11.09.2015 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Biologie
Menschen auf Faulheit geeicht
Der Mensch ist gewissermassen auf Faulheit geeicht. Wie eine neue Studie zeigt, versucht sich sein Körper mit dem geringsten Energieaufwand fortzubewegen

Was Couch-Potatoes immer schon ahnten, zeigen kanadische Forscher im Fachjournal «Current Biology». Auf neue, ungewohnte Bewegungen stellt sich demnach das Nervensystem zügig ein - und wählt die Variante mit dem niedrigsten Kalorienverbrauch.

Smart und faul

«Man muss schlau sein, um so faul zu sein», bilanzierte Forscherin Jessica Selinger von der Simon-Fraser-Universität in Burnaby. Sie liess zusammen mit ihren Kollegen eine Reihe von Probanden auf einem Laufband gehen. Dabei wurden die Bewegungsabläufe gefilmt und der Kalorienverbrauch gemessen. Jeder Mensch bewegt sich dabei nach einem eigenen Muster, das für ihn persönlich den geringsten Energieaufwand bedeutet.

Dann steckten die Forscher ihre Probanden in spezielle Beinschienen, um sie aus ihrer präferierten Gangart zu zwingen. Dadurch mussten sie Frequenz und Länge ihrer Schritte ändern. Schon nach wenigen Minuten hatten die Testgeher sich angepasst und unter den neuen Bedingungen einen persönlichen Energiesparmodus gefunden - selbst wenn die eingesparten Kalorien sehr gering waren.

Optimale Kombinationen

Menschen könnten ohne weiteres ihre in Millionen von Schritten geübte Gangart verändern, um relativ kleine Mengen Energie zu sparen, betonte Selinger. «Den Energieverbrauch so schnell und exakt wahrzunehmen und dann zu optimieren, ist ein eindrucksvolles Kunststück unseres Nervensystems.» Das heisst in der Konsequenz: Der benötigte Energieaufwand ist nicht nur schlicht Folge der Bewegung - sondern umgekehrt auch ausschlaggebend dafür, diese Bewegung anzupassen und dadurch Kraft zu sparen.

Als nächstes will das Team deshalb der Frage nachgehen, wie der menschliche Körper den Energieverbrauch genau misst und mit den einzelnen Facetten der Bewegungsabläufe in Zusammenhang bringt. «Zum Gehen müssen buchstäblich Zehntausende muskuläre Bewegungseinheiten koordiniert werden», sagte Co-Autor Max Donelan. «Wie sind wir in der Lage, die optimalen Kombinationen so dermassen schnell zu finden?»

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