könne. jul


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