26.05.2013 10:53
Quelle: schweizerbauer.ch -
Aargau
Milliardär stellt Bauer auf die Strasse
Der aargauischen Bauernfamilie Gutknecht droht nach einem Streit um Pacht und Hof die Zwangsräumung. Der Eigentümer Willi Liebherr, Milliardär und Baumaschinenhersteller, hat ihnen gemäss «Schweiz am Sonntag» die Pacht ihres Hofes in Nussbaumen AG gekündigt.

Um was geht es bei der Auseinandersetzung zwischen dem Milliardär und dem Bauer? Gutknecht sagt zur «Schweiz am Sonntag»: «25 Jahre habe ich den Hof ausgebaut, Tag und Nacht geschuftet und immer meinen Pachtzins bezahlt. Jetzt wirft mich der Besitzer raus und stellt meine Familie auf die Strasse.» Sein Pachtvertrag läuft definitiv Ende September 2013 aus. Zuvor hat man ihm eine dreijährige Fristerstreckung gewährt und die Möglichkeit, den Hof für 1,35 Millionen Franken zu kaufen. «Ich habe eine halbe Million Franken in den Hof gesteckt. Aber dieses Geld will mir der Besitzer beim Kauf nicht anrechnen. Von der Bank erhalte ich so keinen Kredit», zitiert die «Schweiz am Sonntag» Gutknecht.

6,5 Milliarden Vermögen

Beim Umzug der aus Deutschland stammenden Familile Liebherr in die Schweiz hat die Familie einst viel Land in Nussbaumen erworben. Dazu gehört auch der Bauernhof, den man mit zwei Verträgen an die Brüder Gutknecht verpachtet.

Laut der «Bilanz» beläuft sich das Vermögen der Familie Liebherr auf rund 6,5 Milliarden Franken. Zusammen mit seiner Schwester leitet Willi Liebherr als Verwaltungsratspräsident von Nussbaumen aus die gleichnamige Firma, zu der Baumaschinen, Kühlschränke und Hotels gehören. Weltweit arbeiten über 37 000 Mitarbeiter für den Unternehmer.

Keine Schuld bewusst

Liebherr, der nur einen Steinwurf entfernt vom Bauer in einer Villa mit kleinem Rebberg wohnt, weist die Vorwürfe seines Pächters zurück und ist sich keiner Schuld bewusst. In seinem Antwortschreiben an Bauer Gutknecht kommt der Firmenchef zur Sache. Zu der halben Million an Investitionen, die Gutknecht in den Ausbau des Hofes gesteckt hat, steht: «(…) Für die getätigten Arbeiten konnten Sie das Grundstück auch lange nutzen. Wenn sich solche Investitionen nicht für Sie gerechnet haben, kann nicht ich verantwortlich gemacht werden.» Immerhin drückt Liebherr die Hoffnung aus, dass sich die Investitionsfrage gemeinsam klären lässt.

Gar kein Verständnis hat Liebherr, dass ihm der Bauer vorwirft, ihn auf die Strasse zu stellen und er noch keinen neuen Hof gefunden habe. «Für die Schwierigkeiten in der Landwirtschaft kann ich nichts dafür. Auch kann ich nicht für Sie entscheiden, ob Sie in der Landwirtschaft oder in einer anderen Branche tätig sein wollen. Ihnen stehen beide Möglichkeiten offen», so Liebherr. Wenigstens drückt er im Schreiben noch sein Bedauern aus, dass die Pacht im Herbst 2013 endet und der Auszug bevorsteht.

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