1.03.2019 10:06
Quelle: schweizerbauer.ch - ats
Umweltschutz
Naturschützer machen nicht mit
Pro Natura, Birdlife, WWF und Landschaftschutz Schweiz werden beim neuen Verein Zukunft Drei-Seen-Land nicht dabei sein, schreiben die «Freiburger Nachrichten». Weil der Verein staatspolitisch organisiert sei, hätten sie gar kein Stimmrecht. Die Naturschützer wollen nun eigene Visionen ausarbeiten.

Das Drei-Seen-Land  sei die Gemüsekammer der Schweiz. Rund ein Viertel des inländischen Gemüses wachse in der Region zwischen Neuenburger-, Bieler- und Murtensee. Doch die Moorböden senken sich ab.

Bei den torfreichen Böden setzte ein Zersetzungsprozess ein, wenn diese nicht mehr genügend wassergesättigt sind. Dies sei ein grosses Problem, denn einerseits würden so grosse Menge des klimaschädlichen CO2 in die Atmosphäre frei gesetzt und andererseits seien die Böden weniger fruchtbar, schreiben die «Freiburger Nachrichten».

Eigentlich wären sie sich einig gewesen

Aus Kreisen der Landwirtschaft ist deshalb der Ruf nach einer dritten Juragewässerkorrektion laut geworden. Die Interessengemeinschaft Pro Agricultura Seeland (PAC) hat im November eine «Landesgemeinde Drei-Seen-Land» durchgeführt. Über 360 Vertreter aus Landwirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz, von 230 Gemeinden und fünf Kantonen sowie Grundeigentümer haben sich getroffen.

Die Landwirte würden bessere Zugänge zu Wasser für ihre Felder und eine Bodenverbesserung fordern, die Naturschützer mehr Biodiversität und Lebensraum für Tiere und die Gemeinden Wachstum, schreibt die Zeitung. Die Gründung des Vereins Zukunft Drei-See-Land wurde in Auftrag gegeben. Die Vertreter waren sich damals alle einig, dass für eine ganzheitliche Lösung in naher Zukunft alle im Boot sein müssten. 

Kein Stimmrecht vorgesehen

Doch nun werden Pro Natura, Birdlife, WWF und Landschaftschutz Schweiz nicht Mitglied des Vereins sein: «Die Initianten verfolgen den Weg, einen Verein unter Beteiligung und Mitsprache der Gemeinden aufzugleisen. Ein Stimmrecht für die Schutzorganisationen ist nicht vorgesehen», sagt Marcel Liner von Pro Natura auf Anfrage der Freiburger Nachrichten. «Und falls es uns trotzdem gewährt wird, wären wir immer in der Minderheit.» Ein konstruktives, partizipatives Mitarbeiten sei so nicht möglich.

Entscheid war abgesprochen

Pro Natura will nun gemeinsam mit den Naturschutzorganisationen Birdlife, WWF und Landschaftschutz eine Vision für die Region und insbesondere für den Umgang mit der Biodiversität und den organischen Böden entwerfen.

«Diese Vision werden wir selbstverständlich dem neuen Verein vorstellen», so Liner. Die grossen Schweizer Umweltschutzorganisationen hätten sich in ihrem Entscheid, nicht beim Verein mitzumachen, abgesprochen: «Wir werden beim neuen Verein, der primär der Finanzbeschaffung für das Projekt dient, nicht dabei sein. Wir erachten dies auch nicht als nötig», sagt Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftschutz Schweiz.

Zusammenarbeit nicht ausgeschlossen

Herbert Känzig, Präsident WWF Freiburg sagt: «Da im neu zu gründeten Verein nur öffentliche Trägerschaften, in erster Linie Gemeinden und Kantone sowie Flurgenossenschaften, Mitglieder mit Stimmrecht sein werden, haben sich die Umweltschutzorganisationen Birdlife Schweiz, Pro Natura und WWF entschlossen, vorerst nicht Mitglieder des neuen Vereins zu werden.»

Eine spätere Zusammenarbeit sei damit aber nicht ausgeschlossen: «Die Aspekte des Umweltschutzes müssen unbedingt berücksichtigt werden.» Exakt dasselbe sage auch Christa Glauser von Birdlife Schweiz. 

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