19.02.2020 14:15
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Aargau
Mit dem Elektro-Reform an die Demo
Am kommenden Samstag organisiert das Bündnis «Landwirtschaft mit Zukunft» in Bern eine Demo. Mit dabei ist auch Bio-Landwirt Guido Winterberg aus Sarmenstorf AG. Er reist mit seinem umgebauten Reform Zweiachsmäher an.

Auf der Berner Schützenmatte, in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof Bern, startet am kommenden Samstag um 14 Uhr die Demo «Essen ist politisch!».

Landwirtschaft wird zerrieben

Bei den Organisatoren handelt es sich um ein Bündnis von Vertreterinnen der Land- und Ernährungswirtschaft, von Bürgern, Konsumentinnen, Jugendlichen und Umweltschutzorganisationen. Von Seiten der Landwirtschaft nehmen Bio Suisse, die Bauerngewerkschaft Uniterre und die Kleinbauern-Vereinigung teil.

Aus der Sicht der Organisatoren wird die bäuerliche Landwirtschaft zwischen den Ansprüchen nach mehr Markt, Freihandel und Unternehmertum und immer höheren Anforderungen an Nachhaltigkeit und Tierwohl zerrieben. Bauern könnten heute nicht mehr von Produktion der Lebensmittel leben.

Pionier

Thematisiert werden von den Organisatoren auch die Emissionen der Landwirtschaft. Hier habe die Landwirtschaft grossen Chancen, einen wichtigen Beitrag zur Senkung zu leisten und zu profitieren, beispielsweise durch die Speicherung von Kohlenstoff im Boden.

Dies ist auch ein Grund für Landwirt Guido Winterberg, an der Demo in Bern teilzunehmen. Er ist nach eigenen Angaben ein Pionier in Sachen Elektrofahrzeugen in der Landwirtschaft. Der Meisterlandwirt bewirtschaftet den Erushof in der Gemeinde Sarmenstorf AG. Seit 1995 wird auf dem Betrieb nach Knospe-Richtlinien produziert. 

Pferde, Mutterkühe und Ackerbau

Seit dem Neubau des Pferdestalles mit gedecktem Bewegungsplatz im Jahr 2005 ist die Pferdehaltung mit Pensionspferden zu einem wichtigen Betriebszweig geworden. Zweites Standbein ist die Mutterkuhherde mit 10 bis 12 Angus- und «Original Braunen»-Tieren. Ein Teil der Natura-Beef Jungrinder wird im Direktverkauf abgesetzt. Insgesamt bewirtschaftet Winterberg 25 ha Land, davon 10 ha Ackerland, 15 ha sind Wiesland. Auf dem Ackerland baut er Dinkel, Weizen, Triticale, Raps, Lein und Hirse an.

Winterberg hat sich insbesondere auch dem nachhaltigen Betrieb von Fahrzeugen verschrieben. Für ihn war sofort klar, dass er nach Bern an die Demo reisen wird – und das ohne Erdöl. «Wie komme ich mit dem umgebauten Reform am schnellsten von Bettwil nach Bern», war die grosse Frage auf dem Erushof.

Unabhängig von externen Energieträgern machen

Das grosse Ziel des Biolandwirts: Den Betrieb unabhängig von externen Energieträgern und vor allem Erdöl zu machen. Die Dächer der Reithalle und der Ställe, die 2010 uns 2012 gebaut wurden, sind von Fotovoltaikanlagen ausgerüstet. Pro Jahr werden damit ungefähr 360'000 kWh elektrische Energie produziert, womit über 120 Haushalte versorgt werden können. Die Heisswasserversorgung wird mit Sonnenenergie oder im Winter durch das Heizen mit Holz sichergestellt.

Hoflader und Reform umgerüstet

Auch bei seinen Fahrzeugen hat Winterberg getüftelt. Den Weidemann Hoflader mit Baujahr 2016 hat er umgerüstet. Diesen setzt er beim Misten ein, aber auch bei Transporten von Stroh- und Heuballen. 

Den Reform 3003S mit Baujahr 1989 hat Winterberg gemäss Angaben auf der Website in Zusammenarbeit mit Wepfer in Andelfingen ZH im vergangenen Jahr umgebaut. Eine leistungsstarke Batterie sorge für genügend Energie an den langen Arbeitstagen während der Heusaison. Der Zweiachsmäher wird ergänzt durch ein elektrisches Mähwerk, einen elektrischen Heuschwader und einen Schleppschlauchverteiler für das Güllen.

Landwirte aufmerksam machen

Mit diesem «Elektro-Reform» will Biolandwirt Guido Winterberg die Fahrt in die Bundeshauptstadt antreten. Er rechnet bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 25 km/h mit einer Fahrzeit von rund 4 Stunden. Sein Ziel ist es, die Bevölkerung, wie auch die Landwirtinnen und Landwirte auf die Thematik aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass man bereits jetzt etwas machen kann. 

Und Winterberg hat noch weitere Projekte, die er realisieren möchte. «Ich möchte gerne den ersten elektrisch betriebenen Traktorhaben und eine kleine Windanlage auf dem Lindenberg erstellen. Das wäre auch noch schön», sagt er mit einem Schmunzeln.

-> Die Website vom Erushof findet Ihr hier

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