22.04.2018 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - ber
Bern
Oberländer Holz für perfekten Klang
Bauernsohn Heinz Tschiemer aus Habkern BE fertigt mit seiner Frau Marietta und der Hilfe seines Vaters Hans Alphörner mit dem klingenden Namen Bernatone. Das Holz stammt aus ihrem Dorf im Berner Oberland. -> Mit Video und Bildergalerie

Seit sechs Jahren stellt Heinz Tschiemer aus Habkern BE Alphörner her. Zuvor arbeitete er jahrelang im Aussendienst einer Stalleinrichtungsfirma. Bis die Übernahme einer Alphorn-Firma für ihn und seine Frau zum Thema wurde. Die Gründung von Bernatone-Alphörnern fällt auf das Jahr 1998 in Niederbipp BE zurück. 

Übernehmen Landwirtschaftsbetrieb

Der Gründer und frühere Hersteller dieser friedlich klingenden Instrumente bezog das Holz seit je in Habkern bei Tschiemers. Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters bot sich vor sechs Jahren ein Besitzerwechsel der Firma in die Hände von Marietta und Heinz Tschiemer an. Sie fügt an: «Ein Schritt, den wir uns sehr gut überlegt, aber nie bereut haben.» 

Seither bauen die beiden in ihrer Werkstatt im Herzen von Habkern Alphörner, wo sie auch interessante Führungen anbieten. Sie sind Eltern von drei kleinen Buben. Die drei halten sich ebenfalls gerne in der Werkstatt auf. Bewusst und sorgsam gehen die Buben mit den Instrumenten um. Dem 6-jährigen Matthias, seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Jan und sogar dem 2-jährigen Marco gelingen schon klingende Töne aus den langen Holzinstrumenten. Fürs kommende Jahr planen Marietta und Heinz Tschiemer zusätzlich die Übernahme des elterlichen Landwirtschaftsbetriebs.

«Von A bis Z in Habkern»

Was zeichnet ein Alphorn von Bernatone denn aus? «Die gesamte Wertschöpfungskette, also vom rohen Baumstamm bis zum spielfertigen Instrument findet zu hundert Prozent im auf 1055mü.M. gelegenen Bergdorf im Berner Oberland statt», sagt Tschiemer. Im Wald oberhalb von Habkern wachsen die Bergfichten der Sonne entgegen. «Für ein Alphorn brauche ich Holz einer 350 bis 500 Jahre alten Fichte», so der Alphornbauer weiter. Für den perfekten Klang eines Alphorns brauche es unzählige Arbeitsschritte. Zudem würden vier bis fünf Wochen für eine Serie Alphörner, bestehend aus fünf Instrumenten, benötigt.

Nach dem Fällen eines alten Nadelbaumes, bei welchem die Eignung für ein späteres Klanginstrument noch nicht gewährleistet ist, wird das Holz in die Sägerei von Hans Tschiemer, dem Vater von Heinz transportiert. Dieser führt die Dorf-Sägerei bereits in der dritten Generation. Er sägt das Holz zu, bevor es für vier bis sieben Jahre Trocknungszeit in Habkern gelagert wird. Für ein Alphorn wird nur qualitativ hochstehendes Holz einer Haselfichte verwendet. «Im Vergleich zu anderen Gehölzen kann Haselfichte viel dünner verarbeitet werden, ohne dass es dabei zu Rissbildungen kommt» weiss der Alphornhersteller. 

Vierteiliges Instrument

Das hochwertige Holz weist weder Harz noch Äste auf und wird wie beim Fleisch «ein Filetstück» genannt. Nach der Lagerung kommt Heinz Tschiemer in seiner Werkstatt mit der Programmierung der Computermaschinen und seinem Handwerk zum Zug. Vor der Vollendung der Instrumente wickelt Marietta die Hörner gekonnt, routiniert und mit viel Fingerspitzengefühl mit dem Flechtholz Rattan ein, ehe das Instrument mit Malerei oder Brennkunst veredelt und lackiert werden kann.

Grundsätzlich besteht ein Alphorn aus vier Teilen. Das Mundstück, das Handrohr, der Mittelteil und das Becherstück bilden gemeinsam das klangvolle Instrument. Für Letzteres wird eine Tanne von 80 cm Durchmesser benötigt. Eindrücklich, wenn man bedenkt, dass der Durchmesser einer Fichte pro Jahr lediglich um 2mm wächst. «Übrigens ergeben die Jahreszeiten Frühling und Sommer die hellen Jahrrillen, die dunklen hingegen entstehen in den Herbst- und Wintermonaten» fügt Heinz Tschiemer an. 

Alphorn hat Seele

Weiter betont er, dass ein Alphorn eigentlich etwas «sehr Intimes» ist. «Schliesslich saugt das Holz während dem Spielen stetig Speichel auf.» Dennoch gibt es auch bei Bernatone Occasions-Hörner zu kaufen. Es sei selten, dass ein Horn nach der Herstellung nicht den gewünschten Anforderungen entspreche. In einem solchen Fall komme das Instrument als Miethorn zum Einsatz. 

«Ein Alphorn sollte immer wieder gespielt werden, damit der Charakter bestehen bleibt. Ein Alphorn hat eine Seele und ist wie bereits erwähnt, etwas sehr Persönliches», so Tschiemer weiter. Die Alphörner aus Habkern seien für deren kräftigen und vollen Ton bekannt, was auf den Rohstoff sowie die Mensur (Öffnungswinkel) der Instrumente zurückzuführen sei. 

Einblicke

Marietta und Heinz Tschiemer gewähren während einer einstündigen Besichtigung Einblick in den Alphornbau. Dabei ist es möglich, den beiden über die Schultern zu schauen und mehr über das urchige Instrument zu erfahren. Das Naturprodukt des Ehepaars war übrigens im Jahr 2016 für den «Prix Montagne» nominiert. ber

www.bernatone.ch

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