9.09.2015 08:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Franz Bamert, lid
Kommunikation
"Offensiv über unsere Leistungen informieren"
Am 20. September heisst es "Vo Puur zu Puur". Betriebe in den Kantonen Zürich und St. Gallen öffnen ihre Türen und zeigen, was die Schweizer Bäuerinnen und Bauern alles drauf haben.

Eigentlich geht die Reise nur an den östlichen Rand des Kantons Zürich, doch unvermittelt findet man sich auf einer Schottischen Insel, in Amerika oder in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg wieder. Wie das geht? Ganz einfach: Man nimmt sich Ende September einen Sonntag lang Zeit und macht sich zu Fuss, mit dem Velo oder dem Shuttle-Bus auf den Weg "Vo Puur zu Puur". Oder zur "Püürin".

Zum Beispiel zu Nadine (38) und Urs (39) Steinmann in Ellikon an der Thur, zu Doris Hebeisen (49) und René Meili (48) in Rickenbach oder zu einem der anderen völlig unterschiedlichen Betriebe, die bei der Aktion mitmachen. Vordergründig kann man sich bei diesem Event den Bauch vollschlagen, jeder Hof bietet Köstlichkeiten aus eigener Produktion an.

Jeder kommt auf seine Rechnung

Man kann auch einfach die schöne Gegend geniessen. Die Felder und Wiesen sind eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft mit Wanderwegen, Bächen und malerischen Dörfern. Aber man kann auch sein allfälliges (Vor-)urteil über die Landwirtschaft korrigieren oder sein Wissen über die Produktion von Lebensmitteln, als Mittel zum Leben, aufdatieren lassen.

Die Betriebe sind so ausgewählt, dass sie das ganze Spektrum der Landwirtschaft abdecken. Da geht es von der Christbaumanlage über Weidegänse und Weinbau bis hin zur Maschinenausstellung und zur Mutterkuhhaltung. Und auch wer schon immer einmal ganz genau wissen wollte, wie das genau zu und her geht auf einem Bio-Hof, kommt auf seine Rechnung.


"Vo Puur zu Puur"

Am Sonntag, 20. September 2014, öffnen neun Betriebe im Bezirk Winterthur sowie sieben Betriebe im Raum St. Gallen-Gossau ihre Türen für die Bevölkerung. Die Gäste geniessen frische Spezialitäten direkt vom Hof und erleben ein abwechslungsreiches Aktivitäten-Programm. Weiter Informationen finden Sie für den Kanton Zürich unter www.vopuurzupuur.ch sowie für den Kanton St. Gallen unter www.vopuurzupuur-sg.ch.

Kartoffelernte damals und heute

Die Zeiten der "bluemeten Trögli", der paar Milchkühe im Stall und dem bissigen Bläss davor sind lange vorbei: "Wir betreiben auf unseren 34 Hektaren Land Wein-, Gemüse- und Ackerbau, haben Schweine, Schafe und betreiben seit jeher Kartoffelanbau", sagt Nadine Steinmann. "Darum steht bei uns der ‚Vo-Puur-zu-Puur-Tag' unter dem Motto Kartoffelernte früher und heute", so die Bäuerin. Früher, das war nach dem Krieg, als der heute 91-jährige Grossvater Steinmann von Hand und allenfalls mit Ross und Wagen Erdäpfel setzte und erntete. Heute, das sind Vollernter in der gefühlten Grösse eines Einfamilienhauses.

Und noch etwas ist heute anders: "Globalisierung, Preiskampf oder Einkauf jenseits der Grenze, das sind Realitäten. Darum müssen wir offensiv über unsere Leistungen informieren", sagt Urs Steinmann. Genau aus diesem Grund macht auch René Meili bei "Vo Puur zu Puur" mit: "Wenn die Leute auf den Hof kommen, sehen sie eins zu eins wie die Tiere, wie wir leben."

Hochleistung gegen Robustrassen

Die vieldiskutierten Direktzahlungen hin, die abgebauten Subventionen her, viele Betriebe können nur mit mehreren Standbeinen und mit innovativen Ideen wirtschaftlich geführt werden. Meili ist Teilzeit-Postautochauffeur, Steinmann macht Lohnarbeit, um seine Maschinen auszulasten.

Auf dem Hof Meili-Hebeisen stehen auch keine Hochleistungs-Milchkühe mehr, sondern kleine, robuste und gutmütige Luing-Mutterkühe mit Stier und Kälbern. Die Rasse stammt von der gleichnamigen, kargen Insel vor Schottland. Meili war dort und berichtet von einem rund zwei Quadratkilometer grossen, rauen Eiland auf dem früher Schiefer abgebaut wurde. "Die Tiere sind von Natur aus hornlos, wachsen extrem langsam und ihr Fleisch ist sensationell gut", sagt Meili, der nur das verfuttert, was seine 15 Hektaren Land hergeben.

So gut ist das Fleisch, dass er die gesamte Produktion über den Hofverkauf absetzen kann. Das Gegenstück zur Luing-Zucht Meilis sind die Beerenkulturen seiner Partnerin. Da wachsen auf 30 Aren Aronia-Beeren, die es aus Russland über die USA bis in die Schweiz geschafft haben. Da gedeihen Früchte mit Namen, die man hierzulande (noch) kaum kennt: Indianer-Bananen etwa oder China, Datteln und weitere Sorten.

Arbeit als Passion

Ob nun Kartoffeln oder Wein, Luing-Rinder oder Indianer-Bananen – eines fällt auf beiden Höfen auf: Die Hingabe, mit der die Bauern über ihre Produkte, ihre Tiere, ihre Arbeit reden.

Und auch die Bereitschaft und Offenheit, mit der sie diskutieren, argumentieren und erklären. Das ist auch nötig, denn Hand aufs Herz: Die meisten Menschen wissen heute kaum mehr, wie das genau funktioniert mit dem Gras, den Kuhmägen und der Milch.

 

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE