5.02.2019 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Neue Vorgaben stärken Produzenten
In Frankreich sind jetzt neue Vorgaben zum Verkauf von Lebensmitteln im Detailhandel in Kraft getreten, die eine gerechtere Entlohnung der Produzenten bewirken sollen. Seit dem vergangenen Freitag muss der Preis beim Verkauf mindestens 10% über dem Einstand liegen, dadurch wird den Händlern auch für Aktionsware, Lockangebote und besonders zugkräftige Produkte eine Marge „aufgezwungen“.

So sollen die Unternehmen nach Vorstellung der Regierung den nötigen Spielraum erhalten, um bei Agrarerzeugnissen auf Gewinne zugunsten der Lieferanten verzichten zu können und zugleich Preiserhöhungen zu vermeiden. Das Pariser Landwirtschaftsministerium erklärte, die derzeitige Regelung zur Preisgestaltung sorge nicht dafür, dass die Händler ihre unvermeidlichen Kosten, wie beispielsweise für Personal und Logistik, unbedingt einpreisten.

Daher sei der verordnete Aufschlag ein „wichtiger Hebel, um die Zerstörung der Wertschöpfung zu stoppen und eine gerechtere Verteilung entlang der Kette zu gewährleisten“. Laut Ministerium betrifft die neue Regelung lediglich 7% der Lebensmittel, und zwar jene, die derzeit mit sehr geringen Margen verkauft würden. Die Belastung für die Konsumenten werde aber nicht wesentlich verändert.

Konsumenten zahlen bis zu 202 Franken mehr

Die neuen Regelungen sind zunächst auf zwei Jahre beschränkt und sind Teil eines Pakets, das im Rahmen der Runden Tische zur Agrar- und Ernährungswirtschaft erarbeitet und mit dem Gesetz zur Stärkung der Erzeuger im vergangenen Herbst umgesetzt wurde. Schon zu Jahresbeginn wurden Rabatte auf 34 % des Verbraucherpreises begrenzt.

Ab März sollen derartige Aktionen auch im Volumen eingeschränkt werden. Die Massnahmen sind indes sehr umstritten: Verbraucherschützer und Einzelhandel haben wiederholt vor den Folgen für die Konsumenten gewarnt. Sie gehen von Mehrkosten zwischen 1,99 Mrd Franken (1,74 Mrd Euro) und 5,68 Mrd Franken (4,98 Mrd Euro) aus. Das würde einer Mehrbelastung von bis zu 202 Franken (177 Euro) pro Haushalt entsprechen. Eine staatliche Folgenabschätzung hatte die zu erwartende Inflation bei Lebensmitteln zwischen 0,7 % und 2 % angesetzt. 

Einzelhandel in Pflicht nehmen

Im Vorfeld der Preiserhöhungen nahmen der französische Bauernverband (FNSEA) und die Organisation der Junglandwirte (JA) erwartungsgemäss den Detailhandel in die Pflicht. Dieser müsse nur die Entlohnung der Lieferanten verbessern, ohne die Verbraucherpreise zu erhöhen. Es gehe um eine Umverteilung, mit der die Landwirte gerechter entlohnt werden könnten, „ohne die Konsumenten auszunehmen“.

Der Dachverband der Ernährungsindustrie (ANIA) warb ebenfalls für die neuen Regelungen. Der ANIA geht davon aus, dass der Anteil der betroffenen Lebensmittel nur bei 4% liegt und damit deutlich niedriger als vom Agrarressort angegeben. Die zu erwartenden Mehrkosten veranschlagt der Verband auf durchschnittlich 6,85 Franken (6 Euro) pro Person und Jahr.

Bevölkerung sei bereit dafür

ANIA-Präsident Richard Girardot zeigte sich überzeugt, dass die Bevölkerung bereit sei, diese Summe zugunsten der Agrar- und Ernährungswirtschaft aufzubringen. Lebensmittel könnten nicht zum Selbstkostenpreis verkauft werden, ohne Produzenten und Verarbeitern die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen und die Produktvielfalt zu gefährden, so Girardot.

Sein Verband hatte sich von Anfang an für das Gesetz zur Stärkung der Produzenten eingesetzt und immer wieder auf den schädlichen Preiskrieg im Einzelhandel verwiesen. Laut Berechnungen der ANIA sind der Branche dadurch seit 2014 Gewinne in Höhe von fast 4,56 Franken (4 Mrd Euro) entgangen. 

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