10.03.2019 08:29
Quelle: schweizerbauer.ch - ats
Leserreise Dubai 2019 (2/3)
Ohne Tiere ist Gemüseanbau unmöglich
Gemüse aus der Wüste und Milch von einer 15000er-Rindviehherde, natürlich geht das, zumindest in Dubai. Auf der Leserreise wurden Einblicke in Produktionsformen gewährt, die fernab von unseren sind.

Gemüseanbau in Bioqualität ist in unseren Breitengraden ja bereits eine Wissenschaft für sich, aber in der Wüste? Dass das geht und vor allem wie, hat uns Elena Kinane, Betriebsleiterin der Greenheart organic Farm auf charmante Art und Weise nähergebracht. Auf 5,2 Hektaren werden rund 130 verschiedene Gemüse- und Obstsorten angebaut und das in Mischkulturen.

Mischkulturen senken laut der Betriebsleiterin den Krankheitsdruck bei den Pflanzen. Wichtig für einen Biobetrieb, der keine Pflanzenspritzmittel einsetzt. So teilen sich beispielsweise Tomaten und Bohnen ein Pflanzbeet, und dazwischen leuchten die gelb-orangen Blüten der Tagetes hervor. «Der Duft der Blumen vertreibt Schädlinge», erklärt Kinane. Diese bleiben an den zahlreichen Klebefallen haften. 

Wasser ist Leben

Das Gemüse auf der Farm wird im Freiland und in Gewächshäusern angebaut. Überall sind dünne schwarze Schläuche verlegt. Via Tröpfchenbewässerung werden sämtliche Pflanzen bewässert.

«Sonst würde hier nichts wachsen», sagt Kinane. Nirgendwo sonst als in der Sandwüste wird einem die Wichtigkeit von Wasser so sehr bewusst und wird man auf den bewussten Umgang damit sensibilisiert.

Sand wird vorbereitet

Das Wasser stammt aus drei Brunnen des Betriebes. Sie sind in 15, 30 und 50 Metern Tiefe gefasst. «Wir schauen stark darauf, dass wir nur so viel Wasser brauchen, wie die Brunnen liefern können, ohne dass sie versiegen», so die Betriebsleiterin. Ein Ansatz, der leider in der Gegend nicht gang und gäbe sei. Oft würde so viel Wasser entnommen, dass das wertvolle Nass irgendwann nicht mehr fliesse.

Das Versiegen der Brunnen ist gleichzeitig auch das Aus der Betriebe.  Doch mit Wasser allein ist es nicht getan, zumindest nicht auf reinen Sandböden. Diese müssen für den Anbau von Pflanzen vorbereitet werden. Dazu wird auf dem Pflanzbeet eine Schicht schwarzes Vulkangestein ausgebracht, es dient zur Mineralisierung des Bodens. Anschliessend folgt eine Schicht Kompost-Mist-Gemisch. Nebst dem Wasser das zweite fundamentale Element für den Gemüseanbau in der Wüste.

«Hier gibt es keinen Humus», so Kinane. Danach wird eine dünne Sandschicht verteilt. Das vorbereitete Beet ruht nun für zwei bis drei Wochen, bevor die ersten Pflanzen angebaut werden. Doch noch einmal zurück zum Kompost. Dieser wird auf der Farm selber produziert und zwar aus den Pflanzenabfällen des Gemüsebaus. 

Es braucht Mist

Der fertige Kompost wird mit Mist angereichert. Auf der Farm und in der Umgebung leben 400 Ziegen, 50 Kühe, 60 Schafe und 350 Hühner. Alles Rassen, welche die Sommerhitze mehr oder weniger gut vertragen, denn gekühlte Stallungen gibt es nicht. «Wir halten die Tiere nur wegen dem Mist, den wir als Dünger einsetzen.

Ohne die Tiere wäre der Gemüseanbau nicht möglich», begründet Kinane. 1,5 Tonnen Gemüse verkaufen sie und ihr Team pro Woche via Direktvermarktung. Die Greenheart organic Farm gibt es seit acht Jahren. Der Ertrag könne jedes Jahr gesteigert werden, denn sie würden sämtliches Saatgut selber nachziehen, und die Pflanzen würden sich mit jeder Generation besser an die örtlichen Anbaugegebenheiten anpassen. Es gibt gewiss einfachere Anbaugebiete als eine Wüste, wieso also der ganze Aufwand?

«Der Anbau von Pflanzen war seit jeher in Oasen möglich, vorausgesetzt, es war Dünger vorhanden. Das Wissen darum geht aber verloren. Wenn ich es fertigbringe, in der Wüste Biogemüse anzubauen, dann ist es überall machbar», so die überzeugte Unternehmerin.

15'000-Rindviecher 

Dass es machbar ist, das will auch die Al Rawabi Dairy Farm beweisen. Wir wechseln dafür die Produktionsrichtung, denn grösser könnte der Kontrast zur Biofarm wohl kaum sein. 15000 Rindviecher leben auf der Farm, davon werden zurzeit 8500 gemolken. Die durchschnittliche Milchleistung liegt bei 10500 Litern pro Jahr.

Der Betrieb folgt einem genauen Zuchtkonzept. Kühe, die unter 7000 l pro Jahr geben, werden aussortiert. Solche, die eine Milchleistung von 7000 bis 9000 l/Jahr geben, werden mit Mastgenetik (Angus, Blauer Belgier) besamt, Tiere mit einer Leistung von 9000 bis 11000 l/Jahr mit Holsteingenetik. Alle Tiere, die über 12500 l/Jahr leisten, das sind rund zehn Prozent der Herde, werden für die Produktion von Embryonen genutzt. Laut dem Betriebsleiter werden pro Kuh und Jahr 54 Embryonen gewonnen. 

Trinkwasser kühlen

Die Kühe sind im Schnitt während drei Laktationen auf dem Betrieb, es wird aber eine Laktationsdauer von fünf angestrebt. Beachtliche Leistungen für die Tiere, die im Sommer mit Temperaturen von über 50 Grad auskommen müssen.

Damit das möglich ist, stehen zahlreiche Ventilatoren im Einsatz. Den Tieren stehen grosse Sandausläufe zur Verfügung, die Unterstände können im Sommer durch Storen geschlossen und runtergekühlt werden. Das Trinkwasser wird immer auf 15 Grad gekühlt. 

100 Prozent Futterimport

Das Wasser stamme übrigens auch aus dem eigenen Brunnen, welcher 5000 Kubikliter Wasser pro Tag liefere. Das Wasser aus Melkanlage und Co. werde recycelt und wiederverwertet.

Die 200 Tonnen Mist pro Tag würden in die Biogasanlage gehen und zur Stromerzeugung genutzt oder würden als Dünger verkauft. Das Futter werde zu 100 Prozent importiert von überall aus der Welt.  

Hier geht es zum 1. Teil

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