13.11.2018 16:31
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Umwelt
Ozon: China verzögert Erholung
Jährlich gelangen 35'000 Tonnen des Ozon-schädlichen Tetrachlorkohlenstoffs in die Atmosphäre. Dies, obwohl das Montreal-Protokoll dem seit 2010 einen Riegel geschoben hat. Forschende der Empa sind mit Kollegen möglichen Quellen des Gases auf die Schliche gekommen.

Tetrachlorkohlenstoff (CCl4) sollte laut dem Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht seit 2010 nicht mehr in die Atmosphäre gelangen. Beim Uno-Umweltprogramm UNEP sind 3000 Tonnen an jährlichen Emissionen des Gases offiziell gemeldet. Tatsächlich gelangen aber 35'000 Tonnen CCl4 pro Jahr in die Atmosphäre.

Internationale Forschungsteams mit Beteiligung von Wissenschaftlern um Stefan Reimann von der Forschungsanstalt Empa sind dem Rätsel um den undeklarierten Überschuss des Ozonkillers nun in mehreren Studien auf die Schliche gekommen, wie die Empa mitteilte.

Insbesondere dank Messdaten aus Südkorea konnten die Wissenschaftler die Hauptquelle identifizieren: Rund 20'000 Tonnen des undeklarierten CCl4 stammt laut den Forschenden aus China. Ein Grossteil des Gases lasse sich auf Fabriken zurückführen, in denen chlorierte Lösungsmittel, wie zum Beispiel Chloroform, hergestellt werden. Zudem ist CCl4 als Zwischenprodukt in der chemischen Synthese gemäss dem Montreal-Protokoll noch erlaubt, darf dabei aber eigentlich nicht in die Atmosphäre entweichen.

Werte bleiben seit 2010 hoch

«Die Daten der südkoreanischen Messstation zeigen klar höhere CCl4-Werte, wenn der Wind aus Richtung China weht», erklärte Reimann im Gespräch mit der Agentur Keystone-SDA. Auch nach dem Verbot 2010 hätten die Werte nicht abgenommen.

Die restlichen undeklarierten CCl4-Emissionen stammten aus anderen asiatischen Ländern, aber auch Europa und den USA. Dies konnten die Forschenden anhand von Daten weiterer Messstationen bestimmen, von denen eine auf dem Jungfraujoch steht.

China stösst nicht nur CCl4, sondern auch das im Montreal-Protokoll komplett verbotene FCKW-11 aus, wie eine Studie der US-Behörde NOAA kürzlich zeigte. Zwar soll sich die Ozonschicht nach neuesten Schätzungen bis etwa 2060 vollständig erholt haben. «Aber diese zusätzlichen Emissionen verlangsamen diesen Prozess um einige Jahre», so Reimann. «Wir könnten es besser machen.»

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