8.05.2020 07:56
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Coronavirus
Lockerung mit Abstand und Daten
Wenn am Montag weitere Geschäfte, die Restaurants, Schulen, Bibliotheken und Museen wieder öffnen, tun sie es mit strengen Schutzmassnahmen. Generell gilt eine Zulassungsbeschränkung, denn die Personenzahl pro Fläche ist begrenzt. Im Restaurant muss man die Adresse hinterlassen.

In Detailhandelsgeschäften jeglicher Art darf sich lediglich eine Person pro zehn Quadratmeter aufhalten - inklusive Personal, wie das Bundesamt für Gesundheit im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie festlegte. Im Geschäft sind zwei Meter Abstand einzuhalten. Darüber hinaus bieten Geschäfte am Eingang Handdesinfektionsmittel an.

Jede Branche steigt mit einem auf sie angepassten Schutzkonzept in die Lockerung der Coronavirus-Massnahmen. Für die Mode-, Schuh- und Sportartikelbranche verfassten es die Verbände Sportfachhandel Schweiz (Asmas), Verband Textilschweiz sowie und das Netzwerk Swiss Fashion Stores.

Kleider nicht ansteckend

Demnach sollen sich Kundinnen und Kunden beim Eingang die Hände desinfizieren. Oberflächen werden regelmässig gereinigt, Wasserspender und Prospekte abgeräumt. Wie bereits von den Grossverteilern bekannt, werden Distanzstreifen sowie etwa Plexiglaswände an den Kassen angebracht.

Weil das Coronavirus hauptsächlich als Tröpfcheninfektion übertragen wird, erübrigt sich gemäss dem Konzept das Desinfizieren von Kleidern nach dem Anprobieren. Kleider gelten allgemein nicht als Trägermaterial des Coronavirus.

Vor den Umkleidekabinen soll der Kundschaft eine zusätzliche Handdesinfektion angeboten werden. Die Schuhgeschäfte sollen die Probiersocken nur einmal einsetzen und hinterher waschen.

Das Warenhaus Globus desinfiziert in seinen Modeabteilungen alle Umkleidekabinen nach jeder Anprobe. Zudem verteilt es Schutzmasken auf Wunsch.

Für andere Geschäfte steht das Muster-Schutzkonzept des Verbands Swiss Retail Federation zur Verfügung. Es empfiehlt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf Wunsch eine Schutzmaske abzugeben. Solche persönlichen Schutzmassnahmen sollten aber erst zum Einsatz kommen, wenn der Schutz nicht anders möglich ist.

Mit Kontaktdaten in die Beiz

Der Restaurantbesuch verläuft ab dem 11. Mai alles andere als «normal». Wer etwas essen oder trinken will, muss seine Kontaktdaten angeben, wie die Branchenverbände Gastro- und Hotelleriesuisse festlegte. Die Wirte müssen diese zwei Wochen aufbewahren, um den Weg einer Infektion nachvollziehbar zu machen. Nachher sind die Daten zu vernichten. Auch erfassen müssen die Gastronomen, welche Tische eine Servicekraft bediente.

Die Eingänge werden mit Hygienestationen bestückt. Gäste dürfen maximal zu viert oder als Familie an einem Tisch sitzen - und Sitzen ist Pflicht. Ohne Trennwände und auf den Toiletten gilt die Abstandspflicht von zwei Metern. Die Wirte müssen also Tische wegräumen und gegebenenfalls einzelne Pissoirs dem Gebrauch entziehen.

Menukarten, Tabletts und Tischgewürze werden nach jedem Gast gereinigt oder desinfiziert. Zeitungen und Zeitschriften gibt es nicht, da sie durch mehrere Hände gehen. Livemusik und Beizensport wie Darts sind verboten. Wenn in Küche oder Gastraum der Abstand bei der Arbeit nicht einzuhalten ist, empfehlen die Verbände dem Personal Hygienemasken.

Flickenteppich bei Schulöffnung

Bei der Öffnung der obligatorischen Schulen am 11. Mai herrscht föderalistischer Wildwuchs. Dabei ist die Zurückhaltung in der stärker von der Pandemie betroffenen Westschweiz ausgeprägter als in der Deutschschweiz. Die meisten Westschweizer Kantone beginnen mit Halbklassen.

Auch grosse Deutschschweizer Kantone wie Bern und Zürich setzen auf dieses System, Bern allerdings zum Einüben der Hygienemassnahmen nur für zwei Tage. Im Tessin geschieht die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts unter strengen Schutzmassnahmen.

Die Kantone in der Zentralschweiz, die Ostschweizer und die Nordwestschweizer Kantone legen hingegen gleich mit Vollklassen los. Lager, Schulreisen oder klassenübergreifende Veranstaltungen fallen aus.

Mit Abstand in Bibliothek und Museum

Bibliotheken und Museen setzen neben der Hygiene primär auf den Abstand zwischen den Menschen. Bei den Museen gilt die 10-Quadratmeter-Regel pro Person. In den Bibliotheken muss insbesondere in den Lesesälen das Abstandsprinzip beachtet werden.

Der Bibliotheksverband Bibliosuisse hält fest, dass Zeitungen und Zeitschriften aus dem Angebot zu entfernen sind. Nachschlagewerke hingegen bleiben zugänglich. Bibliosuisse merkt an, auch in Lebensmittelgeschäften würden Produkte in die Regale zurückgestellt.

Generell aber gilt: «Der direkte Kontakt mit Büchern ist unbedenklich», wie es der Berner Buchhändler Daniel Stehelin gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf den Punkt brachte.

Der Verband der Museen der Schweiz (VMS) hält in seinem Grobkonzept fest, dass der Schutz der Sammlung und des Museums selbst gewährleistet sein muss. So dürfen nicht einfach Bänder zum Abstandhalten auf ein historisches Parkett geklebt werden.

Gegenstände, die berührt werden - etwa Touch-Screens oder Objekte - sollten abgesperrt oder weggeräumt werden, wenn sie nicht nach jeder Berührung desinfiziert werden. Die Besucherführung geschieht im Einbahnsystem. Die Archive verlangen eine Voranmeldung und -bestellung.


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