22.05.2018 16:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Liebesnacht mit Folgen
Esther Schneiter ist zurück auf schweizerbauer.ch. Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, wird Esther Schneiter in den kommenden Monaten wieder aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende berichten.

Am vergangenen Dienstag war Töbu mit drei Kühen am Schlachtviehmarkt in Thun. Dies ist eher ungewöhnlich für uns, da wir die Kühe meist als Zucht- und Nutztiere verkaufen, und nicht als Schlachtvieh. Noch verrückter ist die Tatsache, dass es alles erstlaktierende Kühe sind.

Rechnungen nicht mit Steinen begleichen

Wahrscheinlich hätten wir für alle drei Kühe mit beträchtlichem Aufwand durch den Tierarzt Lösungen für ihre Probleme gefunden. Doch wenn das Schlachtvieh so teuer gehandelt wird, rechnet sich dies nie. Und als Landwirt ist das Rechnen von zentraler Bedeutung geworden, denn täglich flattern Rechnungen ins Haus, die wir nicht mit Steinen bezahlen können. Schlussendlich wurden die drei Kühe zusammen für 7998.80 Franken versteigert, rund 1500 Franken über der Schatzung. Das ist ein sehr guter Erlös.

Am Dienstagabend machten wir einen Ausflug nach Mittelhäusern, hinten auf dem Anhänger der Mischwagen. Da er für uns zu klein ist, hat ihn Töbu via ricardo.ch verkauft. Einen neuen haben wir noch nicht. Es eilt auch noch nicht, wir brauchen einen Mischwagen erst ab September oder Oktober wieder.

Endlich: Irina bringt ihr Kalb zur Welt

Vor mehr als einem Jahr, Anfang April 2017, deckten wir Irina via KB. Laut der Fertalys-Analyse von der Milchkontrolle war sie trächtig. So stellten wir sie im November trocken, schliesslich sollte um den Jahreswechsel das Kalb zur Welt kommen. Doch dem war nicht so, Ende Januar war der Tierarzt im Stall und Irina hatte immer noch nicht gekalbt. Wir liessen sie untersuchen mit dem Ergebnis, dass sie trächtig sei, das Kalb aber noch klein sei. Nach langem rätseln fiel uns ein, dass wohl der Mastmuni, welcher Ende November 2016 zur Welt kam, im vergangenen August, kurz vor der Alpabfahrt, eine heimliche Liebesnacht genoss. 

Der Muni hat nicht nur ein Schäferstündchen mit Irina, sondern auch mit Fee. Auf das Abkalben warten wir sehnlichst. Langsam bildet sie das Euter und die Bänder werden schlaff. Wie auch immer, wir sind froh, dass die Kühe trächtig sind. Irina bekam ein gesundes Stierkalb. Die beiden, Kuh und Kalb, haben wir verkauft. Das Stierkalb muss, so ist dies wegen dem Immunsystem geregelt, aber noch bis zum 21. Lebenstag auf unserem Betrieb bleiben. 

Startklar für den Alpsommer

Am Samstag begaben sich Töbu, Onkel Kurt vom Stöckli und ich auf die Pfidere. Die zwei Männer wollten das letzte und anstrengendste Stück Zaun errichten. Rund 100 Höhemeter in sehr steilem Gelände waren zu bewältigen. Ich hielt mich in der Hütte still und widmete mich den bevorstehenden Tests und der Hofprüfung. Da das Ende des Schuljahres nähert, schreiben wir am Inforama noch in allen Fächern Tests. Im Pflanzenbau sind es gar drei, plus die Abgabe des Herbars.

Hie und da ist ein Vogelzwitschern und in der Ferne einige Treicheln zu hören. Ich geniesse die Stille zum Lernen und schätze es, dass ich mich nicht durchs Internet ablenken lassen kann. Ich muss aber auch Gas geben beim Zusammenfassungen schreiben, denn der Laptop hat nicht unendlich lange Akku. Und nur um diesen aufzuladen, will ich den Generator nicht starten. 

Alp startklar

Pünktlich vor dem nächsten Gewitter sind sie Männer zurück. Somit ist das letzte Stück Zaun erstellt und die Pfidertschegg ist startklar für den bevorstehenden Alpsommer. Es fehlen noch einige Materialien vom Tal, wie Salz und Mineralstoff, die Tränkeeimer für die Kälber, die Aggregate zum Melken, der Milchtank und so weiter. Mit den Kühen werden wir am kommenden Freitag auffahren. 

Brunch auf dem Stockhorn

Mit der Hofprüfung, der Alpauffahrt, dem vorhergesagten Heuerwetter und den vielen Tests am Inforama steht eine strenge Woche bevor. Während Töbu zu Hause alles managen muss, und Landwirt zu sein ist wirklich ein Manager-Job, bin ich auf mehreren Schauplätzen tätig. 

Was schlussendlich anstrengender ist, weiss ich nicht und ist auch egal. Wichtig ist, dass wir mit vollem Akku in die Woche starten können. So lösen wir am Sonntag einen Gutschein ein, den wir zu unserer Hochzeit geschenkt bekamen und geniessen einen herrlichen Brunch auf dem Stockhorn.

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