14.09.2017 13:24
Quelle: schweizerbauer.ch - Max Hugelshofer, Schweizer Berghilfe
Graubünden
Mit 18 schon einen eigenen Hof
Dass er einmal Bergbauer werden würde, war für Linard Tschenett schon als Kind klar. Dass es so schnell gehen würde, hätte er dann aber doch nicht gedacht: Bereits mit 18 Jahren hatte er seinen eigenen Betrieb. Auslöser war ein tragischer Unfall. Linard und sein Vater Beat erinnern sich.

Beat Tschenett: Jon war ein guter Freund. Wir beide waren die einzigen verbliebenen Milchbauern im Dorf, und wir haben uns immer gegenseitig ausgeholfen. Im Sommer brachten wir unsere Kühe auf die gleiche Alp. Und dann geschah der tragische Unfall. Jon erstickte am Gas der Gülle.

Linard Tschenett:
Ich war damals 18 und im zweiten Lehrjahr in Malans. Als mich die Eltern anriefen und mir vom Unfall berichteten, war ich sprachlos. Erst recht, als sie mir sagten, dass Jons Nachkommen den Hof am liebsten an mich verkaufen wollten. Alles musste schnell gehen, und so traf ich die Entscheidung für meine berufliche Zukunft halt schon etwas früher als geplant. Das Problem: Ich hatte natürlich kein Erspartes. Nichts. Und weil ich meine Ausbildung noch nicht abgeschlossen hatte, war ich auch nicht berechtigt, Direktzahlungen zu erhalten. Zum Glück haben mich meine Eltern voll unterstützt.

Beat: Zuerst pachtete ich den Hof auf meinen Namen. Das blieb so, bis Linard die Lehre fertig hatte, dann kaufte er ihn. Er bekam die übliche Starthilfe des Kantons in Form von Investitionskrediten. Den Rest des benötigten Geldes konnten wir innerhalb der Familie zusammenkratzen. Alle haben mit zinslosen Darlehen mitgeholfen.

Linard:
Jetzt hatte ich zwar eine Menge Schulden, aber auch einen eigenen Hof. Das war ein schönes, aber auch ein sehr komisches Gefühl. Bap und ich gründeten eine Generationengemeinschaft, weil wir sowieso die meisten Arbeiten gemeinsam machen. Weil die Höfe vorher getrennt bewirtschaftet wurden, lief vieles doppelt. Wir beschlossen deshalb, dass wir künftig nur noch an einem Ort melken wollen. Und zwar auf meinem Betrieb, der direkt im Dorf liegt. Da ist es auch viel weniger aufwändig, die Milch abzuliefern. Doch das bedeutete Investitionen. Und Geld hatten wir alle kaum mehr. Zum Glück war da die Schweizer Berghilfe.

Beat: Ja, ohne Berghilfe wären wir regelrecht am Berg gestanden. So aber kann Linard seinen Stall im Dorf unten ausbauen. Dort kommen im Herbst dann die Milchkühe rein, und bei uns oben, im 150 Meter höher gelegenen Weiler Pütschai, ist das Jungvieh zu Hause. Auf diese Weise sparen wir beide täglich mehrere Stunden Arbeit ein. Das ist besonders wichtig, weil ich mit meinen 55 Jahren je länger je mehr Probleme mit perlichen Arbeiten zwangsweise etwas kürzer treten muss. Dank der Effizienzsteigerung, die der neue Stall bringt, wird Linard Zeit bekommen, mir viele Arbeiten abzunehmen.

Linard: Aber zuerst wird es jetzt nochmals richtig streng. Die gröbsten Bauarbeiten haben wir bereits geschafft, doch es gibt immer noch viel zu tun. Bis im September müssen wir fertig sein. Dann kommen die Kühe von der Alp. Und die können sich auf ihr neues Zuhause freuen. Der neue Stall wird viel tierfreundlicher als der alte.

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