31.03.2015 07:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Biologie
Mal mehr Jungen, mal mehr Mädchen
Schwangere können sich mit etwas höherer Wahrscheinlichkeit auf einen Jungen freuen als auf ein Mädchen. Doch das Geschlechterverhältnis ändert sich in verschiedenen Phasen der Schwangerschaft mehrmals.

Weltweit werden geringfügig mehr Jungen als Mädchen geboren. Zum Zeitpunkt der Empfängnis ist das Verhältnis der Geschlechter allerdings gleich, berichten Forscher aus Grossbritannien und den USA in den «Proceedings» der US-Nationalen Akademie der Wissenschaft («PNAS»).

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Das Ungleichgewicht zum Zeitpunkt der Geburt beruht demnach darauf, dass im Verlauf der Schwangerschaft insgesamt mehr Mädchen sterben als Jungen. Dass das Geschlechterverhältnis bei der Geburt nicht gleich ist, ist lange bekannt. Das Verhältnis beträgt ungefähr 51 Prozent Buben zu 49 Prozent Mädchen.

Viele Experten gingen davon aus, dass bereits bei der Empfängnis die Jungen die Nase vorn haben - also mehr Schwangerschaften mit Jungen entstehen als mit Mädchen. Eindeutig wissenschaftlich erwiesen sei das aber nicht, schreiben die Forscher um Steven Hecht Orzack vom Fresh Pond Research Institute in Cambridge.

Mehr Mädchen sterben

Sie werteten zahlreiche Datenquellen aus, die etwas über das Geschlecht der Babys verrieten - zum Beispiel Daten zu Fehlgeburten, Abtreibungen oder Embryos bei künstlichen Befruchtungen, aber auch aus vorgeburtlichen Untersuchungen sowie die Geburtenstatistiken der USA. So erhielten sie Einblick in die Geschlechterverteilung vom 3. Tag nach der Empfängnis bis zur Geburt.

Die Auswertung ergab, dass zunächst genauso viele männliche wie weibliche Schwangerschaften entstehen. Allerdings seien mehr männliche Embryos genetisch auffällig, so dass in der ersten Woche nach der Befruchtung mehr männliche Embryos abgehen. In den nächsten 10 bis 15 Wochen übersteige dann jedoch die Zahl der weiblichen Abgänge die der männlichen, bis gegen Ende der Schwangerschaft wieder mehr Jungen stürben als Mädchen. Zusammengenommen überleben demnach mehr männliche Embryos die gesamte Schwangerschaft, was zu der leicht höheren männlichen Geburtenrate führe.

Späte Fehlgeburten

Bereits 2014 hatten Forscher um Fiona Mathews von der Universität Exeter berichtet, dass späte Fehlgeburten bei Jungen häufiger vorkommen als bei Mädchen. Das Risiko sei rund zehn Prozent höher, berichteten sie damals im Fachjournal «BMC Medicine». Sie hatten mehr als 30 Millionen Geburten weltweit in ihre Analyse einbezogen.

Allerdings scheinen Umweltbedingungen das Geschlechterverhältnis zu beeinflussen. So kamen US-Wissenschaftler 2013 zu dem Ergebnis, dass in Hungerphasen mehr Mädchen als Jungen geboren werden. Sie hatten die Daten von Neugeborenen analysiert, die während und nach der grossen Hungersnot in China zwischen 1959 und 1961 zur Welt kamen.

Vorherige Studien zu den Auswirkungen anderer Hungersnöte hatten ähnliche Ergebnisse geliefert. Warum in schlechten Zeiten mehr Mädchen geboren werden, sei unklar, schrieben die Forscher. Es gebe aber die Theorie, dass weibliche Ungeborene «anspruchsloser» sind.

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