Sonntag, 29. November 2020
20.03.2020 18:52
Bern

Not macht erfinderisch

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Von: khe

Äpfel und Karotten statt Nelken und Tulpen. In der Berner Altstadt starten Blumenladen-Besitzer Altmann und Marktfahrerin Maurer ein gemeinsames Projekt. -> Mit Video

So still war es in der Berner Altstadt selten. Geschlossene Cafés, abgeriegelte Kleidergeschäfte, keine Touristen unter den Lauben. Nur vor der Blumen- und Hofboutique Flair an der Kramgasse sitzen zwei Menschen nebeneinander auf einer Holzbank.  

Bauern helfen einander

Umgeben von Pflanzen, steht auf einer Tafel mit Kreide «Warteraum» geschrieben. Die beiden Personen sind Urs Altmann und Lucy Maurer. Sie haben am Donnerstag das Projekt des temporären Stadt-Hofladens gestartet. Weil Altmann seinen Blumenladen wegen der Coronavirus-Verordnung schliessen musste, gehen nun statt Tulpen und Nelken, Äpfel und Karotten über den Ladentisch.

Altmann, selbst Bauer, führt im freiburgischen Kerzers einen Bauernhof, auf dem er Getreide und Blumen produziert. In Bern verkauft er nebst Floristik auch Hofprodukte: Sirup, Konfitüre oder Trockenfrüchte. Als er erfuhr, dass sein Laden geschlossen werden muss, hat er nicht lange gefackelt und gehandelt. «Wir Bauern kennen und helfen einander», sagt er.

Weiterhin Gemüse im Quartier

Bäuerin Lucy Maurer aus Diessbach BE kennt man in Bern. Sie und ihre Familie verkaufen samstags Bio-Gemüse und -Früchte im Lorraine- und Breitenrainquartier. Auch in Aarberg, Olten, Lyss und Solothurn stellt sie normalerweise ihren Stand auf. Jetzt aber ist Schluss. «Märkte sind verboten, und auf dem Land fehlen die Leute», sagt sie. Am Samstag steht ihr Verkaufsstand daher lediglich auf dem Parkplatz der Bäckerei Bohnenblust im Berner Breitenrain. Einzelstände sind nämlich laut Bund weiterhin erlaubt.

Dass Blumenladen-Besitzer Altmann auf sie zugekommen ist, mache ihr Mut. Im Laden stehen Körbe und grüne Plastikharassen. Radieschen, Kohlrabi und Selleriestängel locken mit satten Farben und auf der Ladentheke stehen weisse und braune Eier in Kartonschachteln. «Wir hatten bereits am ersten Morgen beachtlich Kunden», freut sich Maurer. «In der Berner Altstadt leben immerhin mehr als 2000 Menschen. Es spricht sich rasch rum», meint auch Altmann. Werbung gemacht hätten sie nicht. Nur Beiträge auf Social Media – und die gingen durch die Decke. Sie wurden mehrere tausendmal angeschaut.

Nur drei Personen im Laden

In den Laden eintreten dürfen lediglich drei Personen gleichzeitig. Daher der Warteraum draussen. Händewaschen nach jeder Bedienung ist Pflicht. Auch werden die Kunden darauf hingewiesen, den nötigen Abstand voneinander zu halten. Zahlen kann man bar oder mit Karte. Bei Maurer sind die Angestellten von Altmann weiterhin beschäftigt.

So musste er niemanden kündigen. Er darf zwar keine Blumen mehr verkaufen, doch ausliefern geht. Sträusse, Gestecke, Pflanzensetzlinge und sogar Maurers Gemüse, liefert der Velo-Kurier bequem nachhause. Auch können Kunden diese in der Abholbox direkt beim Laden selbst abholen.

Auch Läden ausserhalb von Grosshandel

Ob Altmann und Maurer so ihre Unkosten decken können, wissen sie nicht. «Es ist ein gemeinsames Projekt», sagt der Landwirt. «Ob es rentiert oder nicht wissen wir nicht». Aber darum scheint es nicht in erster Linie zu gehen. Die beiden wollen der Berner Bevölkerung frische und gesunde Lebensmittel bieten.

Für Altmann ist unverständlich, dass immer nur von grossen Detailhändlern gesprochen wird, die ihre Türen offenhalten. Auch Bäcker, Metzgereien und Käsereien betreiben ihre Geschäfte weiterhin. Rund um den neuen Hofladen in der Berner Gerechtigkeitsgasse können Städter also durchaus Lebensmittel ausserhalb des Grosshandels einkaufen.

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